Goldruten aufspüren und herausreißen: Das war vergangene Woche die Aufgabe von zwei Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) vom Bund für Umwelt- und Naturschutz in der Senke und an den Hängen der ehemaligen Kiesgrube in Denkingen. Aus Nordamerika eingewandert, erreicht die kanadische Goldrute eine Wuchshöhe von bis zu zwei Metern. An sich sind die Rispen mit den gelben Blütenköpfchen hübsch anzusehen, doch im Naturschutzgebiet Kreuzäcker wird dem Gewächs konsequent zu Leibe gerückt. Auch Lupinen sind dort nicht gern gesehen, weil sie Stickstoff im Boden anreichern.

Aus Nordamerika eingewandert, erreicht die kanadische Goldrute eine Wuchshöhe von bis zu zwei Metern.
Aus Nordamerika eingewandert, erreicht die kanadische Goldrute eine Wuchshöhe von bis zu zwei Metern. | Bild: Pelevina Ksenija - stock.adobe.com

Im Konkurrenzkampf sind heimische Arten den Eindringlingen oft unterlegen

Aber wozu das Ganze? Es geht um den Erhalt der Artenvielfalt. Denn im Konkurrenzkampf sind heimische Arten den Eindringlingen oft unterlegen. Die Rede ist von invasiven Neophyten, die in ökologischer oder gesundheitlicher Hinsicht bedenklich sind. „Wir wollen keine Reinbestände an Goldrute. Sie schadet dem Ökosystem, weil sie sich schnell und sehr stark ausbreitet“, sagt Heinz Brandt vom BUND Pfullendorf. Der Naturschutzbeauftragte und Diplom-Ingenieur für Landschaftspflege erklärt weiter: „Neophyten verdrängen die heimische Flora und Fauna.“ Massenbestände zum Beispiel von Indischem Springkraut stellen eine Bedrohung für andere Pflanzenarten dar. Weil der Pollen des Springkrauts intensiv duftet, lassen Bienen andere Blüten links liegen, die Wildpflanzen werden kaum angeflogen und nicht bestäubt.

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Tummelplatz für Insekten

Die ehemalige Kiesgrube am Ortsausgang von Denkingen ist seit 1994 Naturschutzgebiet und die Heimat von vielen Tier- und Pflanzenarten. Vor 15 Jahren hat der BUND Pfullendorf die Pflege der 19 Hektar großen Fläche übernommen. Landschaftspflegerisch ist der Ortsverband unter anderem auch im Taubenried und im Naturschutzgebiet Egelsee-Ried aktiv.

„Im Kreuzäcker finden wir die unterschiedlichsten Wildbienen, Schmetterlinge, viele Ameisenarten, Eidechsen, Blindschleichen, Grashüpfer, Heupferde“, zählt Brandt auf. Auf den Magerwiesen werden Wilde Möhre, Vogelwicke, Ehrenpreis, Wilde Malve, Klappertopf, Berufskraut, Tausendgüldenkraut, Thymian, Majoran und Kratzdisteln von Insekten umsummt. „Es gibt auch einige Orchideenarten wie das Waldvögelein, Hundswurz, Bienen-Ragwurz oder das Gefleckte Knabenkraut“, berichtet Brandt.

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Samen gelangen über Luft- und Schiffsverkehr nach Deutschland

Neophyten werden teilweise als Zierpflanzen eingeführt und breiten sich aus den Gärten heraus in die freie Natur aus, Samen gelangen über Luft- und Schiffsverkehr nach Deutschland. „Auf dem Vormarsch ist der japanische Staudenknöterich, vor allem am Bodensee breitet er sich aus, aber auch in Pfullendorf trifft man auf ihn. In Nordrhein-Westfalen gibt es Bachläufe, die durch einen Dschungel an Japanknöterich gar nicht mehr zu erreichen sind.“

Ambrosiasamen sind mitunter in Vogelfuttermischungen enthalten und können sich auf diese Weise ausbreiten. Ambrosia-Pollen sind hochallergen.
Ambrosiasamen sind mitunter in Vogelfuttermischungen enthalten und können sich auf diese Weise ausbreiten. Ambrosia-Pollen sind hochallergen. | Bild: stock.adobe.com

Ambrosia-Samen verbreiten sich oftmals über Vogelfuttermischungen. Wer eine solche Verunreinigung ausschließen will, sollte beim Kauf auf ambrosiafreies Futter achten. Das Vorkommen von Ambrosia sei im Pfullendorfer Raum jedoch nicht besonders hoch, so Brandt. Gut so, denn für Allergiker sind vor allem die Pollen gefährlich, sie können Heuschnupfen oder sogar Asthmaanfälle auslösen.

Wer mit dem Pflanzensaft des Riesenbärenklaus in Kontakt kommt, erlebt bei Sonneneinstrahlung eine schmerzhafte, phototoxische Reaktion. Die Haut erleidet schwere Verbrennungserscheinungen. Bei der Bekämpfung des Bärenklaus sollte man deshalb Schutzkleidung und Mundschutzmasken tragen.
Wer mit dem Pflanzensaft des Riesenbärenklaus in Kontakt kommt, erlebt bei Sonneneinstrahlung eine schmerzhafte, phototoxische Reaktion. Die Haut erleidet schwere Verbrennungserscheinungen. Bei der Bekämpfung des Bärenklaus sollte man deshalb Schutzkleidung und Mundschutzmasken tragen. | Bild: stock.adobe.com - Dmitriy Bruskov

Pflanzensaft verursacht schmerzhafte, phototoxische Reaktion

Ein Neophyt der gemeinen Sorte ist die Herkulesstaude, die ursprünglich im Kaukasus beheimatet ist. Die imposante Erscheinung machte den Riesenbärenklau zu einer beliebten Zierde in deutschen Gärten. Er wird bis zu vier Meter hoch, die Blüten können einen Durchmesser von bis zu 50 Zentimetern erreichen. Das Fatale: Eine Pflanze kann bis zu 10 000 Samen hervorbringen. Im Ruhestetter Ried und im Aachtobel hat Brandt den Riesenbärenklau schon gesehen. Wer mit dem Pflanzensaft in Kontakt kommt, erlebt bei Sonneneinstrahlung eine schmerzhafte, phototoxische Reaktion. Die Haut erleidet schwere Verbrennungserscheinungen. Bei der Bekämpfung des Bärenklaus sollte man deshalb Schutzkleidung und Mundschutzmasken tragen.

Vorsicht ist auch beim Jakobskreuzkraut geboten. Ein Problem entsteht vor allem dann, wenn die Pflanze auf Weiden wuchert: Kühe oder Pferde nehmen das Gift mit dem Futter auf. Giftstoffe wurden schon in Lebensmitteln wie Milch oder Honig nachgewiesen.
Vorsicht ist auch beim Jakobskreuzkraut geboten. Ein Problem entsteht vor allem dann, wenn die Pflanze auf Weiden wuchert: Kühe oder Pferde nehmen das Gift mit dem Futter auf. Giftstoffe wurden schon in Lebensmitteln wie Milch oder Honig nachgewiesen. | Bild: dabjola - stock.adobe.com

Giftstoffe schon in Lebensmitteln nachgewiesen

Vorsicht ist auch beim Jakobskreuzkraut geboten. Ein Problem entsteht vor allem dann, wenn die Pflanze auf Weiden wuchert: Kühe oder Pferde nehmen das Gift mit dem Futter auf. Giftstoffe wurden schon in Lebensmitteln wie Milch oder Honig nachgewiesen.