Das Amtsgericht Sigmaringen hat zwei Männer aus dem Raum Pfullendorf zu elf und 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die beiden Angeklagten sollen Mitarbeiter und Rettungssanitäter im Pfullendorfer Krankenhaus bei der Arbeit behindert, sie bedroht und beleidigt haben. Auch gegenüber herbeigerufenen Polizisten sollen die Männer ausfallend geworden sein.

Aus der Anklageschrift ging hervor, dass die beiden im Oktober 2017 einen verletzten Bekannten ins Pfullendorfer Krankenhaus gebracht hatten. Die Klinikmitarbeiter hätten entschieden, den Patienten zur weiteren Behandlung in ein anderes Krankenhaus zu verlegen. Damit seien die Angeklagten nicht einverstanden gewesen. Weil sie die Verlegung verhindern wollten, sollen sie Klinikmitarbeiter und Rettungssanitäter bedroht und mit ihren Smartphones gefilmt haben. Als die herbeigerufenen Polizisten eintrafen, sollen die Männer auch die Beamten gefilmt und beleidigt haben. Erst als diese die Männer in Gewahrsam genommen hatten, konnten die Klinikmitarbeiter sich nach über einer Stunde wieder um den Verletzten kümmern.

Filmriss bei den Angeklagten

Beide Angeklagten sagten vor Gericht aus, dass sie erheblich betrunken gewesen seien und sich nicht mehr an die Ereignisse erinnern könnten. Die insgesamt acht als Zeugen geladenen Sanitäter, Klinikmitarbeiter und Polizeibeamten sagten übereinstimmend aus, dass die Angeklagten zwar nach Alkohol gerochen hätten. Sie hätten jedoch nicht erheblich betrunken gewirkt.

Zur Prüfung der Schuldfähigkeit der Angeklagten hatte das Gericht einen Facharzt für Psychiatrie und Suchtmedizin mit einem Gutachten beauftragt. Der Mediziner erzählte in der Verhandlung, dass er beide Männer aus seiner Zeit in einer Klinik kenne. Einem der beiden Männer, der sich bei dem Vorfall mutmaßlich eher im Hintergrund gehalten hatte, bescheinigte der Arzt eine Mehrfachabhängigkeit. Er leide an Alkohol-, Drogen- und Spielsucht. Er attestierte ihm eine krankhafte seelische Störung, weshalb er nur vermindert schuldfähig sei. Auch der zweite Angeklagte und mutmaßliche Haupttäter sei psychisch auffällig. Vor einigen Jahren sei bei ihm die Vorstufe einer paranoiden Schizophrenie festgestellt worden. Um die Symptome zu unterdrücken, greife der Angeklagte zu Alkohol und Drogen. Zur Tatzeit sei auch er vermindert schuldfähig gewesen.

Die Staatsanwaltschaft sah in ihrem Plädoyer die Anklage gegen die beiden Männer bestätigt und beantragte Freiheitsstrafen. Auch die Verteidiger zweifelten die Schuld ihrer Mandanten nicht an, beantragten aber, die Haftstrafen auf Bewährung auszusetzen. Das Gericht verurteilte den mutmaßlichen Haupttäter schließlich zu 15 Monaten Haft auf Bewährung und setzte die Bewährungszeit auf vier Jahre fest. Außerdem soll er sich einer Langzeit-Therapie unterziehen. Gegen den zweiten Angeklagten verhängte das Gericht eine Freiheitsstrafe von elf Monaten, ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Darüber hinaus muss er 1500 Euro an den Bewährungshilfeverein zahlen.

In der Urteilsbegründung wies die Richterin darauf hin, dass die Männer nach den neuen Gesetzen zum Schutz von Polizei und Rettungskräften verurteilt worden seien. Einer der Sanitäter habe ausgesagt, dass er so etwas in seinem jahrzehntelangen Berufsleben noch nie erlebt habe. Außerdem hätten die Angeklagten die Behandlung des Verletzten erheblich verzögert.