In der Dreiländer-Gemeinde wird Nachwuchsförderung seit Jahren großgeschrieben. So haben die mittelständischen Werkzeug- und Maschinenbauunternehmen Neher-Group in Einhart und HFM Modell- und Formenbau GmbH in Kalkreute schon vor Jahren eine Ausbildungskooperation besiegelt, der sich nun mit der Tegos GmbH, Spezialist für Tür- und Klappenmodule für Wohnmobile und Caravans, sowie die HFM-Tochter Schnetz Modell- und Formenbau GmbH zwei weitere Ostracher Betriebe angeschlossen haben. Alle vier Firmen bieten jungen Menschen mit handwerklichem Geschick und einem guten räumlichen Vorstellungsvermögen einen hervorragenden Einstieg ins Berufsleben.

Auf dieses Konzept wurde nun die Wirtschaftsförderungs- und Standortmarketinggesellschaft des Landkreises Sigmaringen (WIS) aufmerksam und hat es für das Modellvorhaben „Land(auf)Schwung“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ausgewählt. Die Initiative soll buchstäblich frischen Schwung in ländliche Räume bringen und finanzielle sowie strukturelle Unterstützung bei der Bewältigung von Strukturdefiziten leisten. „Eine derartige Kooperation zwischen mittelständischen Unternehmen ist einmalig im Landkreis und bietet eine große Chance für den Wirtschaftsstandort, insbesondere zur Sicherung der Fachkräftebasis“, begründet WIS-Projektmanager Christian Drackert die Entscheidung. „Umso mehr freuen wir uns, dieses Projekt als regionale Entwicklungsagentur begleiten zu dürfen.“

Große Freude über Kooperation

Groß war die Freude bei den beteiligten Ostracher Firmen, dass ihrer in der Region einmaligen Kooperation in den kommenden drei Jahren dank der Bundesförderung rund 30 000 Euro zur Verfügung stehen, um diese Zusammenarbeit mit Leben zu erfüllen, erläutert Michael Enzenross, Unternehmenssprecher der Firma Neher im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Zu den Aktivitäten gehören unter anderem gemeinsame Messebesuche, Camping-Wochenenden mit Outdoor-Pädagogik bis hin zu einem Knigge-Training für die Lehrlinge. Aktuell werden in den vier Firmen rund 20 junge Erwachsene ausgebildet, die von dem Fördergeld partizipieren.

„Die Auszubildenden absolvieren auch wechselweise Praktika bei den Partnerunternehmen, erweitern ihr Wissensspektrum und sammeln durch diesen firmenübergreifenden Fachrichtungsaustausch wichtige praktische Erfahrungen“, ergänzt Enzenross das Prinzip. Zum Kooperationsmodell gehört auch, dass die Auszubildenden Einblicke in das soziale und gesellschaftliche Engagement der Unternehmen erhalten und so wurde mit Clemens Riedesser, dem Leiter Öffentlichkeitsarbeit an der Stiftung Körperbehindertenzentrum Oberschwaben (KBZO) in Weingarten, ein besonderes Integrationsprojekt auf den Weg gebracht: Auszubildende der Betriebe sowie der gewerblichen Sonderberufsfachschule der Stiftung KBZO planen und fertigen ein caravanähnliches Minimobil, das im inklusiven Kinderhaus „KiWi“ in Weingarten eingesetzt werden soll.

Dabei tragen alle Betriebe beziehungsweise deren Lehrlinge mit dem jeweiligen Spezialwissen ihrer Unternehmen zu dem Vorhaben bei. In der einen Firma entwickeln sie mit den KBZO-Azubis die Pläne, im nächsten Betrieb werden die notwendigen Werkstücke gemeinsam gefertigt und im anderen Betrieb dann die Teile produziert.

„Die Herangehensweise des Programms Land(auf)Schwung setzt auf das Potenzial solcher Initiativen und unternehmerisch tätigen Menschen vor Ort, die auch solche übergreifenden Projekte initiieren“, sieht WIS-Projektmanager Christian Drackert das Vorhaben mit der KBZO als Bestätigung, dass das Geld aus dem Bundesprogramm gut angelegt ist.

Wenn es nach Michael Enzenross und seinen Mitstreitern geht, dann ist mit den vier beteiligten Betrieben beim Ausbildungsprojekt noch lange nicht Schluss. „Wir haben einige Anfragen, darunter Firmen aus Ostrach. Aber wir führen derzeit auch Gespräche mit einem Unternehmen aus Pfullendorf“, will der PR-Profi aber noch keine Namen nennen.

Ein Erfolgsrezept der Kooperation verrät er aber: „Die Zusammenarbeit der Unternehmer und Verantwortlichen ist super und alles geschieht auf dem kleinen Dienstweg.“

 

Die Kooperation

„Die Ausbildungskooperation von vier Ostracher Unternehmen beweist, dass auch im ländlichen Raum eine hervorragende Berufsausbildung für Jugendliche und junge Erwachsene möglich ist“, sagt Wirtschaftsförderer Manfred Essl. Die enge Kooperation der vier Betriebe und die direkte Unterstützung und Mitarbeit der Gemeinde Ostrach sowie der Wirtschaftsförderung des Landkreises Sigmaringen werde seit langem gelebt. Die Tatsache, dass die Kooperation durch das Bundesprogramm Land(auf)Schwung ausgewählt wurde und dadurch eine Förderung erfahre, sei Ansporn, dieses einzigartige Partnermodell für die Zukunft noch zu stärken.

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.