Etwas Kreatives, Floristin vielleicht, oder eine Ausbildung zur Fotografin – eine klare Vorstellung davon, wie es nach dem Hauptschulabschluss weitergehen könnte, hatte Nina Manno nicht. Also entschied sie sich erst einmal für die Hauswirtschaftliche Schule, die sie ein Jahr besuchte. In den Sommerferien machte sie ein zweiwöchiges Praktikum im Malerbetrieb von Thomas Jacob in Pfullendorf, dem Betrieb, in auch ihr Vater arbeitet. „Mich hat die Vielseitigkeit des Berufs angesprochen und die Möglichkeit, etwas zu gestalten, eigene Ideen einzubringen und umzusetzen“, sagt die 19-Jährige. Dass sie trotzdem noch einige Bewerbungen geschrieben hat, hat einen einfachen Grund: „Die Frage war, ob es sinnvoll ist, dort zu lernen, wo der Vater arbeitet.“

Zweitbeste des Bezirks

Es hat funktioniert. Im vergangenen Jahr schloss Manno ihre Ausbildung als zweitbeste Absolventin im Kammerbezirk ab. Darauf ist sie stolz. „Die Eins vor dem Komma“ hatte sie sich als persönliches Ziel vorgenommen. Auf die Unterstützung des Betriebs und der Kollegen konnte sie sich verlassen. „Wichtig war, dass mir von Beginn an etwas zugetraut wurde. Ich konnte viel üben und schon früh kleine Aufträge selbständig übernehmen.“

Als Frau auf dem Bau

Frauen auf dem Bau sind immer noch die Ausnahme. Von den 20 Lehrlingen in der Berufsschulklasse waren zwei Frauen. „Man wird immer angeguckt“, berichtet Manno. Mit dem harschen Umgangston und abwertenden Kommentaren, wie dem eines Bauleiters, der meinte, Frauen seien nun auf dem Bau, weil sie nicht mehr kochen könnten, müsse man erst einmal zurechtkommen. Hinzu komme die körperliche Belastung, zum Beispiel beim Gerüstbau. Auch die Arbeit bei Wind und Wetter sei nicht zu unterschätzen.

Die Kunden reagierten überwiegend positiv, wenn sie es mit einer jungen Handwerkerin zu tun bekommen. Die meisten hätten eine hohe Achtung. Manche fragten sich allerdings, wie ein Mädchen, einen solchen harten Beruf lernen könne. Eine Einstellung, die Manno von der Schule her kennt. „Viele junge Leute finden Handwerksberufe interessant. Sie entscheiden sich anders, weil die Eltern andere Pläne haben, oder Lehrer sagen, du bist zu gut dafür.“ Es fehle häufig an der Wertschätzung einer gewerblichen Ausbildung, zumal für Bauberufe. „Man wird schon ein wenig herabgestuft“, findet Manno.

Worauf es ihr ankommt? „Wenn der Kunde die Arbeit schätzt und glücklich ist, bin ich zufrieden. Und ich kann am Abend selbst sehen, was ich gemacht habe.“ Besonders wichtig ist ihr die Beratung der Kunden, wenn es darum geht, aus mehreren Möglichkeiten die beste auszuwählen. Wenn dann auch noch besondere Techniken eingesetzt werden können, umso besser. Manno arbeitet gerne mit Lehmputz oder Metalloptiken und natürlich mit Farbe. „Es darf gerne mehr als die weiße Wand sein“, beschreibt die junge Frau ihre Vorlieben. Für Abwechslung sei meistens ohnehin gesorgt. „Jede Baustelle bringt andere Anforderungen.“

Manno will im Herbst mit der Meisterschule beginnen und im Anschluss gemeinsam mit ihrem Vater in die Selbständigkeit starten. An Selbstvertrauen mangelt es ihr nicht. „Wenn man daran glaubt, kann man es auch erreichen. Für mich war die Ausbildung eine richtig gute Entscheidung.“ Gut möglich, dass aus der Gründung mal ein echter Familienbetrieb wird, denn auch Mannos jüngere Schwester wird demnächst ein Praktikum in der Malerwerkstätte Thomas Jacob machen.

Tipps rund um Praktika und Bewerbung

<p><strong>Hier läuft was </strong>Azubis berichten in kurzen Videoclips von ihrem Weg in den Beruf und ihrem Ausbildungsalltag. Zu sehen gibt es die Filme auf der Internetseite der Handwerkskammer Reutlingen.</p><p>www.hwk-reutlingen.de/video 	<em>Bild: HWK</em></p><p></p>

Hier läuft was Azubis berichten in kurzen Videoclips von ihrem Weg in den Beruf und ihrem Ausbildungsalltag. Zu sehen gibt es die Filme auf der Internetseite der Handwerkskammer Reutlingen.

www.hwk-reutlingen.de/video Bild: HWK

Sigmaringen – Vom Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bis zum Zimmerer – im Handwerk gibt es mehr als 130 Ausbildungsberufe. Viele Schüler tun sich schwer, den richtigen für sich zu wählen. Michael Wittich, Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer Reutlingen, verrät, wie sich Schulabgänger den Überblick verschaffen können.

Warum fällt Jugendlichen die Orientierung so schwer?

Wittich: Die Mädchen und Jungen nehmen nur selten die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten wahr. Es fehlt also an Informationen über das Angebot. Zum andern weiß nicht jeder, der sich um einen Ausbildungsplatz kümmert, was er wirklich kann und was ihm liegt. Deshalb sind viele Jugendliche verunsichert.

