Nicht, wer wird Millionär à la Günter Jauch, sondern Wer ist Millionär heißt es derzeit in Pfullendorf und Umgebung. Wer ist der Glückspilz, der bei Lotto am Samstag ne runde Million Euro gewonnen hat, steuerfrei versteht sich? Mal schauen, vor wessen Haus bald ein rosaroter Porsche steht oder wer seinem Chef oder seiner Chefin die Meinung geigt und dann kündigt? Aufmerksam werden ab jetzt die kleinsten Veränderungen im zwischenmenschlichen Miteinander registriert. Der ewige Geizkragen zeigt sich als spendabler Gönner und der ewige Schlappipulloverträger ist nur noch im edlen Zwirn unterwegs? Wenn da mal nicht die Lottomillion dahintersteckt.

In der Verwandtschaft werden Kontakte mit fadenscheinigen Argumenten abgebrochen und sobald das Wort Million in einer Diskussion fällt, verfällt der Gegenüber in Schockstarre? Da hat wohl jemand Bedenken, dass er teilen muss. In der Not gehen bekanntlich 1000 Freunde auf ein Lot und bei einem Lottogewinn mindestens 10 000 Freunde hindurch. Ach, was würde man(n) so viel Gutes tun, wenn man(n) die tausend 1000-Euro-Scheine in Händen halten würde? Die Armut der Welt beseitigen, den besten Freunden ihre größten Wünsche erfüllen und noch vieles mehr.

Und die restlichen 990 000 Euro für die Gestaltung des eigenen Lebensabends verwenden. Naja. 65 bis 92 Euro würde man noch spenden, um einen gescheiten Weihnachtsbaum auf den Stadtgartenkreisel zu stellen. Das aktuelle Exemplar ist ein „Rabenhocker“, wie der Schwabe solche Bäume mit asymmetrischen Zweigen und kahlen Stellen bezeichnet. In dem Baum könnten sogar Adler brüten, so viel Platz ist zwischen den Ästen. Das Ungemach zeigt sich vornehmlich in beleuchtetem Zustand. Wenn also in Bälde ein neues Bäumchen auf dem Kreisel steht, dessen Äste mit Geldscheinen geschmückt sind, hat auch der Pfullendorfer Millionär seinen SÜDKURIER gelesen.