Waren Flohmärkte noch vor einigen Jahren eher eine Rarität in der Region, finden inzwischen an nahezu jedem Wochenende diese Märkte statt, die ursprünglich dafür gedacht waren, dass Privatleute für andere Privatleute gebrauchte Gegenstände anbieten.

Seit vielen Jahren ist der Flohmarkt in Pfullendorf ein Anziehungspunkt.
Seit vielen Jahren ist der Flohmarkt in Pfullendorf ein Anziehungspunkt. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Seinen Namen verdankt der Flohmarkt spätmittelalterlichen Kleidergaben der Fürsten. Einmal dem Volk überlassen, wurde mit diesen Kleidungsstücken gehandelt. Dabei wechselte auch der eine oder andere Floh den Wirt. Heutzutage ist das Angebot deutlich größer und Ungeziefer dürfte es wohl nur selten geben. Dafür gibt es aber Waren, die nicht verkauft werden dürfen. Darunter fallen Dinge wie Elfenbein und natürlich auch Gegenstände mit Nazi-Symbolen.

"Für mich ist Flohmarkt ein Hobby, das sehr unterhaltsam ist. Ich gehe so drei Mal im Jahr und nehme dann Sachen aus meinem eigene Haushalt mit, oder Dinge, die ich von Kollegen bekommen haben." Christine Merk, Bad Saulgau
"Für mich ist Flohmarkt ein Hobby, das sehr unterhaltsam ist. Ich gehe so drei Mal im Jahr und nehme dann Sachen aus meinem eigene Haushalt mit, oder Dinge, die ich von Kollegen bekommen haben." Christine Merk, Bad Saulgau | Bild: Fahlbusch, Karlheinz (Extern)

„Ich habe schon selbst erlebt, wie zwei Kunden bei einem Händler nach dem Material eines Armreifs gefragt haben“, erfährt der SÜDKURIER beim Hallenflohmarkt in Illmensee. Der Verkäufer habe dann geantwortet, dass es sich „natürlich um Elfenbein handelt“. Die beiden Herren zogen darauf ihre Dienstmarken aus der Jackentasche.

Sie waren vom Zoll. Dinge, die nicht gehandelt werden dürfen, die wecken das Interesse der Behörde, die auf Flohmärkten auch nach illegal importierten Zigaretten sucht. Und auch immer mal fündig wird, wie das Hauptzollamt Ulm auf Anfrage des SÜDKURIER erklärt.

"Ich gehe schon seit 45 Jahren immer mal wieder auf einen Flohmarkt. Mein Interesse gilt dem Edeltrödel. Man trifft hier viele Leute und manche haben auch wirklich Ahnung. Da kann man noch eine Menge lernen." Karl Schöllhorn, Tettnang
"Ich gehe schon seit 45 Jahren immer mal wieder auf einen Flohmarkt. Mein Interesse gilt dem Edeltrödel. Man trifft hier viele Leute und manche haben auch wirklich Ahnung. Da kann man noch eine Menge lernen." Karl Schöllhorn, Tettnang | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Denn klar ist: Ein Flohmarkt ist kein rechtsfreier Raum, weil da Privatpersonen ihrem Verkäufer-Hobby nachgehen. Hier gilt übrigens auch das Vertragsrecht, wie man von der Verbraucherzentrale in Stuttgart erfahren kann. Auch der Handel auf dem Flohmarkt ist ein rechtsgültiger Vertrag mit den entsprechenden Pflichten für Käufer und Verkäufer.

"Ich finde, dass Flohmarkt eine lustige Sache ist. So als Hobby-Händler macht das richtig Spaß. Mir geht es nicht um den Gewinn. Ich habe sogar eine Kiste mit Artikeln, die ich verschenke. Wenn jemand was brauchen kann, dann freue ich mich." Jutta Kemmer, Ostrach
"Ich finde, dass Flohmarkt eine lustige Sache ist. So als Hobby-Händler macht das richtig Spaß. Mir geht es nicht um den Gewinn. Ich habe sogar eine Kiste mit Artikeln, die ich verschenke. Wenn jemand was brauchen kann, dann freue ich mich." Jutta Kemmer, Ostrach | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Die Mängelgewährleistung gilt in der Regel zwei Jahre lang. Dies bedeutet: Der Verkäufer muss grundsätzlich für Mängel aufkommen. Eine am Verkaufstisch als funktionstüchtig angepriesene Stereoanlage etwa, die nicht funktioniert, muss vom Verkäufer ersetzt oder repariert werden.

