Noch Stunden nach Ende des offiziellen Neujahrsempfangs in der vollen Stadthalle, bevölkerten viele Bürger am Samstagabend das Foyer, was ein untrügliches Zeichen für eine rundum gelungene Veranstaltung ist, die mit der Verleihung der goldenen Ehrenmedaille der Stadt an Charlotte Zoller ihren Höhepunkt hatte. Als "Paradebeispiel für ehrenamtliches Engagement", würdigte Bürgermeister Thomas Kugler die seit Jahrzehnten in vielen Ämtern und Funktionen tätige Zoller, deren Ehrung vom Gemeinderat einstimmig beschlossen worden war. Sie sei unermüdlich unterwegs, um den Menschen die Heimat näher zu bringen, listete der Rathauschef ihre Aktivitäten beim Narrenverein, Trachtengruppe, Netzwerk50 plus oder Mittwochswander auf. "Sie sind unverzichtbar und ein super Mensch", nahm Kugler die Geehrte dann in den Arm, bevor er unter dem Beifall der vielhundertköpfigen Besucherschar die Urkunde samt Medaille überreichte.

Dass Pfullendorf und seine Teilorte sehr viel bieten, hatten zu Beginn des Empfangs Michael Schnurr und Rainer Jörger mit einem Trailer zur zweiten Auflage der "Pfullendorfer Stadtgeschichten" mit tollen Aufnahmen gezeigt. Seit Monaten ist das Duo mit Kamera und Mikro neuen Geschichten auf der Spur und hat unter anderem ein verschollenes Lied entdeckt. Im Herbst erzählen die Filmemacher in der Stadthalle ihre neuen "Pfullendorfer Stadtgeschichten. Dass den Autoren der Stoff auch in den nächsten Jahren nicht ausgeht, dafür sorgen die Stadtoberen, deren Aktivitäten, Pläne und Ziele Bürgermeister Thomas Kugler in seiner Ansprache skizzierte. Er berichtete von einem arbeitsreichen wie erfolgreichen Jahr 2016, wobei man beim Bahnhof, ZG-Areal und Keinath-Areal nach langer Suche endlich die Investorenverträge abschließen konnte.

Die Straßenbaumaßnahmen in der Stadt hätten viel Geduld abgefordert, ergänzte Kugler, dass der Bauboom weiter anhalte. Für das geplante Baugebiet "Oberer Bussen" habe man schon 30 Anfragen und das Industriegebiet "Mengener Straße" müsse man erweitern. Stolz ist der Bürgermeister, dass die Stadt im fünften Jahr in Folge einen Bevölkerungszuwachs verzeichnet und bei der Arbeitslosigkeit den historischen Tiefstand von 316 Arbeitslosen registriert. "Ich konnte es selbst nicht glauben", kommentierte er den gleichfalls historischen Höchststand von 1129 gemeldeten Gewerbebetrieben. Auf die Frage, wie es mit Realschule und Werkrealschule weiter geht, soll bis Jahresmitte eine Konzeption vorliegen. Der Ausbau der Kindergartenlandschaft und die weitere Sanierung des Dominikanerinnenklosters sei von den Prioritäten und der Zuschusssituation abhängig, wobei beide Vorhaben "vermutlich nicht gleichzeitig gehen." Man habe in den vergangenen Jahren viel, ja fast zu viel geleistet, gab es ein extra Lob für seine leistungsfähige und -willige Verwaltung.

Gravierende Änderungen erwartet Kugler für das Pflegeheim, das ab 2020/2021 zukunftsfähig gemacht werden muss. Mit klaren Worten hatte Thomas Kugler zu Beginn die zunehmende Verächtlichmachung von Politik und Politikern kritisiert. Man müsse wieder den Weg ins Normale und Pragmatische finden und keine unendlichen Diskussionen über Genderthemen und Political Correctness führen. Den Hang zur Perfektion bezeichnete er als Weg nach Absurdistan: "Mehr Realitätssinn würde oft helfen!" Nach seiner Überzeugung ist die Lage im Land deutlich besser als die Stimmung und das Auseinanderfallen von Wahrnehmung und Realität sei Teil des Problems.

Er jedenfalls sei stolz und dankbar seit zehn Jahren dieser herrlichen Stadt Pfullendorf dienen zu dürfen.

Oberst Thomas Schmidt überbrachte die Neujahrswünsche der Garnison und verzichtete wie 2016 auf eine Rede, was ihm auch Beifall bescherte. Pfarrer Marthino Dias Mertola erinnerte an das turbulente, krisengeprägte Jahr 2016 und dass der Terror auch Deutschland erreicht habe. Populistische und individualistische Strömungen suggerierten einfache Antworten, schürten aber nur Ängste, wobei Abschottung und Separatismus nicht helfen würden, mahnte der Geistliche. Er benannte Armut und Ungerechtigkeit als Ursachen für die Krisen und appellierte an die Getauften, dass diese nicht an ihren Privilegien festhalten und ihre Herzen verschließen dürften. Im selben Atemzug warnte er davor, eine Politik zu wählen, deren Horizont an der Grenze aufhöre. "Es braucht das Miteinander und den Zusammenhalt", erinnerte er an die Weihnachtsbotschaft, wonach jeder Mensch einzigartig und wertvoll sei.

Die musikalische Umrahmung durch das Quintett "Linzgau-Brass" hat schon Konzertcharakter und angesichts des begeisternden Beifalls nutzte Martin Fröhlich die Gelegenheit, um für die zweite Auflage des Brass- und Blasmusikfestivals vom 16. bis 18. Juni im Seepark die Werbetrommel zu rühren. Mit dem Wissenschaftskabarettisten Vince Ebert erlebte das Publikum dann einen Mann, der Wissenschaft, Politik, Moral und Alltagswelt mit Humor verbindet. Der SÜDKURIER wird noch berichten.

Entwicklungen 2016

Im Jahr 2016 erhöhte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf rund 6500 und erreichte das Niveau der 90er Jahre, als bei der Firma Alno noch 2500 Menschen beschäftigt waren. Im Jahr 2016 wurden im Verwaltungsraum Pfullendorf, Illmensee, Wald und Herdwangen-Schönach 212 Baugenehmigungen mit einem Investitionsvolumen von 53 Millionen Euro erteilt, davon entfielen auf Pfullendorf 109 Genehmigungen mit einem Investitionsvolumen von rund 35 Millionen Euro. (siv)