Im Jahr 2017 gaben bei einer Statista-Umfrage zur Häufigkeit der Gartenarbeit in Deutschland mehr als ein Viertel der Befragten an, mindestens einmal wöchentlich im Garten zu werkeln. Einmal wöchentlich? Da muss Helga Hornstein aus Denkingen schmunzeln. Wäre sie damals befragt worden, hätte sie zu den sieben Prozent gehört, die sich täglich in ihrem grünen Refugium tummeln.

Seit 1992 lebt Helga Hornstein in dem Einfamilienhaus in Denkingen, das sie und ihr Mann damals neu und rollstuhlgerecht bauten.
Seit 1992 lebt Helga Hornstein in dem Einfamilienhaus in Denkingen, das sie und ihr Mann damals neu und rollstuhlgerecht bauten. | Bild: Kirsten Johanson

„Das ist mein Hobby und mein Ausgleich. Ich mache das sehr gern und empfinde Gartenarbeit nicht als Last“, stellt sie klar. Den Rasenmäher schiebt sie einmal wöchentlich über das rund 1200 Quadratmeter große Grundstück. „Wenn ich es gemütlich angehen lasse, brauche ich dafür eineinhalb Stunden.“

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Früher hat Helga Hornstein mit der Hilfe eines Bekannten noch selber die Büsche und Bäume geschnitten, doch mittlerweile nimmt sie einen Gärtnerservice in Anspruch. Und als es zuletzt tagsüber so heiß war, hat sie ihre gärtnerische Tätigkeit einfach in die frühen Morgenstunden gelegt. „Da war ich um 9 Uhr fertig.“

Unter der großen Birke wurde im Naturschatten ein Sitzbereich mit Springbrunnen und Quellstein eingerichtet.
Unter der großen Birke wurde im Naturschatten ein Sitzbereich mit Springbrunnen und Quellstein eingerichtet. | Bild: Kirsten Johanson

Oft habe ihr Mann ihr bei der Gartenarbeit zugeschaut und Gesellschaft geleistet, sagt sie mit Wehmut. Denn Rolf Hornstein ist inzwischen verstorben. Er saß viele Jahre aufrund einer Erkrankung im Rollstuhl – und das war auch der Grund, warum das Ehepaar in Denkingen 1992 neu baute. Wie das Haus, so sollte auch der Garten rollstuhlgerecht sein.

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Das Geweih am Giebel weist auf eine Familientradition hin: „Die Familie meines Mannes hat über Generationen im Forst gearbeitet, auch eine unserer Töchter wurde Forstingenieurin.“ Die Verbundenheit zum Wald erklärt, dass eine Spirke in ihrem Garten Einzug gehalten hat.

Imposantes Gewächs ist der Perückenstrauch

Die Spirke ist eine Latschenkiefernart. „Sie wächst sehr langsam. Ich mag sie, weil das Reisig in Adventsgestecken so hübsch aussieht.“ Ein imposantes Gewächs ist der Perückenstrauch. Er hat dunkelrotes Laub und seine wuscheligen Fruchtstände erinnern an Perücken.

Mit ihren großen Blütenbällen hinterlässt die Hortensie einen nachhaltigen Eindruck. Die getrockneten Blüten eignen sich gut für Deko-Zwecke.
Mit ihren großen Blütenbällen hinterlässt die Hortensie einen nachhaltigen Eindruck. Die getrockneten Blüten eignen sich gut für Deko-Zwecke. | Bild: Kirsten Johanson

Bei der Gestaltung des Gartens haben sich die Hornsteins professionelle Unterstützung bei Landschaftsgärtner Georg Saum aus Frickingen geholt. „Der Pflegeaufwand sollte nicht so hoch sein und der Flor so, dass immer etwas blüht.“ Die Wege und der Kreuzgarten sind mit Naturstein gepflastert, neben den Stufen, die von der Terrasse in den Garten führen, wurde ein Rampe angelegt.

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Der klassisch mit vier Beeten angelegte Kreuzgarten präsentiert sich top gepflegt und akkurat bepflanzt. Die Salatköpfe und Lauchstangen stehen in Reih und Glied, das Unkraut ist herausgerupft, das Zwiebellaub gleichmäßig in eine Richtung umgeknickt. „Meine Töchter sagen schon, ich sei pingelig, aber ich mag das so.“ An den Rändern sorgen Tagetes und Löwenmäulchen für Farbtupfer.

Lavendel und rosa Bodendecker-Rosen verschönern den Vorgarten. Im Hintergrund: eine stattliche Geranie im Topf.
Lavendel und rosa Bodendecker-Rosen verschönern den Vorgarten. Im Hintergrund: eine stattliche Geranie im Topf. | Bild: Kirsten Johanson

Ideen für die Bepflanzung und Gartendekoration holt sich Helga Hornstein aus Zeitschriften oder sie lässt sich von anderen Gärten inspirieren. „Erst diese Woche habe ich eine Wanne gekauft und probiere es mit Seerosen“, erzählt die 77-Jährige. Einen Teich mit Goldfischen und entsprechender Teichrandbepflanzung hat es auf dem Grundstück einmal gegeben.

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„Unter der großen Birke, sechs Jahre lang“, erinnert sich Helga Hornstein. „Der Teich war aber sehr arbeitsintensiv. Man musste immer die Blätter und Blütenkätzchen aus dem Wasser fischen.“ An die Stelle des Teichs ließen Hornsteins einen Sitzplatz mit Natursteinplatten und Springbrunnen bauen. Das Element Wasser ist auch in Form eine plätschernden Quellsteins vertreten. Eine Pumpe fördert das Wasser über ein Steigrohr durch den Stein nach oben.

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Vor dem Haus fallen die Töpfe mit großen, kräftig blühenden Geranien ins Auge. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um über Jahre gehegte und gepflegt Pflanzen handelt. „Aber nein! Die Geranien sind bei mir einjährig. Nach dem Mondkalender vermehre ich die Geranien im August aus Stecklingen. Ich verwende ganz normale Blumenerde und lasse die Töpfe bis zum Frost draußen. Die Erde immer schön feucht halten, das ist wichtig. Dann stelle ich die Ableger bis zum Frühjahr ins Haus an einen kühlen, hellen Ort.“

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Welche Gartenarbeit steht nach dem SÜDKURIER-Besuch an? Da muss Helga Hornstein nicht lange überlegen. „Ich will heute noch Stangenbohnen abnehmen.“ Und die Gießkanne wird mit Sicherheit auch noch zum Einsatz kommen, denn es gibt eine ganze Sammlung an Töpfen und Kübeln, die gewässert werden wollen.

Reichlich Durst haben die Hortensien

Reichlich Durst haben auch die Hortensien, vor allem, wenn es so warm ist. Apropos, hinter dem Springbrunnen will Helga Hornstein noch vor dem Ende der Gartensaison eine Hortensie pflanzen. „Das sind meine Lieblingsblumen.“