Einer, der den Kopf nicht hängen lässt, ist Ewald Restle. Für den Macher des Festivals Musikprob 2019 ist klar: „Auch im kommenden Jahr wird es das Festival wieder geben. Das Wetterrisiko ist immer da.“ Und das hat am Samstagabend gegen 21.30 Uhr für orkanartige Böen und Starkregen gesorgt, die anderswo die Menschen zu einem fluchtartigen Nachhauseweg animiert hätte.

Festivalbesucher fliehen in nahegelegene Halle

In Pfullendorf traten zwar nicht wenige den Heimweg an, aber rund 1000 Festivalbesucher flohen in die Halle von Landwirt Josef Weißhaupt, dessen Hof sich ganz in der Nähe des Seeparks befindet. „Der hat sogar noch seine privaten Toiletten im Wohnhaus zur Verfügung gestellt“, sagt Restle und die große Anerkennung ist unüberhörbar.

Sonntagmorgen nach dem großen Regen: Wer wollte hier noch feiern? Es war ein trostloses Szenario nach zwei tollen Festivaltagen.
Sonntagmorgen nach dem großen Regen: Wer wollte hier noch feiern? Es war ein trostloses Szenario nach zwei tollen Festivaltagen. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Die Musiker waren ebenfalls mit ihren Instrumenten ins Trockene geflohen und spielten dort weiter. Ganz ohne Technik. Denn die war nicht mehr einsatzfähig. Auf der großen Vincent-Bach-Hauptbühne sowie der kleineren Blechstadel-Bühne kapitulierte die Elektronik vor dem Wetter. „Die Technikfirma ist versichert, da brauche ich mir also keine Sorgen zu machen“, stellte Restle fest.

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Auch für eventuelle Schäden an den Imbissständen seien die Betreiber selbst verantwortlich. Doch da halte sich das Unglück in Grenzen. Das Gelände war allerdings dermaßen durchnässt, dass an ein Weitermachen am Sonntag nicht zu denken war. So fielen der Musikergottesdienst mit Taufe und das große Blasmusikfest buchstäblich ins Wasser.

Verwaist die große Bühne, die Technik sehr in Mitleidenschaft gezogen, Wasser und Matsch prägen das Bild.
Verwaist die große Bühne, die Technik sehr in Mitleidenschaft gezogen, Wasser und Matsch prägen das Bild. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Unversehrt geblieben war das große Veranstaltungszelt im Seepark, dort hatten in der Nacht rund 900 Musikfans gefeiert. Wer total durchnässt ankam, der wurde vom Musikprob-Team mit trockenen T-Shirts versorgt. „Die haben wir verschenkt, als Dank fürs Durchhalten“, sagt „der Ewald“, wie ihn die Musikprob-Fans nennen, schmunzelnd.

Rund 4000 Besucher an zwei Tagen

Insgesamt seien es wohl 4000 Besucher am Freitag und Samstag gewesen. Und die waren total zufrieden, wie man den unzähligen Einträgen auf Facebook und Instagram entnehmen kann. Die Forderung in den sozialen Medien ist eindeutig: Es muss weitergehen. Und das wird es auch. „Jetzt geht es erst richtig los“, macht Restle deutlich und in seinem Blick ist zu erkennen, dass er schon wieder neue Visionen hat.

Ewald Restle: „Jetzt geht es erst richtig los. Wir planen das Musikprob 2020.“
Ewald Restle: „Jetzt geht es erst richtig los. Wir planen das Musikprob 2020.“ | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Trotz des Unwetters ist Restle mit dem Umsatz zufrieden. „Wenn der Regen nicht gekommen wäre, dann hätten wir am Samstagabend Getränke nachordern müssen“, sagt er. So sei man am Abend mit dem Most nahezu ausverkauft gewesen. Wegen der Atmosphäre auf dem Festgelände hätten es viele Camper auch vorgezogen, auf dem Gelände zu feiern statt vor ihren Zelten.

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Das Musikangebot, das sich dieses Jahr etwas mehr an der Blasmusik orientierte, sei super angekommen. Und auch rockige Töne, wie die von der Keller-Steff-Bigband, hätten ihre Fans gehabt. Wenn er an das Zusammenspiel der vielen Musikanten vor der großen Bühne mit dem Heeresmusikkorps denkt, bekommt Restle immer noch eine Gänsehaut. „Das war so irre, dass man es kaum glauben kann.“

Oberstleutnant Matthias Prock und das Heeeresmusikkorps spielten zusammen mit mehreren Hundert Musikern. Da schien noch die Sonne.
Oberstleutnant Matthias Prock und das Heeeresmusikkorps spielten zusammen mit mehreren Hundert Musikern. Da schien noch die Sonne. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Noch kurz vor dem Auftritt der Musiker in Uniform sei Oberstleutnant Mathias Prock skeptisch gewesen, ob das was werde. Denn beim Soundcheck war noch kaum ein Festivalgast mit Trompete oder Tuba vor der Bühne zu sehen. Doch die kamen in Massen, als das Programm auf der Blechstadel-Bühne Pause machte. Das Publikum abwechselnd von zwei Bühnen zu bespielen, kam bei den Besuchern bestens an. Denn so gab es keine Umbaupausen und Musik praktisch ohne Unterbrechung. Der Sicherheitsdienst hatte wenig zu tun. Die Besucher machten keine Probleme. Auch nicht nach dem fünften Most.

„Ich fand die Idee spannend“

Stefan Rundel
Stefan Rundel | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Stefan Rundel und sein Bruder Thomas leiten den oberschwäbischen Musikverlag Rundel. Er hat dafür gesorgt, dass beim Musikprob-Festival das Heeresmusikkorps und Hunderte Blasmusiker gemeinsam musizieren konnten.

Herr Rundel, als Ewald Restle mit der Idee eines Notenhefts auf Sie zukam, was haben Sie da gedacht?

Ich fand die Idee spannend und habe sofort mit der Umsetzung begonnen. Da Ewald und sein Team enorme Vorarbeit geleistet haben, so bei der Umschlaggestaltung, war es gar nicht so schwierig, die Sonderedition Musikprob 2019 auf den Weg zu bringen. Wir haben etwas Ähnliches für das Woodstock der Blasmusik produziert und da hatten wir bereits Erfahrung. Alle Titel sind verlagseigen. Den Druck haben wir als Sponsor übernommen und der Verkaufserlös soll an eine soziale Einrichtung in Pfullendorf gehen.

Wie viele Titel verlegen Sie pro Jahr?

Für Blasmusik etwa 50 Editionen. Insgesamt haben wir über 2500 Blasmusiktitel im Programm. Als mein Vater den Verlag gegründet hat, da waren die Methoden noch deutlich schwieriger. Heutzutage kann man mittels Computertechnik sehr schnell etwas auf die Beine stellen, was wiederum nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal darstellt.

Werden eigentlich viele Noten illegal kopiert?

Das würde ich so gar nicht sagen. Natürlich kommt das vor, aber die Vereine wissen, dass wir in Sachen Qualität und Preisgestattung ein fairer und verlässlicher Partner sind, die Dirigenten schätzen das.

Spielen Sie selbst eigentlich auch ein Instrument?

Flügelhorn, Trompete, Klavier und Schlagzeug. Mein Bruder und ich sind in den Musikvereinen groß geworden.