Diskussionsrunde über den Wolf

Die Debatte um die Wiederkehr des Wolfs sorgt weiter für Emotionen und berührt besonders die Interessen der Landwirtschaft. Deshalb hat sich die bei der Erzdiözese Freiburg angesiedelte ansässige Katholische Landvolk Bewegung (KLB) entschlossen, am 28. Januar in Ennetach eine Podiumsveranstaltung durchzuführen. „Wölfe – schützen oder schießen?“ lautet der Titel der Veranstaltung, bei der Vertreter von Politik, Jägerschaft, Landwirtschaft und Naturschutz auf dem Podium über die Rückkehr des grauen Räubers debattieren, wobei in Baden-Württemberg offiziell nur ein Tier im Nordschwarzwald ansässig ist.

"Wolf ist eine Bedrohung"

„Das Interesse der Menschen und die Angst der Landwirte ist da“, erklärt KLB-Agrarreferentin Angelika Pietschmann im SÜDKURIER-Gespräch, dass mit der Diskussionsrunde informieren möchte. Sie selbst bewirtschaftet mit ihrer Familie im Schwarzwald einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb im Schwarzwald und hält auf der Weide auch Mutterkühe, Ziegen und Pferde. Als Tierhalterin habe sie einen besonderen Bezug zu ihren Weidetieren und wolle sie so schonend wie möglich halten, deshalb sei der Wolf eine Bedrohung an sich.

"Baden-Württemberg ist für den Wolf geeignet"

Dem widerspricht Markus Rösler, der für die Grünen im Landtag sitzt und sich seit vielen Jahren mit dem Thema Wolf beschäftigt. Er ist überzeugt, dass sich die Zahl der Tiere erhöhen und in zehn Jahren auch Rudel in Baden-Württemberg ansässig sein werden, denn das Land sei für den Wolf nicht zu dicht besiedelt. Das Habitat des Landes biete die Möglichkeit, dass sich zehn bis 20 Rudel ansiedeln könnten und in ganz Deutschland wäre Platz für etwa 440 Rudel. „Wer sagt, dass Baden-Württemberg für Wölfe nicht geeignet ist, liegt falsch“, ergänzt Rösler. Er verweist darauf, dass es seitens des Naturschutzes keinen Protest gegen den Abschuss problematischer Wölfe gebe, und nennt Beispiele aus Niedersachsen und Sachsen, wo auffällige Tiere mit Zustimmung der Naturverbände geschossen wurden.

ARCHIV - 18.01.2017, Nordrhein-Westfalen, Isselburg: Ein Wolf (Canis Lupus Lupus) steht in einem Gehege des Biotopwildpark Anholter Schweiz. Drei Monate nach der Ausweisung des ersten NRW-Wolfsgebietes am Niederrhein sind 16 Anträge auf finanzielle Hilfen für Präventionsmaßnahmen bewilligt worden. Mit den ausgezahlten Geldern können Schafzüchter etwa Zäune kaufen, um ihre Herden vor Angriffen eines Wolfes zu schützen. Foto: Bernd Thissen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
Tragen Wölfe in freier Wildbahn tatsächlich zur Artenvielfalt bei, oder bewirken sie in unserer Region das Gegenteil? | Bild: Bernd Thissen (dpa)

Mehrkosten entstehen

Wenn eine Mehrheit der Gesellschaft die Rückkehr des Wolfes möchte, müsse die Gesellschaft auch die Mehrkosten für die betroffenen Tierhalter übernehmen, benennt der Parlamentarier seine politische Handlungsmaxime.

CDU-Abgeordneter Burger hinterfragt Schutzstatus

Kritisch sieht der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Burger die Wiederbesiedlung des Landes durch den Wolf. Er fordert eine sachliche Debatte, denn Polemik, egal in welche Richtung, schade nur. „Trägt der Wolf tatsächlich zur Artenvielfalt bei oder bewirkt er in unserer Region nicht genau das Gegenteil“, benennt er Fragen, die es zu beantworten gelte.

Tiere seien Mitgeschöpfe und ihr Schutz ist auch Menschenpflicht. In Europa gibt es nach seiner Meinung wieder gesicherte Wolfsbestände, und so müsse man sich fragen, ob dessen hoher Schutzstatus so noch gerechtfertigt sei: „Und wir müssen den Menschen sagen, wenn wir ein Zusammenleben von Homo sapiens und Wolf wollen, dann wird das viel Geld kosten, welches an anderer Stelle fehlen wird.“

"Müssen Landwirte bestmöglich unterstützen"

Die grüne Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden plädiert dafür, das einzige in Baden-Württemberg heimische Wolfsexemplar auf jeden Fall zu schützen, auch um einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten. Sie fordert ein Ende der abfälligen Reden von Wolfsflüsterern oder Wolfsverstehern, worin sie einen Zynismus ausmacht, der blind für die größeren Zusammenhänge sei. „Der Wolf ist ein gefährliches Tier“, macht Bogner-Unden deutlich, dass es deshalb Aufgabe der Politik sei, Weidetierhalter und Landwirte bestmöglich dabei zu unterstützen, sich für die neue Herausforderung zu wappnen.

Man müsse die Sorgen der Menschen ernst nehmen, spricht sich die grüne Landtagsabgeordnete auch uneingeschränkt dafür aus, dass ein Problemwolf abgeschossen werden muss. Insgesamt sieht sie die Wolfsdebatte als überzogen an, denn es gebe wichtigere Themen. Existenzieller für die Bürger sei die Lösung großer Umweltfragen, wie Maßnahmen gegen den Klimawandel. Nicht zu vergessen die Diskussion über den Einsatz von Düngemittel und Glyphosat oder zu hohe Nitratwerte im Grundwasser.