In der Stadt Pfullendorf können sich Bienen und andere Insekten derzeit an Blumenbändern satt saugen. Erstmals wurden Bienenweiden im größeren Stil angelegt, wie Stadtbaumeister Jörg-Steffen Peter im Gespräch mit dem SÜDKURIER sagte. „Wir wollen das in Zukunft noch intensivieren.“

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Nahrungsangebot für Bienen geht zurück

Bekannterweise sind Honig- und Wildbienen unheimlich wichtig, um Blüten zu bestäuben. Zusammen mit Rindern und Schweinen zählen sie zu den drei wichtigsten Nutztieren. Und wenn jetzt die Obstbäume voll mit Äpfeln, Quitten, Birnen und Pflaumen hängen, ist diese den Insekten zu verdanken, die Nektar und Pollen sammeln. Rund 80 Prozent der 800 heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind laut Deutschem Imkerbund auf die Honigbienen als Bestäuber angewiesen. Das Nahrungsangebot für Bienen geht jedoch zurück. Für das Bienensterben werden auch in der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide und Monokulturen verantwortlich gemacht. Der Lebensraum für Insekten verkleinert sich zudem durch die Ausbreitung von Siedlungs-, Industrie- und Verkehrsflächen und Monokulturen.

„Hier blüht eine Bumenwiese“ heißt es auch an der Friedhofsmauer.
„Hier blüht eine Bumenwiese“ heißt es auch an der Friedhofsmauer. | Bild: Johanson, Kirsten

Wunderschöner bunter Anblick fürs menschliche Auge

Je vielfältiger das Blütenangebot, umso besser für die Biene. An der Friedhofsmauer, unterhalb des Familienzentrums im Langäcker, vor dem ehemaligen „Deutschen Haus“ an der Franz-Xaver-Heilig-Straße und bei Maria Schray blühen Mädchenauge, Korn- und Ringelblume, Schmuckköbchen, Sonnenblumen, Zinnien, wilde Malve und viele weitere Sommerblumen. Was Biene Maja erfreut, ist ein wunderschön bunter Anblick für das menschliche Auge. Die verwendete Saatgutmischung namens „Gönninger Sommerpracht“ beinhalten auch mehrjährige Pflanzen, die sich selber aussamen, sodass es auch im kommenden Jahr wieder blüht. „Deshalb warten wir mit dem Mähen natürlich auch, bis der Flor verblüht ist“, erklärt Peter. Dass die Bieneneweide am Friedhof mit rot-weißen Flatterband abgesperrt ist, hat einen einfachen Grund. Es hielt und hält Autofahrer davon ab, dort zu parken. Was Peter allerdings beobachtet hat und worüber er nicht erfreut ist: Die Bienenweiden werden gerne von Hunden aufgesucht, die dort ihr Geschäft verrichten.

Eine Biene sammelt auf einer Kamillenblüte Pollen, den sie an ihren Hinterbeinen befestigt, um ihn zum Bienenstock bringen zu können.
Eine Biene sammelt auf einer Kamillenblüte Pollen, den sie an ihren Hinterbeinen befestigt, um ihn zum Bienenstock bringen zu können. | Bild: Patrick Pleul/dpa
„Anfangs waren wir etwas enttäuscht. Doch dann sind die Blumen schlagartig gewachsen.“
Jörg-Steffen Peter, Stadtbaumeister

„Anfangs waren wir etwas enttäuscht“, sagt Peter. „Doch dann sind die Blumen schlagartig gewachsen.“ Den Pfullendorfern wird es ähnlich gegangen sein, denn zunächst waren an den genannten Orten lediglich Sandflächen zu sehen. Und es tat sich relativ lange nichts. Fast hätte man meinen können, die Stadt wolle Sprunggruben für Leichtathleten oder Felder für Beachvolleyball anlegen, Sandspielpätze für Kinder oder gar große Katzenklos?

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Weniger Kies- und Rasenflächen, mehr insektenfreundliche Pflanzen

Auch im Kleinen, sprich im Hausgarten oder auf dem Balkon, kann man für einen gedeckten Tisch sorgen, indem man weniger Kies- und Rasenflächen hat, und stattdessen insektenfreundliche Pflanzen wie zum Beispiel Katzenminze, Thymian, Lavendel, Ehrenpreis, Wildrosen oder Heide pflanzt.

Vorbereitung am besten im Herbst starten

Wer in seinem Garten selber eine naturnahe Blumenwiese für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge und Co. anlegen will, kann noch diesen Herbst vorbereitend zur Tat schreiten. Gesät wird zwar erst im April/ Mai, doch es macht Sinn, die Fläche noch bis Oktober umzugraben oder fünf bis zehn Zentimeter tief zu fräsen. So keimen noch im Boden befindliche Unkräuter an und man kann das unerwünschte Beikraut vor der Aussaat im Frühjahr durch nochmaliges Umgraben oder Jäten beseitigen. Ein sandiger Untergrund ist übrigens deshalb empfehlenswert, weil die Blumen oftmals besser auf einem abgemagerten, also nicht zu nährstoffreichen Boden gedeihen. Auch lässt sich das Saatgut besser ausbringen, wenn man es mit Sand vermischt.

Alles schön bunt hier!
Alles schön bunt hier! | Bild: Johanson, Kirsten