Direkt am ersten Arbeitstag im neuen Jahr will der insolvente Küchenbauer Alno die Karten auf den Tisch legen: Am Dienstagnachmittag lädt der Konzern zu einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung. Auch die Öffentlichkeit soll noch am selben Tag darüber informiert werden, wie es bei dem angeschlagenen Unternehmen weitergehen wird. Nach SÜDKURIER-Informationen wird Alno verkünden, dass hinreichend viele ehemalige Mitarbeiter der Alno AG Arbeitsverträge für die Neue Alno GmbH unterschrieben haben, sodass die Produktion schon bald wieder aufgenommen werden kann. Offiziell bestätigen wollte das im Unternehmen aber gestern niemand. Aus dem Unternehmensumfeld waren jedoch optimistische Töne zu vernehmen. „Wir sind zuversichtlich, dass es zu einer Fortführungslösung für Alno kommen wird“, sagte zum Beispiel ein Sprecher von Insolvenzverwalter Martin Hörmann. Man arbeite unter Hochdruck an den letzten Details.

Nachdem selbst Optimisten die Hoffnung für eine Alno-Rettung aufgegeben hatten und fast allen Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt wurde, hatte der britische Investor Riverrock vor zwei Wochen ein 20 Millionen Euro schweres Angebot für Alno auf den Tisch gelegt. Mit 410 Mitarbeitern will er Alno als Großschreinerei fernab des Kapitalmarkts weiterführen.

Damit der Kaufvertrag wirksam wird, müssen allerdings mehrere Bedingungen erfüllt sein, beispielsweise die Zustimmung des Gläubigerausschusses, die Genehmigung von Kurzarbeitergeld durch die Bundesagentur für Arbeit und die Gründung einer Transfergesellschaft, die alle Mitarbeiter auffangen soll, die bei der Neuen Alno GmbH nicht unterkommen. Auch wenn diese Bedingungen noch nicht abschließend erfüllt sind, deutet vieles auf ein baldiges grünes Licht für Alno hin. „Beide Seiten sind gewillt, den Kaufvertrag zeitnah zu vollziehen“, sagt zum Beispiel der Sprecher des Alno-Insolvenzverwalter.

Auch bezüglich der Rekrutierung der alten Mitarbeiter ist Alno auf einem guten Weg. Bereits vor Weihnachten hatten 275 alte Mitarbeiter einen neuen Vertrag unterzeichnet. Auch wenn weniger als die von Riverrock geforderten rund 400 Mitarbeiter die neuen Arbeitverträge unterschrieben, bedeute dies nicht, dass der Kauf abgeblasen werde, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. In diesem Fall werden man unverzüglich Gespräche mit dem Erwerber aufnehmen, sagte er. Beide Seiten – Insolvenzverwaltung und Riverrock – seien sich einig, eine Fortführung der Geschäfte mit Nachdruck anzustreben. Unter anderem bestehe die Möglichkeit, eventuell fehlende Arbeitskräfte vom freien Arbeitsmarkt zu rekrutieren, um den Fortbestand von Alno zu sichern. Die avisierte Unterzeichnung des Kaufvertrags mit Riverrock zum 1. Januar 2018 sei ein Ziel, das aber nicht zwingend sei. „Für die Unterzeichnung des Kaufvertrags gibt es keine feste Frist“, sagte der Sprecher. Ziel sei es allerdings, im Januar einen Abschluss mit Riverrock zu erreichen.