Seit 2004 hat es in Pfullendorf keinen Mittelalter-Markt mehr gegeben. Die erste „Feierey“ nach 15 Jahren Abstinenz fand am Wochenende statt. Der städtische Kulturbeauftragte André Heygster zog gestern ein positives Fazit. Die angepeilte Zahl von 2000 Besuchern habe man schon am Samstag erreicht. Geworben wurde mit 300 Plakaten zwischen Bodensee und Sigmaringen, auf Facebook und in den lokalen Print-Medien. „Das Interesse war erfreulich groß“, sagte Heygster im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Einheimische, Besucher von auswärts und auch eine ganze Reihe von Anhängern der Mittelalter-Szene belebten den Stadtgarten, um eine Zeit- und Fantasyreise zu unternehmen. Vollbärtige Männer im Kilt oder als Wikinger gewandet, Frauen im Gothic-Look, Piraten und Ritter, Spielleute und Gaukler mischten sich unter das „normale“ Volk.

Michael (Mitte) und Uschi Riese vom Veranstalter „Beerenweine“ mit André Heygster, der die „Feierey“ von städtischer Seite aus organisierte.
Michael (Mitte) und Uschi Riese vom Veranstalter „Beerenweine“ mit André Heygster, der die „Feierey“ von städtischer Seite aus organisierte. | Bild: Johanson, Kirsten

Ein wichtiges Anliegen sei es gewesen, von den Besuchern keinen Eintritt zu verlangen, stellte Heygster fest. „Sollte es wieder einen Mittelalter-Markt geben, lege ich Wert darauf, dass auch in Zukunft kein Eintritt erhoben wird.“ Und weil die Stadt dem Veranstalter die Fläche kostenlos zur Verfügung stellte, mussten auch die 40 Standbetreiber keine Miete zahlen.

Manuel Schünemann und Silke Bächle kamen extra aus Karlsruhe nach Pfullendorf.
Manuel Schünemann und Silke Bächle kamen extra aus Karlsruhe nach Pfullendorf. | Bild: Johanson, Kirsten

Die „Feierey“ im Seepark oder in der Innenstadt zu veranstalten habe man sich zwar überlegt, doch nach entsprechenden Ortsbesichtigungen zusammen mit Michael Riese, dem Mitveranstalter, sei die Wahl auf den Stadtgarten gefallen. Schon allein aus logistischen Überlegungen heraus. Heygster: „Der Aufbau dauert zwei Tage, wir können nicht schon donnerstags die Innenstadt sperren.“ Und auch die idyllische Atmosphäre war ein Grund, das Spektakel im Stadtgarten aufzuziehen. „Wir haben mit dem Stadtgarten ein echtes Kleinod, das wir wieder mehr ins Bewusstsein rücken sollten“, ist André Heygster überzeugt. „Ich halte die Lokalität für sehr geeignet“, sagte auch Riese. Sein Familienunternehmen schlüpfte in Pfullendorf erstmals in die Veranstalterrolle, denn bislang trat „Beerenweine“ ausschließlich als Beschicker auf.

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Der Veranstaltungsort gefiel auch Stefan aus Wurmlingen: „Ich bin seit fünf Jahren als Besucher auf Mittelalter-Märkten unterwegs“, erklärte der 32-jährige, der mit Lederwams, Rundschild, Helm und Perlen im roten Vollbart einen Wikinger präsentierte. „Das viele Grün in der Parkanlage gefällt mir.“ Daniel aus Rottweil pflichtete ihm bei: „Schön hier.“ Und auch ein Standbetreiber aus Hohenlohe, der Schaffelle verkaufte, sah es so: „Ein sehr passendes Ambiente.“ Silke Bächle und Manuel Schünemann aus Karlsruhe freuten sich: „Es macht Spaß, die Leute sind aufgeschlossen und freundlich. Toll, dass wir kostenlos im Stadtgarten zelten konnten.“ Auch andere Besucher waren von der Stimmung angetan. So fühlte sich nach eigenem Bekunden die private Piraten-Gruppe „Death Raven“ in Pfullendorf rundherum wohl: „Veranstaltungen wie diese sind so entschleunigend“, erklärte Maikel Fahrner, der aussah wie Captain Jack Sparrow aus dem „Fluch der Karibik„. „Wir haben unser Piraten-Lager hier im Park aufgeschlagen, wollen Spaß haben und Spaß verbreiten.“ Und auch Hauke vom Bogenschießstand, im Alltag Industriemechaniker, schwärmte: „Das ist eine andere Welt!“