Kürzlich war folgende Szene im Neidling zu beobachten. Zwei Spaziergänger mit Hunden begegneten einander. Während der eine Hund wie wild an der Leine zu zerren begann und drauf los bellte, registrierte der andere Hund seinen Artgenossen zwar, zeigte sich jedoch ziemlich unbeeindruckt und ging mit seinem Herrchen des Weges. Kann gut sein, dass er die Hundeschule besucht hat. Denn dort lernen Hund und Halter solche Alltagssituationen zu meistern, ohne außer Rand und Band zu geraten.

Daniel Münz aus Pfullendorf leitet die Hundeschule in Denkingen. Bild: Kirsten Johanson
Daniel Münz aus Pfullendorf leitet die Hundeschule in Denkingen. Bild: Kirsten Johanson | Bild: Kirsten Johanson

Daniel Münz hat in Denkingen eine solche Hundeschule ins Leben gerufen. Bei ihm lernen die Vierbeiner keine Kunststückchen, stattdessen geht es um eine praxisbezogene Ausbildung auf der Basis positiver Verstärkung. Letzteres bedeutet: Wenn der Hund etwas richtig und gut gemacht hat, bestätigt sein Besitzer ihm das per Klicker und es gibt zur Belohnung ein Leckerli.

"Mit Zora gehe ich einmal in der Woche zur Welpenschule, es macht Spaß und bringt auch etwas", erzählt Mandy Ritter aus Pfullendorf. Sie findet es wichtig, ihren Hund zu erziehen, denn schließlich wolle sie den Zwergpudel überallhin mitnehmen können. "Das klappt schon prima. Und auch ich fühle mich längst nicht mehr hilflos, wenn ich mit dem Hund unterwegs bin."

Kuti ist ein Mischling aus dem Tierheim. Mit seiner Halterin Helga aus Krauchenwies besucht er zwei Mal in der Woche die Hundeschule.
Kuti ist ein Mischling aus dem Tierheim. Mit seiner Halterin Helga aus Krauchenwies besucht er zwei Mal in der Woche die Hundeschule. | Bild: Kirsten Johanson

Samstagvormittag auf einer großen Wiese in Denkingen. Daniel Münz hat eine rechteckige Fläche am Boden mit Trassierband markiert. Die Gruppe übt heute, wie man mit dem Hund bei Fuß an dieser Markierung ohne Leinenzug – also ohne, dass sich die Leine strafft – entlang spaziert. Klingt einfach, aber mit so vielen Artgenossen um sich herum, ist das für manche Hunde ganz schön anstrengend und herausfordernd. Dann sollen die Hunde außerhalb der Markierung sitzen bleiben, während die Frauchen ins Karree laufen. Erst auf ein Signal dürfen die Hunde folgen. Bei einer anderen Übung stehen später die Hundebesitzerinnen einander in gut zehn Meter Abstand gegenüber, sie wechseln ohne ihre Hunde die Seiten und jede ruft erst nach einer gewissen Zeit ihren Hund zu sich. Die Hunde spurten aneinander vorbei, ohne unterwegs zu kläffen, miteinander zu raufen oder gar auszubüxen.

"Gespielt wird am Schluss der Stunde, alles andere ist Arbeit", sagt der Hundetrainer. "Aus menschlicher Sicht mag es für Außenstehende streng wirken, doch dem Hund gibt konsequentes Verhalten ein Gefühl der Sicherheit."

Nadine mit ihrer schwarzen Labrador-Hündin Ronja.
Nadine mit ihrer schwarzen Labrador-Hündin Ronja. | Bild: Kirsten Johanson

Ein Golden Retriever ist an diesem Vormittag so aufgeregt, dass er kaum zu halten ist. Daniel Münz separiert ihn zunächst einmal von der Gruppe. "Das ist keine Bestrafung. Er muss langsam an die Situation gewöhnt werden, sonst sind sowohl Hund als auch Besitzerin frustriert", erklärt der Hundetrainer. Auch Nelson, gerade mal ein halbes Jahr alt, ist nicht immer einverstanden, dass er brav und konzentriert an der linken Seite seines Frauchens zu laufen hat. Viel lieber würde er jetzt den Mäusen hinterherschnuppern, die bei den folierten Rundballen hausen. Doch Claudia aus Ostrach gibt der Schwarzwälder Bracke durch Körpersprache zu verstehen, dass Nelson seinen Willen jetzt nicht durchsetzen darf. "Dieses Grenzen setzen macht den Hund sicher", erläutert Münz. "Die Erziehung verläuft ohne Zwang und Aggressivität, das ist wichtig, wir wollen ja ein angenehmes Miteinander." Hund und Besitzer seien schließlich ein Team.

Mischling Kuti wirkt ganz gelassen. "Ich habe ihn mit acht Wochen aus dem Tierheim geholt. Für mich war ganz klar, dass ich mit ihm zur Hundeschule gehe. Wir kommen zwei Mal in der Woche und Kuti macht tolle Fortschritte", freut sich Helga aus Krauchenwies. "Mein Hund war früher im Beisein anderer Hunde extrem ängstlich, Woniya hatte kein Sozialverhalten", stellt Sonja Braunwarth aus Großstadelhofen fest. "Manchmal bietet Daniel einen Stadttag an, wir treffen uns in Pfullendorf und üben, wie man mit dem Hund in der Stadt unterwegs ist, das finde ich auch gut."

Tami ist ein echter Charmebolzen. Die Hundeschule macht dem Jack Russell Terrier großen Spaß, sagt Besitzerin Anna.
Tami ist ein echter Charmebolzen. Die Hundeschule macht dem Jack Russell Terrier großen Spaß, sagt Besitzerin Anna. | Bild: Kirsten Johanson

Border Collie Woniya besucht inzwischen seit gut vier Jahren die Hundeschule und ihre Ängstlichkeit ist passé. Auch Tami nimmt mit Frauchen Anna schon seit Jahren am Training teil. Es fällt sofort auf, dass der Jack Russell Terrier ein temperamentvoller, aber sehr folgsamer Musterschüler ist. "Wir kommen eigentlich nur noch, weil Tami so viel Spaß hat."

Informationen unter:
http://www.hundeschule-muenz-pfullendorf.de

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