Vorbei die Zeiten, als der Bauer "im Märzen" mit dem "Rösslein" aufs Feld gezogen ist. Vorbei die Zeiten, als der Sämann über die Äcker ging und auch mit ländlicher Idylle hat die heutige Landwirtschaft nur noch sehr wenig zu tun. Das konnte man auch bei der Sortendemonstration auf dem Versuchsfeld der ZG Raiffeisenniederlassung bei Krähenried feststellen.

Hier ging es um Fallzahlen, um Eiweißgehalt, um Wuchshöhe, erforderliche Düngemittelgaben, um den Einsatz von Pestiziden (Schädlingsbekämpfungsmittel), Fungiziden (Mittel gegen Pilzbefall) und Herbiziden (Unkrautbekämpfungsmittel), um die Preisentwicklung und auch UM die Frage, ob das Image der Landwirte der Realität entspricht. Über 200 Landwirte aus den Regionen um Pfullendorf, Neufrach, Stockach, Radolfzell und Meßkirch trafen sich, um Neues zu erfahren, aber auch, um den Meinungsaustausch zu pflegen. Zusätzlich gab es Produktpräsentationen und einen Vortrag zu einem Thema, das den Landwirten unter den Nägeln brennt: "Die neuen Agrarexperten, Meinungsmache in den Medien." Hierzu hatte man Ariane Amstutz, die Pressesprecherin des Landesbauernverbands, eingeladen.

Zu Beginn war ein Fußmarsch angesagt. Auf den Äckern von Landwirt Christoph Teuber steht der Winterweizen schon sehr gut da. Und auch der Dinkel ist in die Höhe geschossen. Doch was ist der Unterschied zwischen den vielen Sorten? Für welche Böden sind sie geeignet und was für Spritzmittel muss man verwenden? Swen Nicola und Thomas Schmitt hatten hierzu viele Informationen vorbereitet. Schon schnell kamen die Gespräche in Gang und die Praktiker von den Höfen brachten auch ihre Erfahrungen mit den Sorten ein. Für manchen neu war die Möglichkeit, Wildschweinen den Aufenthalt im Weizenfeld zu vermiesen, indem man eine besondere Sorte anbaut, die Grannen hat, ähnlich dem Roggen. Den Schwarzkitteln passt diese Sorte nicht, weil sie beim Fressen in ihren Rüsseln piekt. Die Körner unterscheiden sich nicht vom normalen Weizen.

Immer wieder ein Thema ist auch der Dinkelanbau. Die Berater von ZG Raiffeisen ermunterten die Landwirte, doch mehr auf das "Schwabenkorn" zu setzen. Die Nachfrage steige ständig, weil die Verbraucher immer mehr zu Dinkelbrot greifen. Derzeit könne man bis zu drei Euro mehr als beim Weizen für den Doppelzentner erlösen. Und die Zeiten, als der Ernteertrag beim Dinkel deutlich geringer war, sind längst vorbei. Dafür sorgten neue Züchtungen, die auch auf Böden wachsen, wo der Dinkelanbau noch vor einigen Jahren keinen Sinn gemacht hat.

Für absolut sinnvoll hält Pressesprecherin Ariane Amstutz vom Landesbauernverband das Engagement von Landwirten in den sozialen Netzwerken. Öffentlichkeitsarbeit auf allen Ebenen sei sowohl für die Bauern als auch ihre Verbände wichtig. Anstutz wandte sich gegen die bei Landwirten oft verbreitete Medienschelte. "Töte nicht den Boten", sei eine alte Regel, die sich auch in der aktuellen Situation bewahrheite. Derzeit seien die Bauern an allem schuld, wenn etwas schieflaufe und das gelte besonders beim Naturschutz. Doch da müsse man Aussagen, die in den Medien verbreitet werden, oft genau hinterfragen. Eine Falschmeldung sei schnell unter den Leuten, die Berichtigung nehme dann aber kaum noch jemand wahr. Amstutz, die aus Mengen stammt, aber erstmals beruflich "im badischen Gebiet" unterwegs war, untermauerte ihre Thesen mit aktuellen Beispielen und scheute sich nicht, große Naturschutz- und Tierschutzverbände zu kritisieren. Das Problem sei, dass diese Nichtregierungsorganisationen enorm gut vernetzt und finanziell oft sehr gut aufgestellt seien. "Sie können sicher sein, dass wenn wir nicht überleben, diese Organisationen es tun", gab sie zu bedenken.

"Getreide ist damit ein ganz wichtiger Baustein für das Einkommen der Betriebe"

Peter Westhauser, Regionalleiter der ZG Raiffeisen, im Interview.

Herr Westhauser, welchen Stellenwert hat die Getreideproduktion in der Region?

Getreide wird auf mehr als der Hälfte unserer Nutzflächen angebaut. Unsere Böden, unser Klima und die fachliche Qualifikation der Landwirte ermöglichen gute Erträge mit erstklassigen Qualitäten. Getreide ist damit ein ganz wichtiger Baustein für das Einkommen der Betriebe. Neben dem Eigenverbrauch im Stall wird es für den Konsum als Mehl oder Braumalz verwendet.

Wird auch exportiert? Wie sieht die Preisentwicklung aus?

Braugerste und Raps wird überwiegend im Inland verwertet. Ganz anders ist es bei Weizen, Körnermais und Wintergerste. Hier exportieren wir einen Großteil in die Schweiz und nach Vorarlberg. Diese Länder haben zu wenige Ackerflächen und können ihren eigenen Bedarf nicht selber decken. Die Nähe zur Grenze ist für uns ein Vorteil. Aus heutiger Sicht rechnen wir mit Erntepreisen, die etwas höher liegen als im Vorjahr.

Warum ist die ZG selbst in der Saatgutvermehrung aktiv und wie funktioniert das?

Saatgut ist die Grundlage der Getreideproduktion. Neben den qualitativen Eigenschaften kommt es uns darauf an, dass das Saatgut nicht gentechnisch verändert wurde. Dies gilt auch für Saatmais und Saatraps. Ausgewählte Betriebe vermehren Basissaatgut, das wir von Zuchtunternehmen beziehen. Die Vermehrung unterliegt der staatlichen Kontrolle, die in der Anerkennung des Saatguts endet.