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"Gerichte gehen in der Regel davon aus, dass innerhalb der ersten sechs Monate der Verkäufer für den Schaden verantwortlich ist", heißt es seitens der Verbraucherzentrale. „Man darf den Leuten keinen Schrott andrehen“, sagt Gabi. Die 58-Jährige verkauft ab und zu auf dem Flohmarkt und weiß: „Man trifft sich immer mal wieder im Leben.“

"Für mich ist so ein Flohmarkt eine tolle Abwechslung. Ich verkaufe Dinge, die ich geschenkt bekomme und die zu schade sind, um sie wegzuwerfen. Mein verstorbener Mann war Jäger und Sammler, da habe ich viel aus dem eigenen Fundus." Veronika Heitzmann, Pfullendorf
"Für mich ist so ein Flohmarkt eine tolle Abwechslung. Ich verkaufe Dinge, die ich geschenkt bekomme und die zu schade sind, um sie wegzuwerfen. Mein verstorbener Mann war Jäger und Sammler, da habe ich viel aus dem eigenen Fundus." Veronika Heitzmann, Pfullendorf | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Wie viele Gesprächspartner in Illmensee geht sie schon seit einigen Jahren auf den Flohmarkt und sieht das als Zeitvertreib. „Große Gewinne kann man da nicht machen“, sagt sie. Dafür seien die Leute meistens nett und man könne interessante Gespräche führen.

"Ich gehe immer mal wieder gerne auf einen Flohmarkt. Eigentlich findet man immer was, was man brauchen kann oder lange gesucht hat. Und man trifft jede Menge nette Leute für unterhaltsame Gespräche." Annette Binder, Herbertingen
"Ich gehe immer mal wieder gerne auf einen Flohmarkt. Eigentlich findet man immer was, was man brauchen kann oder lange gesucht hat. Und man trifft jede Menge nette Leute für unterhaltsame Gespräche." Annette Binder, Herbertingen | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Den üblichen Satz, dass man so etwas auch zu Hause hätte, kontert Gabi mit der Aufforderung, doch selbst als Händler auf den Flohmarkt zu gehen. Doch das bedeutet, auch mal an einem Samstagmorgen um 5 Uhr aufstehen zu müssen. In Illmensee braucht man das nicht. Da reicht es, wenn man um 9 Uhr mit seinen Waren kommt.

Fiskus und Zollamt reden mit

  1. Finanzamt: Hobby-Händler auf dem Flohmarkt brauchen keine Angst vor dem Finanzamt zu haben. Das tritt nur auf den Plan, wenn Gewinne erzielt werden. Aber auch hier gibt es eine Ausnahme: Einnahmen aus Gegenständen des täglichen Gebrauchs werden nicht berücksichtigt, wenn es ihnen an einem Wertsteigerungspotenzial fehlt. „Meistens werden alte Gegenstände zu geringen Preisen verkauft, sodass nach Abzug der Kosten und Gebühren kein Gewinn verbleibt. Steuerlich gesehen entsteht somit kein Gewinn, sondern ein Verlust“, sagt Helmut Bosler, Leiter des Finanzamts in Sigmaringen.

    Ganz anders sieht die Sache aus, wenn Waren eingekauft werden, um sie auf dem Flohmarkt mit Gewinn weiterzuverkaufen oder mit Antiquitäten oder Raritäten gehandelt wird. Eine gewerbliche Tätigkeit liegt vor, wenn der Verkauf nachhaltig mit der Absicht zur Gewinnerzielung betrieben wird. Diese liegt insbesondere vor, wenn der Händler regelmäßig Flohmärkte besucht und bestrebt ist, einen Gewinn zu erzielen, indem er die Ware über dem Einkaufspreis veräußert.

    Bosler: „Dann muss bei der Gemeinde ein Gewerbe angemeldet werden und die Einnahmen müssen in der Steuererklärung erklärt werden.“ Für den normalen Hobbyhändler besteht auf dem Flohmarkt faktisch keine Steuerpflicht.
     
  2. Zoll: Flohmärkte werden im Rahmen der Steueraufsicht von Zollbeamten nur sporadisch und dann meist in Zivil kontrolliert, wie das Hauptzollamt Ulm auf Anfrage des SÜDKURIER mitteilt.

    Grundsätzlich zielen die Kontrollen der Flohmärkte auf das Verbringen hochsteuerbarer Waren (aus der EU oder aus Drittländern) ab. Dazu gehören Zigaretten, Tabak und Alkohol. Ergeben sich bei den Kontrollen Anhaltspunkte, dass sogenannte Verbote und Beschränkungen im Rahmen des Verbringens/Einführens verletzt wurden, trifft das Hauptzollamt in Abstimmung mit der Straf- und Bußgeldstelle oder mit dem Zollfahndungsamt erste unaufschiebbare Maßnahmen.

    Dann können unter Umständen die Waren sichergestellt, beschlagnahmt und auch Sicherheitsleistungen für eventuelle Strafen festgesetzt werden. Das trifft auch für Waren zu, dem Artenschutz unterliegen. Steuerhinterziehung nach Paragraf 370 Abgabenordnung kann mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe belegt werden.