Auf dem Gelände des Energieparks Hahnennest (EPH) soll der deutschlandweit erste Biohybrid-Energiespeicher entstehen, in dem täglich zehn Tonnen verflüssigtes Biomethan (LNG) produziert wird. Verwirklicht wird das Vorhaben durch den Energieversorger Erdgas Südwest und die finnische Firma Wärtsilä, wobei sich die Investitionssumme auf bis zu 13 Millionen Euro beläuft. Wenn die Genehmigungsplanung bis Ende 2017 positiv verläuft, soll die Anlage geliefert und bis Jahresmitte 2018 auf dem EPH-Gelände errichtet werden. "Wir stellen die Fläche und das Rohgas zur Verfügung", macht Thomas Metzler, einer der vier EPH-Landwirte, im SÜDKURIER-Gespräch deutlich. Die Erdgas Südwest ist für die Verflüssigung des Rohgases zuständig, die von der EPH-Tagesproduktion von 1000 Kubikmeter je Stunde abgezweigt werden.

Der Energiedienstleister Erdgas Südwest veranstaltete einen Informationsabend in Waldbeuren, um das Projekt vorzustellen, teilt das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit, dass Gemeinderäte und Ortschaftsräte aus Spöck-Kalkreute und Burgweiler sowie Bürgermeister Christoph Schulz sich beteiligten. Zuerst wird Biogas entschwefelt, das Kohlenstoffdioxid abgetrennt und im Anschluss erfolgt die Verflüssigung. Für diesen Prozess braucht man Wärme und Strom und beides wird durch die Energiezentrale, dem Herzstück der Anlage, breit gestellt. Entweder wird die Energie über ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk oder durch erneuerbaren Strom aus dem Netz und einer Power-to-Heat Anlage bereitgestellt. "Der Einsatz des Bio-LNG ist dazu noch sehr vielfältig und birgt auch neue Absatzmärkte für Biogasanlagen nach der EEG-Förderung", heißt es in der Mitteilung, was auch EPH-Geschäftsführer Thomas Metzler und seine Kollegen so sehen.

Die EPH-Betreiber wurden auf der Suche nach Geschäftsfeldern der Zukunft für ihr Biogas, wenn in 14 Jahren die garantierte EEG-Einspeisevergütung wegfällt, mit dem Bio-LNG fündig, denn Flüssigerdgas gilt auch bei der Mobilität als eine der vielversprechendsten Zukunftslösungen. "Es gibt Märkte für Biogas", ist Metzler überzeugt. Und da die Philosophien der EPH-Betreiber und von Erdgas Südwest übereinstimmten, sei die Kooperation nur folgerichtig. Mit der Vermarktung des Biogases haben die Hahnnenester nichts zu tun, das übernimmt der Partner, der sich im Gegenzug mit 40 Prozent an der Biomethangas Hahnennest GmbH beteiligt.

Handelt es sich um flüssiges Biomethan, so spricht man von Bio-LNG und mit einer Tagesproduktion der neuen Biohybrid-Anlage in Hahnennest könnte beispielsweise die Bodenseefähre bis zu 200 Mal von Konstanz nach Meersburg fahren. "Es wurde ja schon eine Bodenseefähre in Betrieb genommen, die mit Flüssigmethan fährt", ergänzt Thomas Metzler. Das in Hahnennest erzeugte Biogas wird aus Reststoffen wie Gülle und Trester gewonnen, und künftig kommt vermehrt Substrat aus der durchwachsenden Silphie zum Einsatz. Unter dem Namen Donausilphie baut der Energiepark mit der Metzler & Brodmann KG seit einigen Jahren die Energiepflanze an, aktuell sind es 180 Hektar. Großen Wert legt Metzler auf die Feststellung, dass durch das neue Biohybrid-Geschäftsfeld sich die Anbaufläche von EPH Hahnennest nicht vergrößert.

In der geplanten Hybrid-Anlage wird Strom aus Sonne und Wind genutzt, um Energie in Form von flüssigem Biomethan oder Erdgas zu speichern. Durch das Herunterkühlen von 600 Kubikmetern Biomethan auf minus 162 Grad Celsius entsteht ein Kubikmeter flüssiges Bio-LNG, das in mobilen Tanks gespeichert werden kann. Erwärmt man das verflüssigte und gespeicherte Gas wieder, kann jederzeit und an jedem Ort Strom und Wärme erzeugt werden. Dazu bedarf es nur einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage wie ein Blockheizkraftwerk oder eine Brennstoffzelle.

Projekt

Erdgas Südwest ist ein regional agierender Energiedienstleister mit rund 150 Mitarbeitern und Sitz in Ettlingen.

Wärtsilä ist ein global führender Anbieter von modernen Technologien und ganzheitlichen Lösungen über die gesamte Produktlebensdauer für die Schifffahrts- und Energiemärkte. 2015 erzielte Wärtsilä mit seinen rund 18800 Mitarbeitern einen Nettoumsatz von 5 Milliarden Euro.

Energiepark Hahnennest wird von vier große landwirtschaftliche Familienbetrieben betrieben und im September 2011 wurden die ersten beiden Blockheizkraftwerke in Betrieb genommen. Die Gesamtanlage produziert 1000 Kubikmeter Rohgas in der Stunde, was etwa 5500 KW Energie entspricht.

Die geplante Biohybrid-Anlage könnte rund 2500 Durchschnittshaushalte ein Jahr lang mit Biomethan versorgen und gleichzeitig etwa 11 000 Tonnen CO2 einsparen. (siv)