In neun Tagen, am 26. Mai sind die Wahlberechtigten dazu aufgerufen, ihre Stimme bei den Kommunalwahlen abzugeben. In Pfullendorf bewerben sich 81 Kandidaten von CDU, Freien Wählern, SPD und Unabhängiger Liste um Sitze im Gemeinderat. Der SÜDKURIER hat sich bei den vier Listen umgehört, wie sie den bisherigen Wahlkampf beurteilen.

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CDU: Schwerpunkte sind Kandidatenvorstellungen in Teilorten

Roland Brucker, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands, zieht eine positive Bilanz. „Es läuft einwandfrei.“ Er gab zu bedenken, dass alle CDU-Kandidaten den Wahlkampf zusätzlich zu ihrer beruflichen Tätigkeit stemmen. Das persönliche Gespräch am klassischen Infostand habe noch nicht ausgedient. „Wir haben uns beim verkaufsoffenen Sonntag präsentiert und an drei Samstagen im Seepark-Center.“ Schwerpunkte der CDU seien jedoch die Kandidatenvorstellungen kombiniert mit Fragerunden und Impulsvorträgen speziell in den Teilorten. Der Wahlkampfauftakt fand in Großstadelhofen statt. Alle Veranstaltungen seien durchweg gut besucht gewesen. „Ich kann hier keine Politikverdrossenheit feststellen. In Aach-Linz kamen mit 88 Leuten besonders viele Bürger. Am nächsten Dienstag sind wir noch in Denkingen.“

„Uns ist es sehr wichtig, auch in den Teilorten unterwegs zu sein.“ – Roland Brucker, CDU
„Uns ist es sehr wichtig, auch in den Teilorten unterwegs zu sein.“ – Roland Brucker, CDU | Bild: privat

Freie Wähler sind zufrieden mit Resonanz auf Wahlkampfveranstaltungen

Auch Thomas Jacob von den Freien Wählern betont, dass den Kandidaten die Vorstellungen in den Ortsteilen sehr am Herzen liege. „Das hat Tradition und gehört sich so. In den ‚Adler‘ in Aach-Linz kamen über 70 Leute“, so der FW-Chef, der angab, „sehr zufrieden“ mit dem bisherigen Verlauf des Wahlkampfs zu sein. In Pfullendorf hatten die Freien Wähler – wie bereits 2009 und 2014 – zum politischen Frühschoppen mit Musik und Diskussionsmöglichkeit eingeladen.

„Wir sind ganz stark in den sozialen Medien präsent.“ – Thomas Jacob, Freie Wähler
„Wir sind ganz stark in den sozialen Medien präsent.“ – Thomas Jacob, Freie Wähler | Bild: Paul Wislak

UL setzt auf Infoabende in Verbindung mit kommunalpolitischen Themen

Infostände beim verkaufsoffenen Sonntag, auf dem Wochenmarkt in Pfullendorf und auf dem Bauernmarkt in Aach-Linz sind für den UL-Vorsitzenden Michael Zoller ein probates Mittel, um Flagge zu zeigen. Die Veranstaltungen – so etwa beim BUND oder im Werkstättle – seien nicht als reine Kandidatenvorstellung, sondern stets in Verbindung mit einem kommunalpolitischen Thema angelegt worden. An der „Bänklestour“, einem „informativen Streifzug durch Wald und Flur, Stadt und Land“ hätten trotz schlechtem Wetter immerhin 15 Spaziergänger teilgenommen.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf des Wahlkampfs.“ – Michael Zoller, Unabhängige Liste
„Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf des Wahlkampfs.“ – Michael Zoller, Unabhängige Liste | Bild: privat

Social Media spielt große Rolle

Alle Parteien haben ihre Wahlprospekte mit dem Mitteilungsblatt „Pfullendorf aktuell“ verteilen lassen. Man kann sich Wahlflyer auch von den Internetseiten der Parteien herunterladen. Die Präsentation und Wahlbewerbung via Internet spielt eine immer größere Rolle, wenn auch noch Optimierungsbedarf besteht, wie die Vertreter der Parteien und Organisationen sagen. „Wir haben keine offizielle Facebook-Seite der Unabhängigen Liste, aber Kandidaten wie Isa-Christian Kopar oder Martin Koblitz haben eigene UL-Facebook-Accounts“, erklärt Michael Zoller.

