Mit einschneidenden Maßnahmen versucht auch die Stadt Pfullendorf, die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Seit heute sind die Schulen geschlossen, in den städtischen Kindergärten läuft noch ein Notbetrieb, bis geklärt ist, welche Kinder noch betreut werden müssen.

Stadt bietet bestimmten Eltern Kinderbetreuung an

Bekanntlich hat die Landesregierung verfügt, dass Kinder, deren beiden Elternteile in sogenannten Berufen der kritischen Infrastruktur wie medizinisches und pflegerisches Personal, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst oder Telekommunikation, Energie, Wasser und Abwasser, ÖPNV und Entsorgung sowie in der Lebensmittelbranche arbeiten, eine Notfallbetreuung bekommen sollen. „Derzeit haben wir fünf bis zehn Kinder“, erklärte dazu Bürgermeister Thomas Kugler gestern Nachmittag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Sobald man einen Überblick hat, wird entschieden, wo die Kinderbetreuung zentral angeboten wird.

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1,5 Meter Mindestabstand für Gäste in Gaststätten

Morgens hatte der Koordinierungskreis der Stadtverwaltung getagt und weitere Entscheidungen beschlossen. Alle städtischen Einrichtungen werden geschlossen – von der Bücherei über die Musikschule bis zum Rathaus. Nur nach telefonischer Voranmeldung ist das persönliche Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter in Notfällen möglich. Mit sofortiger Wirkung geschlossen sind Fitnesscenter und Vergnügungsstätten.

Der Gastronomiebetrieb ist grundsätzlich untersagt, ausgenommen sind Speisegaststätten, wenn die Plätze für die Gäste so angeordnet werden, dass ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Tischen gewährleistet ist, ebenso bei Stehplätzen. Die Einhaltung der Maßnahme werden von Polizei wie auch Ortspolizeibehörde kontrolliert, ergänzte der Bürgermeister.

Das Rathaus Pfullendorf ist für Publikumsverkehr geschlossen. Nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung beim Sachbearbeiter und nur bei dringenden Angelegenheiten ist ein persönlicher Kontakt noch möglich.
Das Rathaus Pfullendorf ist für Publikumsverkehr geschlossen. Nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung beim Sachbearbeiter und nur bei dringenden Angelegenheiten ist ein persönlicher Kontakt noch möglich. | Bild: Volk, Siegfried

Trauung mit maximal zehn Leuten

Verboten ist auch der Besuch von Krankenhäusern und Pflegeheimen, außer es besteht eine begründete Ausnahme, wobei dieser Besuch dann dokumentiert werden muss. Beerdigungen sollten nur noch im engsten Familienkreis stattfinden und beim Standesamt dürfen maximal zehn Leute einer Trauung beiwohnen. Geschlossen hat auch die Kfz-Zulassungsstelle, während der Kassenbetrieb gewährleistet ist, denn manche Menschen erhalten von Ämtern noch Barleistungen.

„Kinderbetreuungswunsch großzügig berücksichtigen“

„Diese Vorgaben gelten bis zum 19. April“, erklärte Thomas Kugler, wobei man bei Bedarf weitere Anordnungen treffen werde. Nach seiner Überzeugung wird diese Situation, bei der das öffentliche Leben fast zum Erliegen kommt, noch mehrere Wochen anhalten und deshalb appellierte er an die Arbeitgeber, sich bei Kinderbetreuungswünschen ihrer Beschäftigten großzügig zu zeigen.

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Fokus auf überlebenswichtige Infrastruktur

Die Stadt befinde sich im Notbetrieb und es gelte, die überlebenswichtige Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Dazu zählen Strom- und Wasserversorgung, wobei der Rathauschef eine Erkenntnis der Wissenschaft wiederholte, wonach es keine Übertragung des Coronavirus durch das Trinkwasser gebe: „Das Trinkwasser ist sicher!“ Eindringlich appellierte er an die Vernunft der Bürger, die Hygienevorgaben einzuhalten und die Sozialkontakte möglichst auf Null zu fahren. Deshalb sollte man auch bei privaten Feiern überlegen, ob dies wirklich notwendig sei.

Keine Patienten in Quarantäne

Im Krankenhaus Pfullendorf wurde im leerstehenden zweiten Stock eine Quarantänestation eingerichtet, in der bis zu 19 schwere Fälle behandelt werden können. „Wir haben keine Patienten im Krankenhaus Pfullendorf„, erklärte dazu Barbara Koch, Pressesprecherin der SRH Kliniken GmbH, gestern auf Anfrage des SÜDKURIER, dass noch kein Infizierter in die Quarantäne-Station eingeliefert wurde.

Positiv getestete Patienten zeigen nur leichte Symptome

Allen bislang positiv getesteten Patienten geht es nach Angaben des Gesundheitsamtes den Umständen entsprechend gut. Sie zeigen nur leichte Symptome wie Schnupfen, Fieber und etwas Husten. „Dennoch müssen wir uns im weiteren Verlauf auch auf schwere und kritisch verlaufende Fälle einstellen“, stellte Dr. Susanne Haag-Milz, Leiterin des Gesundheitsamts klar. In den vergangenen Wochen wurden im Kreis Sigmaringen insgesamt 316 Personen getestet, 112 Befunde sind negativ, 170 stehen aus.

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Testcenter in ehemaliger Kaserne

Das geplante Testcenter wird in der ehemaligen Oberschwabenkaserne in Hohentengen eingerichtet, nachdem sich am Wochenende dort ein Platz finden ließ, der zentral im Landkreis liegt, problemlos angefahren werden kann und beispielsweise auch einen Wasseranschluss bietet. Dort werden seit Sonntag Container aufgestellt, am Mittwoch soll der Betrieb starten. Menschen, bei denen ein Abstrich entnommen werden soll, können nach Vorabstimmung mit dem Hausarzt und dem Gesundheitsamt mit dem Auto vorfahren.

Abstrich direkt aus dem Auto

Der Abstrich wird direkt aus dem Auto entnommen. Die kassenärztliche Vereinigung bemüht sich derzeit, geeignetes Personal für diese Aufgabe zu finden. Die Hilfsdienste unterstützen intensiv beim Aufbau und dem Start der Teststelle. Die Containerlösung soll zur Entlastung der Hausärzte und der Krankenhäuser dienen. Tests sollen zunächst von 18 bis 21 Uhr gemacht werden. Die Öffnungszeiten am Abend sind nach Angaben des Gesundheitsamtes notwendig, damit genug Personal der Hilfsdienste und ein Arzt zur Verfügung stehen.