Der letzte Funken Hoffnung erlosch am Donnerstagabend: Die Veranstalter des Reggae-Festivals "Keep it real" müssen sich einen neuen Ort dafür suchen. Im Pfullendorfer Seepark wird es keinen Platz mehr dafür geben. Das hatte Bürgermeister Thomas Kugler im Rahmen der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats sehr deutlich gemacht. Die überwältigende Mehrheit des Gemeinderats stärkte ihm in dieser Haltung den Rücken. Die Fraktion der Unabhängigen Liste (UL) scheiterte mit ihrem Versuch, einen letzten Rettungsring für das Festival auszuwerfen. Rund 20 Zuhörerinnen und Zuhörer waren in den Ratssaal gekommen, um die Debatte über das Festival mitzuverfolgen.

Selbstkritisch blickte Kugler auf die wenige Tage nach dem Festival gefällte Entscheidung zurück, eine Neuauflage im Jahr 2019 nicht mehr zuzulassen. "Die Kommunikation lief sicher nicht optimal." Im Rückblick sei die Begründung nicht detailliert genug gewesen. So fehlte beispielsweise der Hinweis, dass es bereits in der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem Festival Probleme wegen Drogen gegeben habe. Die Faktenlage in diesem Jahr habe dazu gezwungen, für 2019 eine Absage zu erteilen. Die zahlreichen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, die die Polizei feststellte, belegten, wie Kugler sagte, dass die mit den Veranstaltern vereinbarten Regeln nicht eingehalten worden seien. Als Beispiel nannte er, dass sich die Veranstalter verpflichtet hätten, dass der eingesetzte Sicherheitsdienst auch solche Verstöße meldet. Nach Kuglers Angaben habe es keine einzige solche Meldung durch den Veranstalter gegeben. "Ich fühle mich verschaukelt", sagte der Bürgermeister. Und fügte später hinzu: "Das Tischtuch ist zerschnitten."

Aus seiner Sicht ist ein nochmaliges Gespräch mit den Veranstaltern völlig zwecklos. Michael Zoller hatte namens der UL ein solches gefordert. Gemeinsam mit Experten beispielsweise der Polizei sollten die Vorwürfe nochmals erörtert werden. Dabei könnte möglicherweise ein zukunftsfähiges Gesamtkonzept erarbeitet werden, so Zoller. In scharfer Form reagierte Thomas Jacob, Fraktionssprecher der Freien Wähler, auf die Initiative der UL. Indirekt warf er der UL vor, das diese Drogenprobleme als Kavaliersdelikte ansehe. Die Entscheidung der Verwaltung sei nachvollziehbar, sagte Jacob, der Bürgermeister Kugler den Rücken stärkte. An Zoller gewandt, warf er diesem Populismus vor. Die UL schiele mit dieser Initiative schon auf die Kommunalwahlen im kommenden Jahr. Auch Roswitha Hoffmann stützte namens der CDU die ablehnende Haltung der Verwaltung. Sie habe das Festival besucht und es sei ihr aufgefallen, wie einfach es dort nach ihren Beobachtungen gewesen sei, an ein "Tütchen" zu kommen. Sie sagte, der Geruch von Hasch sei deutlich zu riechen gewesen. Polizisten, die vor Ort waren, haben offensichtlich ähnliche Erfahrungen gemacht, wie der Bürgermeister sagte. Marihuana-Geruch sei deutlich feststellbar gewesen. Die CDU-Gemeinderätin sagte außerdem, dass es in Pfullendorf schon genügend Drogenumschlagplätze gebe.

Eingangs der Sitzung hatte sich eine kleine Delegation nochmals für die Veranstalter und damit für ein "Keep it real"-Festival in Pfullendorf stark gemacht. Ein Sprecher verwies auf eine Online-Petition, die bisher von 1081 Petenten unterzeichnet worden sei. Und Bürgermeister Kugler berichtete, dass im Rathaus eine Liste mit Unterschriften von 207 Menschen eingegangen sei, die einen Erhalt des Festivals forderten. Bis Redaktionsschluss gelang es uns nicht, eine Stellungnahme der Veranstalter des Festivals zum definitiven Aus in Pfullendorf und zu den in der Sitzung des Gemeinderats erhobenen Vorwürfen zu erhalten.

 

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