Die Musikerin und Sängerin Dorle Ferber kreierte speziell für den kreisweiten Kulturschwerpunkt „Demokratie und Freiheit“ ein Konzert-Programm. Unter dem Titel „Mein ganzer Reichtum ist mein Lied“, der dem Gedicht „Leicht Gepäck“ von Georg Herwegh (1817-1875) entstammt, hörte das Publikum in der Stadtbücherei in der Steinscheuer in Pfullendorf Lieder und Gedichte von Dichtern des Vormärz. Diesen gaben Dorle Ferber und der Kontrabassist Kolja Ledge ihre eigene reizvolle Prägung.

Dorothea Kalberer, Heggelbach: "Freiheit und Demokratie gehören zusammen. In einer Demokratie kann man sich selbst sein – in aller Verschiedenheit. Jeder hat eine Stimme. Ich fühle mich frei in meinem Leben. Doch ist die Demokratie immer in Gefahr. Sie kann vergänglich sein."
Dorothea Kalberer, Heggelbach: "Freiheit und Demokratie gehören zusammen. In einer Demokratie kann man sich selbst sein – in aller Verschiedenheit. Jeder hat eine Stimme. Ich fühle mich frei in meinem Leben. Doch ist die Demokratie immer in Gefahr. Sie kann vergänglich sein." | Bild: Isabell Michelberger

André Heygster konnte die zahlreichen Gäste in der Steinscheuer im Namen von vier Institutionen begrüßen: der Stadtbücherei, des Kreiskulturforums, des Landkreises Sigmaringen und der Stadt Pfullendorf. Er erzählte, dass er bisher immer in die Proben von Dorle Ferber hineingehört habe. „Doch dieses Mal durfte ich nicht bei den Proben dabei sein“, so Heygster, weshalb er ebenso neugierig sei, wie das Publikum.

Ulrich A. Hillecke, Überlingen: "Die Demokratie hat einen hohen Wert. Wir leben im Moment jedoch nicht mehr die Demokratie, in der eine aktive Teilnahme gefordert wird. Die Bürger ziehen sich zurück in ihr privates Nest. Ich finde, wir müssen wieder selbstständig denken und das Denken nicht anderen überlassen."
Ulrich A. Hillecke, Überlingen: "Die Demokratie hat einen hohen Wert. Wir leben im Moment jedoch nicht mehr die Demokratie, in der eine aktive Teilnahme gefordert wird. Die Bürger ziehen sich zurück in ihr privates Nest. Ich finde, wir müssen wieder selbstständig denken und das Denken nicht anderen überlassen." | Bild: Isabell Michelberger

Die Lieder und Texte, welche die Sängerin und Musikerin Dorle Ferber ausgesucht hatte, gaben die Stimmung der Menschen im Vormärz, etwa der Zeit zwischen der Julirevolution von 1830 bis zur Märzrevolution von 1848/49, wieder, in der die Forderung nach Gleichbehandlung aller Menschen, nach einer demokratischen Verfassung und Pressefreiheit laut wurden. Die Musikerin erklärte vorab das gesellschaftliche Umfeld der Texte und berichtete von den einzelnen Dichtern, die wegen „aufwieglerischer“ Texte in jener Zeit im Gefängnis landen konnten.

Mischung von Bekanntem und Unbekanntem

Die Auswahl an diesem Abend bestand aus einer Mischung von Bekanntem und Unbekanntem. Das Faszinierende an den Interpretationen der beiden Musiker bestand darin, dass sie berühmten Liedern wie „Die schlesischen Weber“, „Die Gedanken sind frei“ oder dem „Bürgerlied“, deren Melodie viele im Kopf haben durch Stimmen von Hannes Wader, Zupfgeigenhansel oder Ougenweide, ihr ganz eigenes Gepräge gaben. Sie arbeiteten die Stimmung von Freude und Leid, von Widerstand und satter Bequemlichkeit, von Armut und Reichtum sowie von harter Arbeit und selbstverständlichem Reichtum musikalisch und sprachmalerisch eindrucksvoll heraus.

Katharina Wetzel, Pfullendorf: "Die Demokratie hat für mich einen hohen Stellenwert. Doch müssen wir um sie fürchten. Ich verfolge, was in den Medien passiert, und das macht mir in Bezug auf die Demokratie Angst. Wir leben noch in behüteten Verhältnissen. Blickt man in andere Länder, sieht das ganz anders aus."
Katharina Wetzel, Pfullendorf: "Die Demokratie hat für mich einen hohen Stellenwert. Doch müssen wir um sie fürchten. Ich verfolge, was in den Medien passiert, und das macht mir in Bezug auf die Demokratie Angst. Wir leben noch in behüteten Verhältnissen. Blickt man in andere Länder, sieht das ganz anders aus." | Bild: Isabell Michelberger

Das Volkslied „Es geht eine dunkle Wolk herein“ aus dem 17. Jahrhundert stimmte auf die Atmosphäre der späteren Epoche ein. Die tiefen Töne des Kontrabass kündigten bedrohliches Unheil an, während die Geige aufgeregt und nervös mit einstimmte. Das Soldatenprotestlied „Oh König von Preußen“, das in allen Garnisons-Orten verbreitet gewesen sei, greift die menschenverachtende Praxis beim Militär auf. Das „Leicht Gepäck“ hingegen pfeift auf alle Zwänge und finanzielle Abhängigkeiten: „Mein einzig Gold die Morgensonne, mein Silber all der Mondenschein“. Doch spiele es keine Rolle, in welcher Situation man sich befinde, ob reich oder arm , sondern ob man sich mit allem zufrieden gibt oder für ein besseres Leben kämpft, wie im „Bürgerlied“ zu hören ist: „… ob wir in der Welt was schaffen oder nur die Welt begaffen, das tut, das tut was dazu“. Ferber und Ledge bereiteten dem Publikum einen interessanten und genussvollen Abend.

Die Veranstaltung wird am 30. März, um 20 Uhr, im Pfarrsaal in Wald wiederholt. Eintritt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro.