Außerhalb der üblichen Geschäftszeiten ist auf dem Marktplatz nicht so sehr viel los. Das gilt allerdings nicht für die Kinder-und Jugendkunstschule. Seit diese im vergangenen Jahr in die Räume des ehemaligen Schlecker-Markts umgezogen ist, finden da auch an den Wochenenden Aktivitäten statt und unter der Woche sowieso.

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Jugendmentoren setzen sich für interkulturelle Bildung ein

Darauf ist man auch in Stuttgart aufmerksam geworden. Jetzt fand hier an zwei Wochenenden ein Workshop der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) statt. Und das war fast schon eine Auszeichnung, denn normalerweise ist die Vereinigung in großen Städten wie Stuttgart oder Heilbronn unterwegs. An acht verschiedenen Orten findet im Laufe des Jahres eine Qualifizierung statt, die junge Leute dazu befähigen soll, als Jugendmentoren für interkulturelle Bildung tätig zu werden. „Die KreAktiven“ heißt das Programm, das nun auch für die Linzgaustadt ein nachhaltiges Engagement ermöglichen soll.

Jugendliche lernen viel über sich und andere

„Junge Menschen werden mit der Qualifizierung befähigt, selbst kulturell aktiv zu werden und sich für Respekt und Akzeptanz einzusetzen“, erklärte Maren Scharpf, Bildungsreferentin der LKJ Baden-Württemberg, im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Am ersten Tag erfuhren die Jugendlichen mehr über Kunst, Kultur und kulturelle Bildung. An Tag zwei wurden ihre interkulturellen Kompetenzen geschult. Was macht mich als Person aus? Was habe ich mit anderen gemeinsam? Wie entsteht eigentlich Rassismus? Maren Scharpf machte zu diesen Themen mit den Teilnehmern Spiele und Übungen und die Jugendlichen lernten viel über sich und die anderen.

Am vergangenen Wochenende wurden die Jugendlichen selbst kreativ und aktiv. Im Workshop „Elektronische Musik“ mit Jörg Holzschuh wurden am Computer Beats erstellt, neu kombiniert und gemischt. „Das hat Spaß gemacht und ich kann mir vorstellen, das auch in Zukunft fortzusetzen“, sagte der siebzehnjährige Paul Hackenbracht aus Wald-Ruhestetten. Mit dem Keyboard wurden auch eigene Melodien eingespielt und die Klänge verbunden. „Ich spiele zwar Klavier, musste aber im Workshop 'Elektronische Musik' erstmals ins Musikmachen mit dem Computer reinkommen", schilderte die 16-jährige Maria Roesner aus Pfullendorf. "So schwer ist es dann aber gar nicht und es ist interessant.“

Arbeiten konnte man durchaus auch mal draußen, wie Pascal Schilling, Maria Seemann und Maria Roesner (von links) beweisen. Sie waren vom Workshop begeistert.
Arbeiten konnte man durchaus auch mal draußen, wie Pascal Schilling, Maria Seemann und Maria Roesner (von links) beweisen. Sie waren vom Workshop begeistert. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Im Workshop „Klangraum“ schuf Maria Seemann unter der Anleitung des Künstlers Hansjörg Beck aus Holz und Stoff einen kleinen Raum nach ihren Vorstellungen. In dieser Konstruktion wurde am Ende des Tages die selbst produzierte Musik der anderen Workshop-Teilnehmer abgespielt. „Am Anfang musste ich erst einmal die Grundlagen des Bauens mit Holz lernen“, erklärte die 15-Jährige. Bisher hatte sie nach eigenen Angaben nur in der Schule mal ein Fledermaushaus gebaut. „Es hat Spaß gemacht und es ist toll, was man alles mit seinen eigenen Händen bauen kann", freute sich die Pfullendorferin.

Unter Anleitung von Hansjörg Beck (rechts) schuf Maria Maria Seemann einen "Klangraum". Für sie war das eine ganz neue Erfahrung.
Unter Anleitung von Hansjörg Beck (rechts) schuf Maria Maria Seemann einen "Klangraum". Für sie war das eine ganz neue Erfahrung. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Erste Pläne für eigene kulturelle Projekte

Am Sonntag erhielten die Jugendlichen eine Einführung in das Thema Projektmanagement und planten ein eigenes kulturelles Projekt in ihrem Umfeld. So möchten beispielsweise Paul Hackenbracht und sein Freund Manuel Zeller eine Zaubershow, die von selbst erstellter elektronischer Musik umrahmt wird, auf die Beine stellten. Maria Seemann will in der Kinder- und Jugendkunstschule aktiv werden und neue künstlerische Werke schaffen.

In den nächsten Wochen werden die Jugendlichen nun von der Kinder- und Jugendkunstschule begleitet. Sie treffen sich regelmäßig und unterstützen sich gegenseitig bei ihren Projekten. Zum Abschluss erhalten sie ein Zertifikat, das sie als Jugendmentor interkulturelle Bildung ausweist. Im Herbst können die Jugendlichen dann ihre Erfahrungen an die nächste Generation von Jugendmentoren weitergeben. Das Programm "Die KreAktiven – Jugendmentoren interkulturelle Bildung" wird vom Ministerium für Soziales und Integration unterstützt.

"Die Bedingungen hier in Pfullendorf sind einmalig"

Maren Scharpf, Kulturpädagogin und Kulturmanagerin, ist seit 2014 für die LKJ Baden-Württemberg tätig.

Seit wann gibt es das Programm "Die KreAktiven“?

„Die KreAktiven“ gibt es erst seit letztem Jahr und wurden ermöglicht durch eine Förderung des Ministeriums für Soziales und Integration. Wir möchten junge Menschen dabei unterstützen, kreative Aktionen in ihrer Stadt umzusetzen und kulturelle Bildung und Interkultur verknüpfen.

Warum ist gerade Pfullendorf unter den Städten, in denen die Aktion in diesem Jahr stattfindet?

Wir wollen, dass nicht nur Jugendliche aus Großstädten zu „KreAktiven“ werden können. Im ländlichen Raum sind Kultur und Kunst, sowie Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts genauso ein Thema. Da ich vor zwei Jahren die Kunstschule kennengelernt und gesehen habe, welche tolle Arbeit hier gemacht wird, war für mich klar: Wir müssen nach Pfullendorf.

Wie waren die Bedingungen hier?

Die sind einmalig! Die Kunstschule unterstützt uns mit Personal, Räumen und Material. Auch Bewohner in der Stadt haben uns etwa mit Technik und Getränkespenden unterstützt.

Fragen: Karlheinz Fahlbusch