Pfullendorf – Karina Spindler kommt über eine Blechtreppe aus ihrem mobilen Zuhause heraus. Vor Beginn des Gesprächs möchte sie zunächst den Presseausweis sehen. "Man weiß nie, wer mit welchen Interessen was von uns möchte", sagt sie anschließend beinahe entschuldigend, "bitte nicht für übel nehmen". Es zeigt bereits, dass ein Zirkus weit mehr Schwierigkeiten hat, als das blanke Überleben. Hinzu kommen Anfeindungen von Tierrechtlern.

Aktuell gastiert der Zirkus Stefano in Pfullendorf. Um genau zu sein, in der Otterswanger Straße, direkt neben dem Seepark-Center. Ungewöhnlich ist es, dass dieses Zirkusunternehmen erst im Jahr 2000 gegründet wurde. Und bemerkenswert ist es ebenso, dass alles von nur sieben Leuten gestemmt wird.

Das sind Stefan und Karina Spindler als Eltern, die beide aus Zirkusfamilien stammen, und die Kinder Richard (14), Connor (17), Isabell (18) und Larissa (24). Karina Spindler ist seit "acht oder neun Generationen" in der Branche. Die Tradition reicht bei ihrem Mann sogar noch länger in die Vergangenheit zurück. "Bis hin zu den Turmläufern im Mittelalter, die auf einem Seil hoch über dem Boden balancierten", sagt die 46-Jährige. Das Team wird komplettiert von Manuela Müller, die einst die einzige Löwen-Dompteuse in der Schweiz war und mit zur Familie zählt.

Leben wie in Zwei-Zimmer-Wohnung

"Irgendwann wurde es zu eng bei uns daheim", erläutert Karina Spindler die Gründung des eigenen Zirkus. Unter "daheim" versteht sie den Zirkus, mit dem sie bis zu diesem Zeitpunkt unterwegs war. Und wenn sie in ihrem Wohnanhänger am Tisch sitzt, gegenüber der Fernseher läuft, fällt es nicht unbedingt auf, dass es ein mobiles Zuhause ist. "Hier kann man Leben wie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung", unterstreicht Karina Spindler.

In den Shows werden Akrobatik, Artistik, Clownerie und Tierdarbietungen gezeigt. Der Zirkus hält vier Kamele und Ponys, sechs Ziegen und acht Tauben. Karina Spindler betont auf Nachfrage, dass ihre Familie noch nie Ärger wegen der Tiere bekommen hat. Es ist ein Thema, das sie innerlich aufwühlt. Sie sei auf derselben Seite wie Tierschützer. "Bei uns kann gerne jeder vorbeikommen und sehen, wie es den Tieren geht." Doch mit Tierrechtlern möchte sie nichts zu tun haben. Also, mit solchen, die etwa vor einem Zirkus mit Plakaten demonstrieren, weil sie prinzipiell der Auffassung sind, Tiere dürften nicht zur Unterhaltung dienen. "Jedes Haustier dient im Grunde genommen der Unterhaltung des Besitzers", relativiert sie. "Das Problem liegt ganz wo anders", sagt Spindler und schüttelt den Kopf.

Das Problem möchte sie gar nicht recht benennen: "Es ist so vielschichtig." Es gehe um Weltpolitik und -handel. "Es ist paradox, dass Lebensräume von Wildtieren zerstört werden, um dort Anbau zu betreiben." Mehr möchte Spindler dazu aber nicht sagen.

Auch solche Zeiten, in denen über einen längeren Zeitraum die Besucher ausbleiben, weiß die Familie zu überstehen. "Wir rücken dann noch enger zusammen", sagt die vierfache Mutter, "wir schauen, dass es in erster Linie den Kindern und den Tieren gut geht, sich selbst nimmt man dann etwas zurück".