Das öffentliche Interesse bei Gemeinderatssitzungen in Illmensee ist für gewöhnlich recht groß, doch nicht vergleichbar mit dem Andrang, der am Donnerstag herrschte. Nicht im Rathaus, sondern in der Drei-Seen-Halle fand die Sitzung statt und hatte – aus besonderem Anlass – auch nur einen Punkt auf der Tagesordnung: die feierliche Amtseinführung von Michael Reichle. „Im Mittelpunkt meines Tuns steht von nun an Illmensee“, versicherte der neue Bürgermeister.

Hand-in-Hand mit Verwaltung, Gemeinderat, Vereinen und Bevölkerung

Er wolle Hand-in-Hand mit der Verwaltung, dem Gemeinderat, den Vereinen und der gesamten Bevölkerung das Neue in Illmensee gestalten. Reichle hat am 2. Januar seine Arbeit aufgenommen und wurde von Sitzungsleiterin und Bürgermeisterstellvertreterin Kathrin Hecht verpflichtet. Rund 400 Gäste waren gekommen, um die Vereidigung mitzuerleben.

Keine gewöhnliche Gemeinderatssitzung: Die Drei-Seen-Halle war am Donnerstagabend mit rund 400 Gästen zur Amtseinführung von Michael Reichle brechend voll.
Keine gewöhnliche Gemeinderatssitzung: Die Drei-Seen-Halle war am Donnerstagabend mit rund 400 Gästen zur Amtseinführung von Michael Reichle brechend voll. | Bild: Kirsten Johanson.

Es herrschte Aufbruchstimmung in der Halle und wie es scheint, blickt Illmensee voller Zuversicht in die Zukunft. Ein Zuhörer, Karl Heggelbacher, formulierte es im Gespräch mit dem SÜDKURIER so: „Die Wahl hat gezeigt, dass wir einen bürgernahen Bürgermeister brauchen, der zum Volk steht.“ Kathrin Hecht, die interimsweise für zwei Monate das Bürgermeisteramt innehatte, erinnerte an die Schlagworte, mit denen Reichle in den Wahlkampf gegangen: Neustart, Perspektivwechsel und Heimatverbundenheit. „Deinen menschlichen Werten und deiner aufgeschlossenen Art kamen bei der Wahl enorme Bedeutung zu. Illmensee hat sich für einen Einheimischen entschieden, der mit uns Bürgern hoffentlich in eine gemeinsame Richtung schaut. Viele Aufgaben liegen vor uns. Behalte nicht nur die großen Themen im Auge, sondern auch die kleinen Dinge im Dorfleben.“

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Das Bürgermeisteramt, darauf wies Landrätin Stefanie Bürkle hin, sei das einzige politische Amt, das seine Legitimation unmittelbar aus der Bevölkerung schöpfe. Sie betonte, dass Kommunalpolitik nicht mit Gesetzesbüchern gemacht werde, sondern mit dem Willen zu Gestaltung. Rückblickend auf das konfliktreiche Verhältnis zwischen dem früheren Bürgermeister, dem Gemeinderatsgremium und der Bürgerschaft sagte sie: „Es wurde erwartet, dass wir ein Machtwort sprechen. Doch dazu ist das Landratsamt nicht da. Wir konnten allenfalls Schiedsrichter sein, in einem Spiel, das in der Gemeinde gespielt wird.“ Nun sei die Chance für einen Neubeginn da, um die Menschen in der Gemeinde wieder zusammenzuführen. „Es ist Ihr Markenzeichen, Brücken zu bauen“, wandte sie sich an Reichle.

Michael Nadler, Judentenberg: „Ich bin sicher, mit Michael Reichle finden die Vereine und die Gemeinde wieder zueinander.“
Michael Nadler, Judentenberg: „Ich bin sicher, mit Michael Reichle finden die Vereine und die Gemeinde wieder zueinander.“ | Bild: Johanson, Kirsten

Das gleiche Bild auf Latein – Pontifex ­– wählte auch Pfarrer Martinho Dias Mertola in seinem Grußwort. „Eine Veränderung geschieht nicht von heute auf morgen, dazu bedarf es Geduld“, fügte der Geistliche hinzu. Optimistisch zeigte sich Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden: „Ich freue mich, dass für Illmensee eine neue Zeit anbricht.“

Roland Eisele, Ruschweiler: „Ich hoffe, dass wieder Ruhe ins Rathaus einkehrt und alles in geregelten Bahnen verläuft.“
Roland Eisele, Ruschweiler: „Ich hoffe, dass wieder Ruhe ins Rathaus einkehrt und alles in geregelten Bahnen verläuft.“ | Bild: Johanson, Kirsten

Werner Müller sicherte Reichle im Namen der Verwaltungsgemeinschaft Pfullendorf Wertschätzung und Verbundenheit zu. Was heutzutage zähle, sei gemeinsames Handeln und die Zusammenarbeit, da die Welt nicht am Ortsschild ende. Als Bürgermeister mit 27 Jahren Erfahrung wies er seinen neuen Kollegen mit einem Augenzwinkern darauf hin: „Neue Themen, Hürden und Herausforderungen gehen nie aus.“

Sandra Heggelbacher, Illmensee: „Ich wünsche mir, dass Michael Reichle das Wir-Gefühl stärkt und alle an einem Strang ziehen.“
Sandra Heggelbacher, Illmensee: „Ich wünsche mir, dass Michael Reichle das Wir-Gefühl stärkt und alle an einem Strang ziehen.“ | Bild: Johanson, Kirsten

Olaf Brandt, Vorsitzender des Sportvereins, sprach das Grußwort namens der Vereine. Ihm und seinen Kollegen dürfte es ganz warm ums Herz geworden sein, als Reichle feststellte: „Vereine sind das Blut in der Adern der Gemeinde.“

Stefan Rothmund, Ruschweiler: „Wir Ruschweiler Hexen hoffen, dass wir wieder einen Umzug bei uns im Ort veranstalten können.“
Stefan Rothmund, Ruschweiler: „Wir Ruschweiler Hexen hoffen, dass wir wieder einen Umzug bei uns im Ort veranstalten können.“ | Bild: Johanson, Kirsten

Der Chor der Grundschule und der Musikverein Illmensee umrahmten die feierliche Veranstaltung mit Musik. Beim anschließenden Stehempfang mit Imbiss wurden die Gäste von ortsansässigen Gastronomen verköstigt.

Der Schulchor der Gemeinde Illmensee eröffnete den Abend mit Gesang und erhielt für seine aufgeweckte Darbietung viel Applaus vom Publikum.
Der Schulchor der Gemeinde Illmensee eröffnete den Abend mit Gesang und erhielt für seine aufgeweckte Darbietung viel Applaus vom Publikum. | Bild: Johanson, Kirsten