Was bleibt von einem solchen Abend mit der AfD in Pfullendorf? Die hasserfüllten Gesichter der Chemnitzer Rechtsradikalen im Auge, die holocaustleugnenden Worte einer KZ-Besuchergruppe der AfD im Ohr und die Nazi-Gräuel im Gedächtnis? Der Beobachter erlebte eine ruhige, fast sachliche Diskussion, was auch der eher technokratischen Vortragsweise des Landtagsabgeordneten Berg geschuldet war. Trotz der Ankündigung, dass sich das AfD-Programm nicht auf Flüchtlinge und Sicherheit beschränkt, kreiste die Debatte auch an diesem Abend fast ausschließlich um diese Themen. Die Ist-Zustandsbeschreibung kann jeder vernunftbegabte Bürger auf offiziell zugänglichen Quellen nachlesen. Personalmangel bei der Polizei, Kinder- und Rentnerarmut wurden schon vor einem Jahrzehnt thematisiert und prognostiziert.

Einzig die AfD stellt zwischen jedem Thema dieses Landes einen Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage her. Man fühlt sich an den römischen Staatsmann Cato erinnert, der im zweiten Jahrhundert jede Rede mit dem Spruch "Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss“ beendete und diese Parole seinen Zuhörern solange einhämmerte, bis die Römer tatsächlich in den Krieg zogen. Was würde passieren, wenn über Nacht eine Million Flüchtlinge verschwinden würde? Dann wären alle anderen Problem immer noch da, und für deren Lösung hat diese Gruppierung keinen Plan. Perfide sind die Pauschalargumente von AfD-Mitgliedern, die sich im Besitz der Wahrheit glauben, und diese mit fragwürdigem Zahlenmaterial unterfüttern.

Sie berufen sich auf einen Volkswillen, wobei niemand weiß, wie und warum ausgerechnet Figuren à la A. Gauland oder A. Weidel diesen Willen erkennen. Geschürt werden Ängste, Fremdenfeindlichkeit und Zweifel am Rechtsstaat und Demokratie. Die Veranstaltung in Pfullendorf zeigte bei Funktionären wie Publikum das eher bürgerlich-kritische Gesicht der AfD, die manche Defizite in diesem Land offener als andere Parteien benennt. Klar ist, die AfD steht in Bälde am Scheideweg. Radikalisiert sich die Bewegung weiter, und mutiert unter dem Einfluss von völkischen Einpeitschern wie Bernd Höcke zur rechtsradikalen Partei oder obsiegen die gemäßigten, reformistischen Mitglieder, die den demokratischen Staat reformieren aber nicht zerstören wollen?

Die Geschichte lehrt, dass bei solchen Kämpfen stets die Radikalen die Oberhand behielten. Sei es im Kommunismus, wo Lenin in Rußland mit seinen Bolschewiken die so genannten Menschewiki bezwang oder zwei Jahrzehnte später, als Adolf Hitler in der NSDAP den Machtkampf gegen den als gemäßigt geltenden Gegenspieler Gregor Strasser gewann. Und diese radikalisierte AfD stellt unsere Demokratie in Frage, und damit letztlich alle Menschen, die sich für diese Staatsform einsetzen. Dieser Kampf geht uns deshalb alle an.

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