In einer gemeinsamen Veranstaltung von Landkreis und Kreiskulturforum sind in der Steinscheuer zwei bemerkenswerte Bücher vorgestellt worden. Neben der Anthologie zum Ersten Weltkrieg, die interessanten Lesestoff über Familienerinnerungen aus dem großen Krieg bietet, tritt ein neuer Museumsführer den Weg in die Öffentlichkeit an. "Mit ihrem breiten Spektrum höchst unterschiedlicher Sammlungen leisten die Museen einen wichtigen Beitrag für die Bewahrung, Präsentation und Vermittlung des historischen, kulturellen und naturkundlichen Erbes der Region", begründete Landrätin Stefanie Bürkle diesen Schritt.

Doris Astrid Muth vom Stabsbereich Kultur und Archiv im Landratsamt, selbst für die Konzeption und Redaktion dieses Werkes verantwortlich, lieferte in ihrem engagierten Vortrag zunächst einen historischen Abriss der Museumsgeschichte an sich. Das Museum war schon in der hellenischen Antike ein Begriff. Die Museen im heutigen Sinne zeigten häufig die Wunder- und Kunstkammern des Adels oder der kirchlichen Würdenträger, wie die Einblicke in die Kunstgeschichte gewährende, 1558 erbaute Wiener Hofburg. Im deutschsprachigem Raum vergrößerte sich die Museumslandschaft erst im 19./20. Jahrhundert. Und die ersten Freilichtmuseen entstanden.

Der aktuelle Museumsführer ist im Eigenverlag des Landkreises erschienen. "Es sind Zeugnisse einer vielgesichtigen Museumslandschaft, ein echter Schatz und ein unverzichtbarer Teil im Landkreis Sigmaringen", warb Doris Astrid Muth dafür. Und sie präzisierte, dass diese Sammlungen zur Bildenden Kunst, zur Heimat- und Regionalgeschichte, zur Volkskunde, Archäologie, zu Natur und Technik oder der ortstypischen Fasnet viele Spezialgebiete abdecken.

Muth ist sich mit der Landrätin und dem Kreisarchivar Ernst Edwin Weber vollkommen einig: Neben den größeren professionell geführten Einrichtungen seien es gerade die vielen kleineren, oftmals aus Privatinitiative hervorgegangenen und ehrenamtlich betreuten Häuser, denen der Kreis seine museale Vielfalt und Buntheit zu verdanken hat. Anhand einer Powerpointpräsentation stellte Doris Astrid Muth dem Auditorium die regional bedeutendsten Ausstellungsstätten im Detail vor. So beispielsweise das Fürstliche Hohenzollerische Museum in Sigmaringen, die Galerie Fähre in Bad Saulgau oder die sich auf zwei Etagen verteilende Kreisgalerie im Schloss Meßkirch. Anspruchsvolles hätten eben auch privat betriebene Galerien wie das Atelier Laubbach im Dorf bei Ostrach zu bieten. Die Stadt Pfullendorf wird dreifach in diesem Museumsband gewürdigt: Mit der Städtischen Galerie "Alter Löwen", dem Heimat- und Handwerkermuseum "Bindhaus" und dem "Alten Haus", 1317 erbaut, in dem das stadtgeschichtliche Museum untergebracht ist.

Wie allerorten, werden in der ehemaligen Reichsstadt regelmäßige Führungen angeboten. Im "Alten Haus" treffen wir den Historiker Peter Schramm. Er ist ein profunder Kenner der Pfullendorfer Stadtgeschichte wie kein anderer. Inhaltsstark hat er diese in einem kleinen Büchlein selbst beschrieben. Augenblicklich zeigt er einigen Museumsbesuchern das Modell des Burgturms des Grafen Rudolf. Der Turm stand im Jahre 1155 gegenüber der heutigen Sankt-Jakobus-Kirche. Im Schatten dieser Burg liegt die Marktsiedlung, die bereits 300 Jahre zuvor in der heutigen Vorstadt ins Leben gerufen worden war. Schramm deutet in der Vitrine auf eine Münze des Grafen Rudolf – sie ist von absolutem Seltenheitswert und dürfte zwischen 1170 und 1180 geprägt worden sein.
 

Neu aufgelegte Bücher

Museen, Galerien und Ausstelungsorte im Landkreis Sigmaringen heißt der neue Museumsführer. Herausgegeben vom Kreis und dem dazugehörigen Kulturforum. Auf 110 Seiten werden die Stätten vorgestellt, Infokästen nennen Kontaktadressen, Öffnungszeiten, Angebote und Eintrittspreise. Es kostet 10 Euro.

Familien aus dem Großen Krieg – Beiträge von fünf Autoren und einem Maler setzenm sich auf 160 Seiten literarisch und bildnerisch mit den Erinnerungen in ihren Familien an den errsten Weltkrieg auseinander. Herausgeber ist Ernst Edwin Weber. Das Buch kostet 11,90 Euro.