"Drei Absagen, zwei Zusagen"

Noch ist Platz auf der Kandidatenliste der Freien Wähler für die Kommunalwahl am 26. Mai. Eine Auswahl von mindestens 18 Frauen und Männern will Fraktionschef Thomas Jacob den Wahlberechtigten bieten, und seit Monaten betreibt er mit seinen Ratskollegen die Kandidatensuche. "Gestern hatte ich drei Absagen und zwei Zusagen", erzählt der 54-Jährige, der selbst seit 1999 in der Kommunalpolitik aktiv ist, vom mühevollen Ringen um jeden einzelnen Bewerber.

Jacob führt Namensliste

Dabei bereitet sich der Geschäftsmann im Prinzip seit anderthalb Jahren auf die Kandidatensuche vor, erzählt er im SÜDKURIER-Gespräch von einer Liste. Dort notiert er sich nach Gesprächen, Versammlungen und Begegnungen Namen von Frauen und Männern, wo er sich vorstellen könnte, dass diese für die Kommunalpolitik interessant sein könnten und auch zu den Freien Wählern passen würden. Dabei achtet er darauf, dass möglichst unterschiedliche Berufs- und Altersgruppen vertreten sind. Bei Veranstaltungsbesuchen fällt ihm jemand durch eine Wortmeldung auf oder im Gespräch entpuppt sich jemand als Experte für bestimmte Sachthemen. Engagierte Elternbeiräte in Kindergärten und Schulen oder Vereinsmitglieder, die sich für die Gemeinschaft engagieren, können sich als potenzielle Kandidaten für die Namensliste von Thomas Jacob empfehlen.

"Bewerbersuche wird schwieriger"

Allerdings gestaltet sich die Bewerbersuche zunehmend schwieriger, und so gibt es für den engagierten Kommunalpolitiker auch manche Abfuhr, wobei er die Absagen selbstredend respektiert. Deutlich ist nach seiner Überzeugung eine Tendenz zum befristeten Engagement erkennbar, während die Bereitschaft, sich über Jahre zu beteiligen, nachgelassen hat. "Viele Menschen sind gern bereit, sich beispielsweise für ein Projekt im Kindergarten einzubringen", nennt Jacob ein Beispiel, aber beispielsweise im Gemeinderat über die künftige Kindergartenlandschaft in der Gemeinde mitzuentscheiden, das wollten immer weniger. Diese zunehmende Passivität merken auch die Vereine, die bei Vorstandswahlen immer häufiger Personalprobleme haben. Manche fürchteten auch die mögliche Kritik, wenn sie als Gemeinderäte unliebsame Entscheidungen treffen müssen.

"Monatlich drei fixe Termine"

Immer wieder werde der Zeitfaktor als Grund für eine Absage genannt, wenn der Kommunalpolitiker nach Verstärkung fragt. Auf monatlich drei Termine taxiert Jacob die Pflichtaufgaben, zu der unter anderem die monatliche Ratssitzung gehört. Ob ein Gemeinderat Einladungen von Vereinen oder Verbänden annehme, sei ihm überlassen. Wenn Thomas Jacob nach seiner Motivation für die Kommunalpolitik gefragt wird, nennt er die drei "E": "Ehre, Einfluss und Entscheidung." Man sei nahe an den Menschen, könne die Entwicklung seiner Heimatstadt mitgestalten und erhalten von den Bürgern eine unmittelbare Reaktion auf Entscheidungen.

"Eigene Persönlichkeit wird weiter entwickelt"

Durch die Ratsarbeit werde der eigene Blick geweitet, schwärmt der Malermeister, dass man viele Informationen zu vielen verschiedenen Themenbereichen erhalte. "Mich hat die Tätigkeit im Gemeinderat vorangebracht und ich habe meine Persönlichkeit weiter entwickelt", blickt er auf seine Anfangsjahre zurück. Zu Beginn sei man einfach Lehrling und profitiere vom Wissen und der Erfahrung älterer Kollegen, ergänzt Jacob, dass er vom langjährigen FW-Fraktionschef Klaus Epple viel gelernt habe. Jetzt gehört der 54-Jährige zu den gestandenen Gemeinderäten, der auch dank seiner Unternehmertätigkeit, oftmals mit den Verwaltungsexperten auf Augenhöhe diskutiert.