Als Erster nutzt Hartmut Koblitz, der viele Jahre an der Grund- und Hauptschule als Lehrer unterrichtete, die Gelegenheit, den SÜDKURIER-Lesern seinen Lieblingsplatz in Pfullendorf vorzustellen. Die Heimatzeitung hatte am vergangenen Samstag Stadtführerin Silvia Rückert bei einem Rundgang begleitet. Dabei entdeckte SÜDKURIER-Mitarbeiterin Christl Eberlein viele schöne Orte.

„Habe aus dem Bindhaus ein Museum gemacht“

Viele Jahre unterrichtete Hartmut Koblitz als Lehrer.
Viele Jahre unterrichtete Hartmut Koblitz als Lehrer. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

„Wo sind Ihre Lieblingsplätze?“, fragt der SÜDKURIER seine Leser und Hartmut Koblitz verrät seinen Platz: „Zu den Lieblingsorten in Pfullendorf gehört für mich das Bindhaus. Nicht nur, weil ich aus dem Haus ein Museum gemacht habe, sondern weil das Bindhaus in den mehr als 500 Jahren selbst eine sehr wechselreiche Geschichte hinter sich hat.“ Das Haus stammt aus dem Jahr 1499. Es gehörte dem Spital Pfullendorf und wurde als Fruchtschütte genutzt. Das heißt, auf den Böden des Hauses wurde die Ernte des Jahres gelagert.

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Weinkeller und Küferei im Haus

Im Keller waren ein Weinkeller und eine Küferei untergebracht. Das Haus selbst gehörte dem Pfullendorfer Spital und diente als Lagerraum für die Versorgung der Witwen und Waisen sowie der Armen und Kranken der Stadt. In der Zeit des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648) kamen abwechselnd schwedische Soldaten und die Armee aus bayerischen und französischen Soldaten nach Pfullendorf. Sie bedienten sich alle der gelagerten Weine, die sie entweder mitnahmen oder die Weinfässer zerstörten.

Familie Probst kauft das Haus

Die Familie Probst wohnte einst im ersten Stock des Bindhauses: Mutter Paulina, Vater Rudolf Ferdinand II. Probst sowie die Töchter Anna Martha und Antonia (von links).
Die Familie Probst wohnte einst im ersten Stock des Bindhauses: Mutter Paulina, Vater Rudolf Ferdinand II. Probst sowie die Töchter Anna Martha und Antonia (von links). | Bild: Hartmut Koblitz

Es war für das Haus eine schlimme Zeit. 1860 kaufte Rudolf Ferdinand I. Probst (1812 bis 1896) das Bindhaus. Es sollte eigentlich versteigert werden, doch niemand bot für das heruntergekommene Haus etwas. Es war, laut der alten Unterlagen, in einem sehr schlechten Zustand.

Ab 1880 wohnten der Sohn Rudolf Ferdinand II. Probst mit seiner Ehefrau Paulina, geborene Sauter aus Otterwang, sowie die Töchter Anna Martha (geboren 1889) und ihre Schwester Antonia (geboren 1893) in dem Haus im ersten Stock. Nach dem Tod der Eltern wohnten die beiden Schwestern allein in dem großen Haus, wobei einzelne Zimmer auch für kurze Zeit vermietet wurden.

Pfullendorfer lieben ihre „Zopftante“

Antonia Probst mit ihrem Markenzeichen – dem langen Zopf.
Antonia Probst mit ihrem Markenzeichen – dem langen Zopf. | Bild: Hartmut Koblitz
Antonia Probst in jungen Jahren.
Antonia Probst in jungen Jahren. | Bild: Hartmut Koblit

In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts versuchten viele Geschäftsleute und auch Geschäftemacher sowie religiöse Vereine, den Geschwistern das Haus abzukaufen. Es war in dieser Zeit in keinem guten Zustand, sodass sich 1967 die beiden Schwestern an den Denkmalschutz wandten, um Geld für eine gründliche Sanierung zu bekommen. Schließlich kaufte die Stadt Pfullendorf unter dem damaligen Bürgermeister Hans Ruck das Haus, das von Grund auf saniert wurde. Die beiden Schwestern konnten ihre Wohnung behalten, bekamen von der Stadt eine Leibrente und wurden so für ewig versorgt. 1973 starb die Schwester Martha und im Jahr 1978 auch Antonia, die von den Bürgern der Stadt liebevoll „Zopftante“ genannt wurde, wegen ihres sehr langen Zopfes.

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Wohnung wird zu einem Museum umgestaltet

In Jahr 1979/80 begann ich mit Schülern der Grund- und Hauptschule Pfullendorf, in Absprache mit dem Bürgermeister Hans Ruck, die Wohnung zu restaurieren und später als Museum umzugestalten. Grundbedingung für die Umsetzung der Idee war, dass die Wohnung als solche, und die Möbel der Familie Probst, erhalten bleiben. Und so ist ein wunderbares Museum entstanden, das sich einer großen Beliebtheit erfreut. Die Höhen und Tiefen, die dieses Haus erlebt hat, haben sich zu einem guten Ende gefügt.“