Pfullendorf – Wenn Deutschland die beim Pariser Klimagipfel für das Jahr 2050 vereinbarten Ziele, sprich die Nullemission, erreichen will, dann müsste das Aus für den Verbrennungsmotor im Straßenverkehr im Jahr 2030 kommen. Diese Prognose stammt von Ingenieur Uwe Kehn, dem führenden E-Mobilitätsexperten in Deutschland, der bei den 7. Pfullendorfer Wirtschaftsgesprächen über "Elektromobilität 2.0" detaillierte Einblicke in die Elektrifizierung von Autos oder Lastwagen gab. Mehr als 100 Teilnehmer hatten sich bei der Gemeinschaftsveranstaltung von Stadt und Wirtschaftsinitiative Pfullendorf (WIP) themengerecht im Autohaus Karl Fritz eingefunden. Der Hausherr hatte 2012 das erste Firmengebäude im neuen Gewerbegebiet "Otterswanger Straße" errichtet. Ein Verbrennungsmotor bestehe aus 3500 Teilen und ein Elektromotor aus 50 Teilen, benannte Kehn einen Vorteil der Neuausrichtung der Automobilbranche. Sehr kompliziert ist hingegen der Batterieeinsatz, erklärte der Experte, dass beispielsweise beim E-Auto des US-Herstellers Tesla 2000 Einzelzellen miteinander verschaltet werden müssen. Die Reichweite von E-Autos reduziert sich enorm, wenn mit der Batterie auch die Fahrzeugkabine beheizt oder belüftet wird. "Statt 200 Kilometern sind es dann nur noch 120 Kilometer", nannte er als Beispiel. Diesen Verlust müsse man durch Dämmungen reduzieren. Dann beleuchtete er die Wirkungsgrade unterschiedlicher Batterien und Motoren und kam zum Ergebnis, dass Elektrifizierung nur mit nachhaltiger Energieerzeugung sinnvoll ist. Entscheidend für die deutsche Autoindustrie sei, den Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität nicht zu verpassen.

Hier entscheide sich, ob man weiter Leitmarkt in dieser von den Mega-Cities getriebenen Entwicklung bleibe. Nun gelte es, die Ladeleistungen der Batterien zu erhöhen und eine entsprechende Ladeinfrastruktur aufzubauen, erklärte Uwe Kehn. Die Dimension dieser Aufgabe erklärte Stadtwerkechef Jörg-Arne Bias im SÜDKURIER-Gespräch. Wenn aktuell zeitgleich 85 E-Autos mit 200kW aufgeladen würden, entspräche dies dem heutigen Strombedarf aller Kunden der Stadtwerke vom Haushalt bis zum Industrieunternehmen.

Im Anschluss beleuchtete Eisenbahnbetriebsleiter Frank Meißner von Hohenmeiß die Vergangenheit der Eisenbahnstrecke Pfullendorf-Altshausen, die Bemühungen um deren Reaktivierung seit dem Jahr 2009 und Zukunftsprojekte. So wird der "Radexpress Oberschwaben" ab 2018 von Mai bis Oktober statt im Zwei-Wochen-Rhythmus jeden Sonntag auf der 27 Kilometer langen Strecke verkehren. Im vergangenen Jahr nutzten 3000 Fahrgäste den Zug. Geplant sind auch weitere Gütertransporte, nachdem die in Ostrach tätige Transportfirma BoxTango 2016 erstmals einen Holztransport organisiert hatte. Dank der jährlichen Trasseneinnahmen von 13 000 Euro, den Beiträgen der Mitglieder der Interessengemeinschaft Bahn, zu der die Anliegegemeinden und Firmen gehören und Landeszuschüssen habe man gesicherte finanzielle Verhältnisse.

Im Anschluss nutzten die Besucher die Chance, mit den Mobilitätsexperten und Unternehmenskollegen ins Gespräch zu kommen, unterstützt durch die Kulinarik von Schneiders Gastro Service.

Wirtschaftsgespräche

Als Plattform zum Kennenlernen der vielfältigen Unternehmerwelt, sieht der städtische Wirtschaftsförderer Bernd Mathieu die seit 2010 stattfindenden Wirtschaftsgespräche, wie er in seiner Begrüßung erklärte. Für den Vorsitzenden der Wirtschaftsinitiative Pfullendorf (WIP), Marco Schiedt, ist sind die jährlichen Treffen eine Erfolgsgeschichte und zeigt die Leistungsstärke der Betriebe. Für Bürgermeister Thomas Kugler hat sich der "Netzwerkgedanke" dieser Veranstaltungsreihe absolut bewährt. Den Anfang machte man 2010 bei der Firma Kramer und war auch bei den Firmen Escad, Stocker, Alno, Rewe und Geberit zu Gast.