Pfullendorf – Die 9. Pfullendorfer Wirtschaftsgespräche im Kolpinghaus bildeten am Mittwochabend den würdigen Rahmen, um die Gewinner des Gründerwettbewerbs zu prämieren. Mehr als 120 Besucher waren gespannt, wessen Geschäftsidee von der Jury um Wirtschaftsförderer Bernd Mathieu und Bürgermeister Thomas Kugler nach einem ausgeklügelten Punktesystem als besonders nachhaltig, überzeugend, wirtschaftlich machbar und zukunftsfähig bewertet wurde. Der SÜDKURIER hatte das bislang einmalige Vorhaben als Medienpartner nachhaltig unterstützt, wie Bürgermeister Thomas Kugler betonte.

Acht potenzielle Firmengründer hatten einen detaillierten Businessplan vorgelegt, und zur Gewinnerin des Gründerwettbewerbs wurden Martina Schmidt und ihre Kollegin Evelyn Pfleghaar gekürt, die eine Podologie-Praxis in der Schulstraße 1 offiziell am 1. Oktober eröffnen werden. Man schließe damit eine Lücke, nachdem eine heimische Podologin in den Ruhestand getreten sei, erklärte Schmidt, dass sie ihre Dienste schon in allen Pflege- und Altenheimeinrichtungen von Pfullendorf anbiete. Noch keine Räumlichkeiten hat die Aach-Linzerin Stephanie Schraudolf las Zweitplatzierte gefunden, um sich den Traum von der Selbstständigkeit mit einem Stoff- und Nähgeschäft zu erfüllen. Der Drittplatzierte Hoan Luu benötigt zur geschäftlichen Weiterverbreitung seiner Anzeigenblatt-App im Prinzip kein riesiges Büro. Bei der Prämierung nicht zum Zug kam übrigens eine Friseurmeisterin, die aber in der Heiligenberger Straße dennoch ein Geschäft eröffnen wird, wie Mathieu gestern auf Anfrage des SÜDKURIER bestätigte.

„Die Stadt geht mit Ihnen den Weg bis zur Gründung weiter“, versprach der Wirtschaftsförderer den Teilnehmern, wobei die Innenstadt schon jetzt vom Wettbewerb profitierte habe. Er verspüre eine gewisse Aufbruchsstimmung, auch weil die Kommune gezeigt habe, dass man die dortigen Geschäftsleute nicht allein lasse, sondern sich aktiv gegen die in vielen Städten sichtbare Innenstadtverödung stemme. Als Ursachen für die Ladenschließungen benannte Bernd Mathieu die Konkurrenz durch Online-Handel, die Märkte auf der grünen Wiese bis hin zur überalteren Eigentümerstruktur. Schon zehn Tage nach Wettbewerbsstart habe er die erste Geschäftsskizze erhalten, gestand Mathieu, dass man bezüglich der Teilnahmerzahl schon etwas Bammel hatte. In der Vorschlagsphase wurden 20 Ideen zugelassen, die Ende Februar auch öffentlich präsentiert wurden. Aus persönlichen, finanziellen oder auch arbeitstechnischen Gründen zogen einige ihre Bewerbung zurück, sodass letztlich acht Businesspläne abgegeben wurden. Er wisse aber von drei Gründern in spe, dass sie ihr Geschäft dennoch eröffnen wollen, allerdings nicht in der Innenstadt. „Sie haben den Stresstest bestanden“, lobte Bürgermeister Thomas Kugler die Teilnehmer für ihr Durchhaltevermögen und Mut.

Das Duo nutzte die 9. Wirtschaftsgespräche, um für ein Highlight der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2020 die Werbetrommel zu rühren – ein Seifenkistenrennen. Dazu hatte man den Vorsitzenden des baden-württembergischen Seifenkistenverbandes Robert Brandelik eingeladen, der mit seiner Begeisterung für diese nicht motorisierten Vehikel etliche Besucher ansteckte. Das Rennen findet am 21. Juni auf der Aftholderbergerstraße statt, und mehrer Pfullendorfer Firmenchefs erklärten, dass sie ein Seifenkistenteam an den Start schicken werden. Für beste Pianounterhaltung sorgten bei den Wirtschaftsgesprächen Corinna Krall und Immanuel Taraca von der städtischen Musikschule und für die Kulinarik beim anschließenden Small-Talk war einmal mehr Gastro Schneider zuständig.

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