Wie finden Jugendliche heraus, ob der Wunschberuf zu ihnen passt?

Wittich: Unsere Empfehlung lautet: Schaut euch die Praxis an. Viele Betriebe bieten Praktika an. Wer die Arbeit in der Werkstatt eine Woche lang kennen gelernt hat, kann besser einschätzen, ob es sich tatsächlich um den Wunschberuf handelt. Wenn ja, hat man gleich noch den wichtigen Kontakt zum Unternehmen hergestellt. Ehemalige Praktikanten sind bei der Bewerbung im Vorteil.

Was ist, wenn es nicht passt?

Wittich: Ein Praktikum zahlt sich immer aus. Wenn nach einer Woche in der Kfz-Werkstatt klar ist, dass es etwas anderes sein soll, hat sich das Praktikum trotzdem gelohnt. Daher ermuntern wir die Mädchen und Jungen, möglichst mehrere Praktika in verschiedenen Berufen zu absolvieren.

Wie kommt man an einen Praktikumsplatz?

Wittich: Der direkte Weg führt über unsere Onlinebörse im Internet. Dort kann man sich mit wenigen Mausklicks über das jeweilige Berufsbild und das Unternehmen informieren.

Und Ausbildungsplätze?

Wittich: Die findet man ebenfalls online in unserer Lehrstellenbörse. Gelistet werden alle Angebote aus den fünf Landkreisen des Kammerbezirks. Wir haben im Januar alle Ausbildungsbetriebe angeschrieben und darum gebeten, die freien Stellen für 2020 und 2021 zu melden. Wir führen diese Abfrage viermal im Jahr durch, damit das Angebot aktuell bleibt.

Was raten Sie, worauf Bewerber achten sollten?

Wittich: Sie sollten sich über das Unternehmen informieren, bei dem sie sich bewerben wollen. Das geht ohne großen Aufwand. Auch viele kleinere Betriebe präsentieren sich im Internet. Der zweite Schritt ist die telefonische Kontaktaufnahme. Wer sich frühzeitig meldet, zeigt Interesse und sichert sich einen kleinen Vorteil. Dann folgt die schriftliche Bewerbung. Hier muss unbedingt die Form eingehalten werden. In die Bewerbungsmappe gehören ein fehlerfreies Anschreiben, der Lebenslauf, ein Foto, die letzten Zeugnisse und Bescheinigungen über Praktika.

 

http://hwk-reutlingen.de/ausbildung

Lernen mit Donaublick

Modern und gut aufgestellt: Bildungshaus der Bildungsakademien der Handwerkskammer. <em>Bild: Fotografie Krause</em>
Modern und gut aufgestellt: Bildungshaus der Bildungsakademien der Handwerkskammer. Bild: Fotografie Krause

Sigmaringen – Ob Meister, beruflicher Neustart, Qualifizierung – die Bildungsakademie Sigmaringen im Donauhaus bietet ein vielfältiges Angebot an Kursen.

„Wir machen die Meister!“

Mit diesem Slogan werben die Bildungsakademien der Handwerkskammer. Vorbereitungskurse für angehende Meister sind denn auch fester Bestandteil des Bildungsprogramms in Sigmaringen. Darüber hinaus gibt es ein vielfältiges Angebot an Lehrgängen und Seminaren, das sich an unterschiedliche Zielgruppen richtet.

„Wir verstehen uns als Bildungspartner für die Region, wenn es um praxisnahes Lernen und individuelles Qualifizieren geht“, sagt Bernd Zürker von der Bildungsakademie. „Unsere Teilnehmer kommen aus Handwerk, Industrie oder Verwaltung, aus kleinen und mittleren Firmen, aber auch aus großen Unternehmen.“

Stolz auf Erfolgsquote

Neben den Aufstiegsfortbildungen zum Betriebswirt (HwO) und Meister ist die berufliche Neuorientierung über einen anerkannten Berufsabschluss ein Schwerpunkt des Bildungshauses. Die Erfolgsquote sei beachtlich, betont Zürker: „Mit den meisten Umschulungen erreichen wir eine Quote von 100 Prozent. Die Teilnehmer erreichen ihr Ziel und arbeiten anschließend im neuen Beruf.“

Ob Quereinsteiger oder Meisterschüler, Kursablauf oder Prüfungsordnung – berufliche Bildung kann ganz schön kompliziert sein. Deshalb rät Zürker allen Interessenten zu einer ausführlichen Beratung. „Im persönlichen Gespräch finden wir heraus, welches Angebot passt, zudem informieren wir über die Fördermöglichkeiten.“

 

http://www.bildungsakademie-sig.de

Seminare

 

  • Für Führungskräfte im Handwerk
    Betriebswirt/in (HWO)
  • Meistervorbereitung (berufsbegleitend)
    Elektroinstallateur/in
    Feinwerkmechaniker/in
    Teil III Betriebswirtschaft (in Vollzeit)
    Teil IV (AEVO)

 

  • Umschulungen, Neuorientierung (Vollzeit)
    Kauffrau/-mann für Büromanagement
    Industriekaufrau/-mann
    Fachkraft Lagerlogistik
    Feinwerkmechaniker

 

Bildungsakademie

Sigmaringen im Donauhaus
Hintere Landesbahnstr. 7
72488 Sigmaringen