Das Thema Agro-Fotovoltaik beherrschte die Gemeinderatssitzung. Im März soll der Bauantrag für die Forschungsanlage in Heggelbach eingereicht werden. Der Baubeginn ist für Juli angedacht und wenn alles planmäßig läuft, könnte im September mit einem Tag der offenen Tür die Eröffnung gefeiert werden. Passenderweise finden zu dieser Zeit auch die Energiewendetage in Baden-Württemberg statt.

Bereits Ende Februar können sich Interessierte im Internet unter www.agrophotovoltaik.de über das innovative und deutschlandweit einmalige Projekt informieren. „Auf der Homepage wollen wir dann auch ein Kurzvideo vom Bau der Anlage einstellen, um den Fortgang des Projekts zu dokumentieren“, sagte Stephan Schindele. Der Projektleiter vom Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme berichtete im Gemeinderat über den aktuellen Stand. Derzeit werden diverse Verträge abgeschlossen, darunter der städtebauliche Vertrag mit der Gemeinde, in dem wichtige Punkte wie Rückbau und Kostentragung festgehalten sind.

Mit der Hofgemeinschaft Heggelbach schließt das Fraunhofer-Institut über die Dauer von 25 Jahren einen Pachtvertrag ab. Die Hofgemeinschaft ist ein Zusammenschluss mehrerer Familien, die den Demeter-Hof gemeinschaftlich bewirtschaften. Auch die Stromabnahme durch die Hofgemeinschaft und die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) werden vertraglich geregelt. Das Medieninteresse an dem Vorhaben sei groß, auch aus der Landwirtschaft und Energiewirtschaft gebe es ein gutes Feedback, so Schindele. Es ist Ziel des Projekts, ein marktfähiges, wirtschaftliches Agro-Fotovoltaik-Produkt zu entwickeln.

Parallel zur Stromernte wird Ackerbau betrieben. Die Uni Hohenheim als Projektpartner untersucht, wie sich Faktoren wie Verschattung und Bewässerung auf Ertrag und Qualität der Ernte auswirken. Um den direkten Vergleich zu haben, wird neben dem ein Hektar großen Solarfeld ein ebenso großes Referenzfeld bewirtschaftet. Schindele beantwortete den Gemeinderäten auch Fragen zur Technik. Die Anlage wird auf einer Länge von 135 Metern und einer Breite von 25 Metern aus insgesamt 15 Modulreihen mit je zwei Modulen bestehen. Das Besondere: „Da es sich um bi-faziale Solarzellen handelt, kann auf Ober- und Unterseite der Module Energie geerntet werden. Wir nutzen also auch die Rückstrahlung und erzielen einen höheren Wirkungsgrad.“

Schindele informierte, dass zum Aufstellen der Konstruktion auf Wunsch der Landwirte Bodenmatten ausgelegt werden, damit die Kräne den Untergrund nicht zu sehr verdichten. An den Stützen wird ein Rammschutz angebracht. Als ökologische Kompensationsmaßnahme ist das Anpflanzen einer Reihe von Bäumen und Hecken vorgesehen. Bernadette Siemensmeyer vom Überlinger Landschaftsarchitekturbüro 365 Grad Freiraum und Umwelt stellte im Gemeinderat die wenigen Änderungen zum ersten Bebauungsplanentwurf vor. Der nun vom Gremium einstimmig gebilligte, überarbeitete Bebauungsplanentwurf wird noch im Februar öffentlich ausgelegt.


Doppelnutzung

Auf einem Grundstück der Hofgemeinschaft Heggelbach wird eine 198-KWP-Testanlage für Agro-Fotovoltaik gebaut, bei der Landwirtschaft und Stromgewinnung parallel stattfinden. Unter aufgeständerten Solar-Modulen können die Heggelbacher Landwirte die Ackerfläche weiter bewirtschaften. Investor, Betreiber und Eigentümer der Anlage ist das Fraunhofer ISE, das größte Solarforschungsinstitut Europas. (kaj)