Pfullendorf – Wenn am Donnerstag, 27. April, auf der Piazza der Sparkasse um 19 Uhr eine Ausstellung eröffnet wird, dann ist das im Prinzip nicht außergewöhnlich. Ausstellungen gibt es dort immer wieder. Doch dieses Mal geht es um Matthä Hofmann, einen Maler aus Pfullendorf, von dem bestimmt schon sehr viele Menschen ein Werk gesehen haben, der aber trotzdem in der Vergangenheit zu versinken droht. Wenn da nicht Walter Rusch wäre, der sich "mit Mättä", wie er den 1929 verstorbene Künstler liebevoll nennt, in sein Herz geschlossen hat.

Rusch ist 72 Jahre alt und hat bereits vor 35 Jahren Werke von Hofmann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Damals ging es aber vor allem um Ortsansichten, die der Maler auf Leinwand gebannt hatte. Dieses Mal ist der Bogen wesentlich weiter gespannt. Rusch wird in einem kurzweiligen Vortrag auch über die Wanderschaft des Künstlers berichten. Eine Wanderschaft quer durch Süddeutschland, die mit Malereien und Zeichnungen bestens dokumentiert ist. Dazu werden Werke auf einer Leinwand sichtbar sein. Außerdem erzählt Rusch über Auszüge aus dem Tagebuch von Matthäus Hofmann, das vom harten und entbehrungsreichen Leben zu Beginn des 19. Jahrhunderts berichtet. Er entführt in die Wanderschaft und die Werke von Hofmann.

Für Walter Rusch sind dessen Werke auch ein Teil der Heimat, die er selbst für viele Jahre verlassen hatte. "Es gibt gewisse Parallelen zwischen Matthä Hofmann und mir", sagt der Pfullendorfer schmunzelnd, der erst seit einigen Monaten wieder in seiner Heimatstadt ansässig ist. Auch Hofmann habe abseits der Heimat eine ganze Menge erlebt. Wobei der Künstler, im Gegensatz zu Rusch, nur in Deutschland unterwegs war. "Ich habe mich in Japan herumgetrieben", sagt Rusch, der auch vier Jahre mit der Handelsmarine in der ganzen Welt unterwegs war. Viel Zeit hat er in Indien und auf Sri Lanka verbracht. Die Anregung, sich mit Hofmann zu beschäftigen, kam ihm vor vielen Jahren im Rathaus in Pfullendorf. "Die Änderungen, die dort gemacht worden waren, die empfand ich als so gravierend, dass ich wissen wollte, was dahintersteckt", erzählt er. In der Amtszeit von Bürgermeister Hans Ruck habe man Ornamente von Matthä Hofmann übermalt, die sonst im Gang zu sehen gewesen waren.

Für die Ausstellungseröffnung hat Rusch einige Urenkel des Künstlers aufgetrieben, die auch kommen werden. "Die waren mir auch sehr behilflich", freut sich Rusch. Exponate hat er von der Stadt, vom Heimatverein und von einem Sammler, der über 30 Bilder zur Verfügung gestellt hat. Da gibt es auch viele alte Ansichten von Pfullendorf aus einer ehemals "guten alten Zeit", wie sie nach festgehaltener Meinung Hofmanns um die Jahrhundertwende geherrscht hat. Rusch sieht auch seine selbst gestellte Aufgabe darin, das Leben und Schaffen des Künstlers der Öffentlichkeit durch den Vortrag und die Ausstellung nahezubringen. Und für ihn ist klar: "Diese Werke müssen der Nachwelt erhalten bleiben." Über den künstlerischen Wert könne man sich durchaus streiten, es stehe jedoch fest, dass sie von jedermann begriffen und verstanden werden und einen historischen Wert darstellen, meint der Initiator der Ausstellung, die noch bis zum 12. Mai in der Sparkasse zu sehen sein wird.

Dies und nichts anderes habe Hofmann mit seinen Bildern erreichen wollen. Schon allein die Tatsache, dass er in den 1920er Jahren im Auftrag der Stadt Pfullendorf 52 Ansichten historischer Gebäude im Bild festhielt, erhärte diese Ansicht. Leider sind diese Zeichnungen während der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg spurlos verschwunden. Rusch will mit dieser Ausstellung aber auch der abstrakten Kunstform etwas Konkretes und Reales entgegensetzen. Im Anschluss an die Eröffnung lädt die Sparkasse zu einem Imbiss ein.

Eine telefonische Anmeldung zur Ausstellungseröffnung unter 0 75 52/26 31 01 oder per E-Mail an helga.reiter@sparkasse-pm.de ist nicht zwingend erforderlich, erleichtert aber die Vorbereitung.

Zur Person

MatthäHofmann wurde 1866 in Pfullendorf geboren. Er ging nach seiner Malerlehre im Alter von 19 Jahren "auf die Walz". Sein Fußweg führte ihn von Pfullendorf über Mühlhausen/Elsass, Würzburg, Leipzig nach Dresden. Dort wollte er vermutlich an einer der damals bekanntesten Kunstakademien unterkommen, was dann wahrscheinlich an der leidigen Kostenfrage gescheitert sein dürfte. In Neumarkt/Oberpfalz noch Zeichnungen hinterlassend, verliert sich sein Weg, bis plötzlich in der Schweiz und in Oberitalien Skizzen Hofmanns auftauchen, die er neben seiner lebensnotwendigen Maler- und Anstreichertätigkeit anfertigte. Nach einer damals sicherlich beschwerlichen Wanderung kehrte Hofmann nach Pfullendorf zurück und eröffnete 1891 ein Malergeschäft, in welchem er acht Gesellen beschäftigte.

Seine unermüdliche Schaffenskraft drückt sich wohl am besten darin aus, dass er trotz seines fortschreitenden Lungenleidens zwischen 1918 und seinem Todesjahr 1929 nachweisbar 605 Ölbilder schuf.