Pfullendorf – Wohl kaum jemand möchte seine letzten Stunden in Einsamkeit verbringen. Wenn das Leben sich seinem Ende entgegen neigt, dann wünschen sich viele Menschen eine Hand, die sie hält. Dafür gibt es die Hospizhelfer. Es ist kein einfacher Dienst, den sie tun, aber die Sterbebegleitung ist etwas, was vielen Betroffenen das "Gehen" leichter machen kann. Vor allem dann, wenn niemand da ist, der sie begleitet. In Pfullendorf sind es derzeit 14 Frauen und Männer, die sich dem Dienst für die Menschlichkeit verschrieben haben. Organisiert ist die Gruppe in einem Verein. Der Verein hatte jetzt ein Problem, wie man bei der Mitgliederversammlung im Foyer der Christuskirche feststellen konnte.

Bislang war der evangelische Pfarrer Hans Wirkner Vorsitzender der Hospizgruppe. Doch der wird Militärseelsorger für die Standorte Stetten a.k.M. und Pfullendorf. Deshalb hat er sein Amt niedergelegt. Familie Wirkner wird zwar in oder um Pfullendorf wohnen, aber das Tätigkeitsfeld ist nun doch anders. Auch die bisherige Einsatzleiterin Bernadette Möhrle stand nicht mehr zur Verfügung, wollte einmal Pause machen.

Erstmals kein Pfarrer als Vorsitzender

Bei einem anderen Verein hätte der Ausfall zweier Führungskräfte vielleicht Ratlosigkeit ausgelöst. Bei den Hospizhelfern ist das bereits geregelt. Gabriele Fischer, vormals Leiterin der Realschule, hat den Vorsitz übernommen. Weil turnusmäßig keine Wahlen anstanden, konnte Fischer vom Vorstand bestimmt werden. "Damit ist erstmals kein Pfarrer mehr Vorsitzender", stellte Hans Wirkner fest und machte gleich deutlich, dass er das gar nicht schlimm findet. Er ist überzeugt, dass vor der Hospizgruppe "eine glänzende Zeit liegt". Das könne man schon am sehr guten Besuch der Mitgliederversammlung feststellen. Und auch daran, dass wieder neue Menschen bereit sind, bei der Gruppe als Helfer mitzumachen. Dazu ist auch eine umfangreiche Ausbildung nötig, die absolviert werden muss.

Der katholische Stadtpfarrer Martinho Diaz Mértola machte in seiner Besinnung deutlich, dass das Begleiten von Menschen auch Grenzen habe. "Aber die Nähe kann auch guttun, wenn man die Hände hält und sie streichelt." Und das ist das, was die Ehrenamtlichen im vergangenen Jahr neunmal im Pflegeheim, dreimal im Krankenhaus und fünfmal zu Hause gemacht haben. Wie Ursula Barry erläuterte, wurden dazu 314 Einsatzstunden geleistet. Nicht wenige Begleitungen gingen über mehrere Monate. Für Öffentlichkeitsarbeit, Supervisionen und Schulungen wurden nochmals 370 Stunden aufgewendet. Und es wurden 1058 Kilometer zurückgelegt, denn das Einzugsgebiet umfasst neben Pfullendorf auch Wald, Illmensee und Herdwangen-Schönach.

Neue Mitstreiter immer gesucht

Es wurde ein neues Logo gestaltet und die Satzung überarbeitet. "Alles Dinge, die enorm viel Zeit kosten", wie Wirkner feststellte. Er sieht die Gruppe für die Zukunft "fantastisch aufgestellt". Man brauche aber immer wieder neue Mitstreiter. Vor allem auch Menschen jüngeren Alters. Außerdem müsse man darüber nachdenken, wie man mit umliegenden Hospizgruppen kooperieren könne. Mit Meßkirch wurden bereits erste Gespräche geführt. Finanziell ist der Verein gut aufgestellt, wie aus dem Kassenbericht von Ulrike Mewes hervorging.

Warum nimmt man den Hospizdienst auf sich? Margret Hübschle hat viele Jahre in der Pflege gearbeitet und festgestellt, dass man da zu wenig Zeit für die Menschen habe. Eine Bekannte machte sie auf die Hospizgruppe aufmerksam. Jetzt ist sie fünf Jahre mit Freude dabei und hat rund 25 Begleitungen gemacht. "Dieser Dienst gibt Erfüllung und Zufriedenheit", sagt sie. Wenn es sich bei dem Strebenden um einen gläubigen Menschen handelt, betet sie auch mit ihm. Das macht auch Rosemarie Hügle, die seit 2002 dabei ist. Sie ist durch eine Situation in der eigenen Familie auf die Hospizgruppe aufmerksam geworden und hat in den vergangenen Jahren viele Begleitungen gemacht. Oft sei es so, dass Heimbewohner in der Nacht einschlafen und man erst beim nächsten Besuch damit konfrontiert werde. "Wenn der Rollstuhl vor der Tür steht, dann macht das auch immer traurig." Gerda Walter ist zehn Jahre dabei und hat festgestellt, dass bei einer Sterbebegleitung ein ganz besonderer Kontakt entstehe. Der löse sich dann erst bei der Trauerfeier.