Pfullendorf – Das SRH-Krankenhaus ist einer der markantesten Bauten in der Linzgaustadt und, je nachdem, aus welcher Richtung man kommt, auch bereits von Weitem gut sichtbar. Gleich nebenan kann man einen ebenfalls mächtigen Bau erkennen, der eindeutig älter ist. Das ist das ehemalige Spital, in dem heute das Pflegeheim des Spitalfonds untergebracht ist. Auch dessen Vorgängerbau steht noch. Und zwar auf dem Marktplatz.

Im ehemaligen Restaurant „Deutscher Kaiser“ wird umgebaut, schon bald werden dort ein Friseursalon und ein Café eröffnen. Doch schon lange vor der Gastronomie befand sich hier das Heilig-Geist-Spital. Die Oberaufsicht über das Spital führte übrigens der Bischof von Konstanz. Heute hat Melanie Zeitler-Dauner das Sagen. Sie ist die Geschäftsführerin der SRH-Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH, zu der die Krankenhäuser Sigmaringen, Bad Saulgau und Pfullendorf gehören.

Das ehemalige Spitalkrankenhaus gehört mittlerweile zu den SRH-Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH. Wie man sieht, hat sich das Äußere in den vergangenen Jahrzehnten nur wenig verändert.
Das ehemalige Spitalkrankenhaus gehört mittlerweile zu den SRH-Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH. Wie man sieht, hat sich das Äußere in den vergangenen Jahrzehnten nur wenig verändert. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

In Pfullendorf wurde 2011 die Geburtshilfeabteilung geschlossen, trotzdem hat der Standort ein Privileg vorzuweisen, an das wohl kaum jemand denkt: Auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Sigmaringen ist das Krankenhaus in Pfullendorf das mit Abstand älteste. Nicht im ursprünglichen Gebäude, das ist klar, aber das ist in Sigmaringen auch so. Das 1847 eröffnete Fürst-Karl-Landeskrankenhaus ist mittlerweile Landratsamt und die Klinik steht auf dem Berg und wurde 1979 eingeweiht. Pfullendorf war übrigens im ganzen Bodenseeraum eine der ersten Städte, die ein Krankenhaus hatten.

Stadt führt Baumaßnahme gegen den Willen des Ministeriums aus

Am 20. Mai 1961 begannen die Bauarbeiten für das neue Krankenhaus, am 20. Oktober konnte Richtfest gefeiert werden. Am 11. Dezember 1963 fand dann die Einweihung statt. Am 3. Februar 1964 ging die neue Klinik in Betrieb. Am 28. November 1974 gab es dann wieder ein Fest: Man weihte die zwei neuen Stockwerke ein, die auf das Gebäude aufgesetzt worden waren. Die Baumaßnahme hatte die Stadt gegen den Willen des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung ausgeführt. In Stuttgart hatte man keinen Sinn für die Erweiterung gesehen. 166 Betten standen sowieso schon zur Verfügung und das müsse, so die Ansicht der Ministerialen in der Landeshauptstadt, für eine kleine Stadt mit damals gerade mal 7000 Einwohnern wohl genügen.

Das Richtfest am neuen Krankenhaus – ein echtes Fest. So mancher Politiker blieb aber fern, weil sich die Pfullendorfer wieder einmal über Vorgaben hinweggesetzt hatten.
Das Richtfest am neuen Krankenhaus – ein echtes Fest. So mancher Politiker blieb aber fern, weil sich die Pfullendorfer wieder einmal über Vorgaben hinweggesetzt hatten. | Bild: Archiv Norbert Hees

Der damalige Landrat Max Gögler war zwar zur Einweihung gekommen und bemerkte, dass die Stadt wohl eine Art „Landrecht“ in Anspruch genommen hatte und das tat, was man für richtig hielt. Die Baukosten wurden übrigens ohne einen Pfennig Zuschuss von der Stadt bezahlt, mit kräftiger Unterstützung aus der Kasse des Spitalfonds. Man „erkaufte“ sich damit die Zustimmung des Regierungspräsidiums in Tübingen, das dann auch ohne das Okay aus Stuttgart die Genehmigung erteilte.

Bau wurde komplett aus eigener Tasche bezahlt

So neu war diese Geschichte in Pfullendorf aber nicht. Bereits 1846 wurde das alte Krankenhaus eingeweiht und der Bau vollkommen aus eigener Tasche bezahlt. Bei der Seekreisregierung in Konstanz war man wohl angesäuert und schickte deshalb keinen Vertreter zur Feier. Auch damals war das Gebäude deutlich größer, als es sich die zuständigen Stellen gewünscht hätten.

Die Pfullendorfer sind froh, ein Krankenhaus zu haben. Welche Stadt mit rund 13 000 Einwohnern kann das von sich behaupten? Zwar hat sich die Trägerschaft geändert, aber nach dem Willen des Kreistags sollen alle drei Klinikstandorte im Landkreis erhalten bleiben. Allerdings werden sich Strukturen und Angebote ändern. So soll in Pfullendorf eine Fachabteilung für Geriatrie eingerichtet werden.

Ursprung im Mittelalter

Im Mittelalter wurde der Grundstein für die heutige medizinische Versorgung gelegt. Bereits 1252 ist die Heilig-Geist-Stiftung urkundlich erwähnt. Arme, Kranke und Waisen in der Stadt sollten unterstützt werden. Dazu baute man dann ein Spital. Das Spital kam durch Stiftungen und Erbschaften zu erheblichem Vermögen. Dafür sorgten die Zehntrechte über Häuser, Mühlen, Bauernhöfe und Ländereien. Auch über ganze Dörfer übte das Spital die Grundherrschaft aus: Illmensee, Waldbeuren, Großstadelhofen, Sylvenstal und Zell am Andelsbach. 100 Höfe und zehn Mühlen sollen einmal zum Spital gehört haben.

Der Spitalfonds generiert heutzutage seine Einnahmen vorwiegend durch Verpachtungen und Erlöse aus dem Holzverkauf der großen spitälischen Wälder. Die Trägerschaft des Krankenhauses ging 1996 an die Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH über. Damals waren der Landkreis und der Spitalfonds Pfullendorf die einzigen Gesellschafter. 2014 wurde die SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen GmbH gegründet. Hauptgesellschafter ist mit 51 Prozent die SRH Holding (ursprünglich Stiftung Rehabilitation Heidelberg), der Landkreis und der Spitalfond verfügen zusammen über 49 Prozent. Der Spitalfonds ist Träger des Pflegeheims und ambulanter Dienste, die unter dem Namen „Spitalpflege“ sehr umfangreich in der Stadt tätig sind. (kf)