Die CDU sei verstärkt auf Facebook und Instagram unterwegs, sagt Brucker. Man müsse hier mit der Zeit gehen. Auch die Freien Wähler seien in den sozialen Medien sehr aktiv, stellt Thomas Jacob fest. „Bei Facebook sind wir richtig gut und haben viele Klicks. Gerade um junge Leute und Erstwähler anzusprechen, sind Kanäle wie Facebook und Instagram wichtig.“

Die direkte Ansprache an Infoständen wollten die Freien Wählern zwar nicht missen, doch das Hauptaugenmerk liege auf den Versammlungen. „Wir zeigen Präsenz, allerdings sind wir nicht mehr wie früher jeden Samstag mit einem Stand in der Innenstadt.“ Bei den Veranstaltungen in den Ortsteilen oder beim politischen Frühschoppen würden die FW mehr Leute erreichen.

SPD: „Wir setzen auf den Bürgertreff“

Einen ganz eigenen Weg beschreitet der SPD-Ortsverband. Außer am verkaufsoffenen Sonntag hält sich die Liste mit Infoständen zurück. Es gibt auch keine öffentlichen Veranstaltungen mit Einzelvorstellungen eines jeden Kandidaten, da man sich als Gruppe positionieren wolle. „Die Situation in Pfullendorf ist eine besondere, wir waren zehn Jahre lang auf Tauchstation und müssen uns ganz neu aufstellen“, erklärt Vorsitzender Hans Halder. Also habe man beschlossen, in der Uttengasse ein Wahlkampfbüro mit Schaufensterwerbung einzurichten. „Wir setzen auf den Bürgertreff. Freitags ist immer jemand im Büro und steht zum persönlichen Gespräch zur Verfügung.“

„Wir haben ein Wahlbüro und setzen auf den Bürgertreff.“ – Hans Halder, SPD
„Wir haben ein Wahlbüro und setzen auf den Bürgertreff.“ – Hans Halder, SPD | Bild: privat

SPD plant Haustürbesuche

Von diesem Angebot hätten jedoch nicht viele Bürger Gebrauch gemacht. Weitaus besser seien die Vorträge angenommen worden. „Der Vortrag zu Fair Trade war mit rund 20 Leuten gut besucht. Wie aus dem Stadtgarten ein Vitalpark mit Outdoor-Fitnessstudio für alle Generationen werden kann, hörten sich vergangenen Dienstag rund zehn Leute an.“ Am Freitag wird es um 18 Uhr um Digitalisierung gehen. In der kommenden Woche wollen die Kandidaten Haustürbesuche machen.

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Zweifel an Wirkung von Plakaten

Jede Partei darf 50 Plakate in Pfullendorf aufhängen. Die örtliche SPD hat für die Kommunalwahl gar nicht plakatiert. „Die Europawahl mit Katarina Barley zu bewerben, finde ich gut, aber bei der Kommunalwahl haben wir bewusst darauf verzichtet. Meiner Meinung nach haben die Plakate im DIN-A1-Format am Laternenmast nur eine begrenzte Wirkung“, erklärt Hans Halder. Auch Thomas Jacob steht der Plakatierung eher skeptisch gegenüber. „Wir haben die 50 noch nicht ausgeschöpft, vor zweieinhalb Wochen haben wir 20 Plakate aufgehängt und werden vor dem Wahlsonntag auch noch mal plakatieren, aber bei den vielen Werbeplakaten von Bierfest über Mittelalterfest bis Campustag gehen die Wahlplakate schnell unter.“

Michael Zoller und Roland Brucker sind anderer Meinung. Für sie gehören Plakate einfach dazu. „Wir haben 20 Motive mit kommunalpolitischen Themen und unsere Plakate hängen in Pfullendorf, Aach-Linz und Denkingen“, so Brucker. Die UL hat ihre Wahlplakate in Eigenregie aufgehängt. „Da einige Plakate unter der Witterung gelitten haben, werden wir auch nachplakatieren“, sagt Zoller.

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