Sichtlich beeindruckt zeigte sich Christian Meyer, Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Niedersachsen, beim Besuch des Naturlandhofes Heinzler in Großstadelhofen. Vor vier Jahren wurde der Grünenpolitiker zum Ressortchef ernannt und ist ein Verfechter einer auf Nachhaltigkeit und Tierwohl bedachten Agrarpolitik, was ihm öfters Konflikte mit der industriellen Agrarlobby einbringt. Der grünen Landtagsabgeordnete Martin Hahn hatte den Parteikollegen eingeladen, sich ein Bild über die klein strukturierte Landwirtschaft in Baden-Württemberg zu machen. Josef Heinzler, der auf dem Hof jährlich 21 000 Puten zur Schlachtreife bringt, hat den elterlichen Mastbetrieb auf Freilandhaltung und ökologische Bewirtschaftung umgestellt und managt den Hof mit Ehefrau Sheila und vier Angestellten. Bei Freilandhaltung werden zehn Quadratmeter Fläche je Tier vorgeschrieben, wobei diese Vorgabe nicht automatisch gewährleistet, dass die Tiere auch den entsprechenden Freiraum nutzen. Denn den Puten steckt, wie Hühnern, die Angst vor Greifvögeln in den Genen und deshalb halten sich die Tiere stets in der Nähe der Stallungen auf. Putenzüchter Heinzler hat für dieses Problem eine Lösung gefunden und rund 2000 Holunderbäume gepflanzt, die den Puten Schatten spenden, Beschäftigung und auch Schutz vor Greifvögelattacken bieten. Deshalb sind die vielen hundert Tiere auch über die ganze Freifläche verteilt. Sheila Heinzler hat mit dem Holunder ein neues Standbein aufgebaut. Der Holunder wird händisch gepflückt, zu Sirup, Saft oder neuerdings zum Sekt verarbeitet und findet Abnehmer in der gesamten Region.

Der Naturhof hat in der in Kempten beheimateten Lebensmittelkette Feneberg einen verlässlichen Abnehmer für seine Puten gefunden, die ausschließlich Produkte aus regionalem, kontrollierten biologischen Anbau vertreibt. Die Puten werden nach 22 Wochen in eine Lohnschlachterei nach Ampfing gebracht, dort geschlachtet und dann in die Läden geliefert. Direktvermarktung machen die Heinzlers nur noch während der Weihnachtsfeiertage mit ihren Gänsen.

Immer wieder zückte Minister Meyer sein Handy, machte Fotos von den weitläufigen Stallungen und drehte Kurzvideos von den umherlaufenden Puten. In Niedersachsen soll 2018 ein Kürzungsverbot für die Schnäbel in Kraft treten, was in Großstadelhofen schon lange verboten ist. Dass sich Tiere gegenseitig mit dem Schnabel piesacken, ist primär auf die Besatzsdichte und die Beschäftigungslosigkeit in den Ställen zurückzuführen, erzählte Christian Meyer von einem Landwirt, der die Aufmerksamkeit seiner 25 000 Legehennen mit einer Konfettikanone erregt und für diese Innovation zum Landwirt des Jahres in Niedersachsen gewählt wurde. "Auslauf ist die beste Beschäftigung", berichtete Josef Heinzler von seinen Erfahrungen. Entscheidend für den Masterfolg sei das Streumaterial in den Ställen, ergänzte der Experte, dass man Feuchtigkeit absolut vermeiden müsse. Für kranke Tiere wurde eine extra Station eingerichtet, wobei sich der Medikamenteneinsatz vornehmlich auf die Bekämpfung von Parasiten beschränkt. Hier berichtete Minister Meyer, dass in Niedersachsen vor ein paar Jahren durchschnittlich jedes dritte Tier krank war, und man die Quote halbieren konnte.

Naturlandhof

Der Naturlandhof Heinzler in Großstadelhofen ist mit 6800 Mastplätzen für Puten einer der größten Bio-Geflügelbetriebe in Baden-Württemberg. Auf 57 Hektar Ackerfläche wird das Futtergetreide angebaut, hinzu kommt gekauftes Futtermittel. Auf fünf Hektar können sich die Puten frei bewegen, und zwar im Schatten von rund 2000 Holunderbäumen. Bewusst haben Josef und Sheila Heinzler den Kulturholunder zur Bepflanzung gewählt, weil er den Steppentieren durch raschen und stark verzweigten Wuchs geradezu ideale Lebensbedingungen bietet, Schatten spendet und Schutz vor Feinden aus der Luft bietet. Mit 22 Jahren gründete Josef Heinzler den Geflügelbetrieb und stellte den elterlichen Mastbetrieb auf Freilandhaltung und ökologische Bewirtschaftung um. Die Puten werden als Küken angeliefert und bleiben sechs Wochen im 32 Grad warmen Stall, bevor sie in die Mast kommen und mit 22 Wochen schlachtreif sind.