Den Tipp, diesen Garten zu besuchen, erhielten wir von einer Nachbarin. "Die Hortensie im Vorgarten ist spektakulär", sagte sie am Telefon. Wie recht sie hat! Die Gartenbesitzer haben da ein wahres Prachtexemplar einer Ballhortensie. Die Sorte Annabelle blüht lange und zieht bewundernde Blicke auf sich. Die weißen Blütenkugeln sind locker so groß wie Handbälle. "Die Hortensie dürfte 20 Jahre alt sein", sagt Gerlinde Hilmer.

Schmetterlinge fliegen auf die violetten Blüten der Prachtscharte.
Schmetterlinge fliegen auf die violetten Blüten der Prachtscharte. | Bild: Kirsten Johanson

Adolf und Gerlinde Hilmer wohnen in der Plazidus-Ott-Straße. "Hier befand sich früher eine Lehmgrube. Die Ziegelei Ott hat hier solange abgebaut, bis sie auf Sandstein gestoßen ist und die Lehmgrube dann aufgab." Das Ehepaar kaufte sich dort vor 50 Jahren einen Bauplatz. "Das Grundstück ist rund 1300 Quadratmeter groß, davon entfallen wohl zwei Drittel auf den Garten." Die Hangkante hinter dem Haus besteht aus einem Wäldchen mit altem Baumbestand. Einige Tannen dürften um die 25 Meter hoch sein. "Ich habe sie als kleine Setzlinge eingepflanzt", erinnert sich Gerlinde Hilmer. Wenn sie nicht gerade im Garten werkelt, sitzt sie am liebsten auf der Terrasse und genießt den beruhigenden Anblick. Hier wirkt der Garten wie ein Park: der sattgrüne, englische Rasen endet, dahinter erheben sich vor einer Wand aus Grün mehrere Lebensbäume. "Es war eine gute Entscheidung, Thuja Smaragd anzupflanzen. Sie hat einen schönen Wuchs, sie ist anspruchslos und pflegeleicht. Man muss sie nicht schneiden", erzählt der 77-jährige Rentner. "Mittelmeerzypressen wären auch sehr schön, doch die überleben unseren Winter nicht."

Am Hauseingang wachsen Efeu, Dachwurz, Petunien und Farn.
Am Hauseingang wachsen Efeu, Dachwurz, Petunien und Farn. | Bild: Kirsten Johanson

Während seine Frau eher für das Pflanzen und die Pflege der Blumen zuständig ist, fallen der Rasen und der Gemüseanbau in Adolf Hilmers Aufgabenbereich. Der Rasen ist ein dichter Teppich. Löwenzahn, Spitzwegerich, Rotklee und sonstige Unkräuter werden regelmäßig von Hand herausgestochen. "Man darf nicht abwarten, bis das Unkraut blüht, sonst bekommt man es nicht mehr in den Griff", sagt Adolf Hilmer. Außerdem wird der Rasen im Frühjahr, Sommer und Herbst gedüngt. Der Rasenschnitt kommt nur dann auf den Kompost, wenn sich keine Unkrautsamen darin befinden.

Der Nutzgarten liefert fast das ganze Jahr über frisches Gemüse. "Wir sind Selbstversorger", sagt Gerlinde Hilmer. Nicht nur im Freiland gedeihen Gurken, Tomaten, Salat, Zwiebel, Lauch, Buschbohnen, Mangold, Sellerie, Möhren, Blumenkohl und Co., auch zwei Gewächshäuser werden im Wechsel bepflanzt. Pestizide und Kunstdünger kommen den beiden Hobbygärtnern nicht in die Tüte. Bei den Hilmers kommt verdünnte Brennnessel-Jauche und reifer Kompost auf die Beete. "Wir geben nur Obst- und Gemüseabfälle, Kaffee, Eierschalen, Rasenschnitt und die Holzasche der Pelletheizung auf den Kompost. Keine Zitronen- oder Bananenschalen und niemals Speisereste, das lockt nur Ratten an."

Die Tomaten im Gewächshaus werden reif.
Die Tomaten im Gewächshaus werden reif. | Bild: Kirsten Johanson

Der Garten hat zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten. Die Saison beginnt mit Christrosen und Zwiebelblühern. Im Frühling blühen Pfingstrosen und Storchenschnabel. Kommt der Sommer, bricht die Zeit der Rosen an, schön kombiniert mit Taglilien und Phlox, Tagetes, Frauenmantel, Glockenblumen und gelber Schafgarbe. Bald kommen die Fetthennen, Herbstanemonen und Herbstastern. Während die Tannen hinter dem Haus im Laufe der Jahre eine stattliche Höhe erreicht haben, wachsen andere Pflanzen ungleich langsamer. So etwa die Azaleen oder der Japanische Ahorn. Die dekorative Zierpflanze punktet mit dunkelroten Blättern und geschlitztem Laub.

Die Ballhortensie im Vorgarten blüht jedes Jahr noch üppiger.
Die Ballhortensie im Vorgarten blüht jedes Jahr noch üppiger. | Bild: Kirsten Johanson

Auch der Vorgarten befindet sich in Hanglage. Es ist eine Herausforderung, ihn zu bepflanzen und zu pflegen. Die großen Steine am Rosenbeet stammen aus Mellau im Bregenzerwald. Vor dem Haus wachsen viele Bodendecker, Lavendel, diverse Sedum-Arten, Enzian und Prachtscharte. Außerdem fallen die Balkonkästen mit üppig blühenden Petunien in weiß und violett auf – und natürlich die hohe Palme. Eine Palme im Linzgau? Nun, sie ist 1993 in der Kunstschmiede von Peter Klink entstanden und nicht echt, sondern aus Edelrost-Stahl.

Die Arbeit geht nicht aus, doch die Eheleute beklagen sich nicht. Bis Ende Juli steht die Herbstbepflanzung auf dem Programm, damit im Winter Feldsalat und Zuckerhut geerntet werden kann. Und Gerlinde Hilmer wird hunderte von Krokus-, Tulpen- und Narzissenzwiebeln in der Erde versenken, auf dass es im kommenden Frühling wieder wunderbar blüht.

Das ist der Lieblingsblick von Gerlinde Hilmer. Die Thuja Smaragd machen eine elegante Figur.
Das ist der Lieblingsblick von Gerlinde Hilmer. Die Thuja Smaragd machen eine elegante Figur. | Bild: Kirsten Johanson

 

Gartensteckbrief:

Gerlinde Hilmers Gartensteckbrief:

  1. -Meine Lieblingsblume: "Ich liebe Rosen und nach dem langen Winter die Frühlingsblüher, egal ob Schneeglöckchen, Primeln oder Narzissen, ich mag sie alle.
  2. -Rasenpflege: "Mit dem Rasensprengen nicht warten, bis der Rasen dürr ist, dann ist es zu spät. Bei ausbleibendem Regen wässere ich regelmäßig, und zwar zeitig am Morgen für eine halbe Stunde."
  3. -Pro Naturdünger: "Eine Mischung aus zwei, drei Jahre altem Pferdemist mit Sägemehl und unsere Komposterde ergeben einen perfekten Dünger."