Wie beim Richtfest im März, als ein Schneeschauer über das Land gefegt war, hatte der Wettergott auch bei der gestrigen offiziellen Eröffnung des Bannwaldturms kein Einsehen und unter Regenschirmen verfolgten die Besucher die ökumenische Segensfeier und hörten die lobenden Grußworte über diese einzigartige Holzkonstruktion, die 38,8 Meter in den Himmel ragt und den Blick über das Ried zu der Alpenkette freigibt, wenn es nicht regnet oder schneit. Gleich mehrere Superlative bemühte Landrätin Stefanie Bürkle für das Vorzeigeprojekt, das sie als "Hightech in Brettsperrholzbauweise" bezeichnete. Wer die 219 Stufen erklommen hat, blickt auf den mit 441 Hektar größten Bannwald in Baden-Württemberg, der inmitten eines nationalen wie international bedeutenden Moorgebietes liegt.

<p>Diesen wunderschönen Blick kann jeder Besucher genießen, der die 219 Stufen des Bannwaldturms erklommen hat.</p>

Diesen wunderschönen Blick kann jeder Besucher genießen, der die 219 Stufen des Bannwaldturms erklommen hat.

| Bild: Siegfried Volk

Mehr als zehn Millionen Euro wurden in das Wiedervernässungsprojekt des Pfrunger-Burgweiler Riedes investiert, ergänzte Bürkle, dass der Bannwaldturm sich am Knotenpunkt mehrerer Besucherachsen befindet. Mit intelligenter Planung lassen sich nach ihrer Überzeugung demnach Naturschutz, Tourismus sowie Wald- und Naturpädagogik sehr wohl ergänzen. "Der Turm wird sich als touristisches Highlight mit überregionaler Bedeutung etablieren", ist die Kreischefin überzeugt. Für sie ist das Vorhaben auch ein Beispiel für gelungene Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinweg und sie zollte dem Gemeinderat Ostrach ihren Respekt für dessen mutige Entscheidung für ein solches Projekt viel Geld in die Hand zu nehmen. Tatsächlich stemmt die Kommune den Löwenanteil der rund 700000 Euro Kosten. Der Fachbereich Forst beziehungsweise der Landesbetrieb Forst steuern über ein Sonderprogramm rund 100000 Euro bei. Eine halbe Million Euro erlöste die Kommune durch den Verkauf von Wäldern, die an das Ried angrenzen und etwa 100000 Euro stammen aus dem Gemeindehaushalt.
 

Rolf Bosch, Vorsitzender der Stiftung Naturschutz, gewann dem Regen noch Positives ab: "Das Hochwasserüberlastungsbecken ist angesprungen", deutete er auf das Betonbauwerk, durch das im Bedarfsfall Wassermassen aus dem Ried teilweise in die Ostrach abgeführt werden. Er bezeichnete den der Landschaft angepassten Turm als "Juwel", das viele Besucher ins Ried locken werde. Bosch appellierte bei dieser Gelegenheit an alle Wanderer und Radfahrer bei ihren Rundgängen auf die Tier- und Pflanzenwelt Rücksicht zu nehmen. Ein absoluter Hingucker sind nach seinen Erfahrungen die etwa 200 Rinder sowie eine Ziegenherde, die rund 400 Hektar beweiden und die Flächen damit offen halten. Die sieben beteiligten Landwirtsfamilien vermarkten Produkte wie Fleisch der Weiderinder gemeinsam unter dem Label "Genuss vom Pfrunger-Burgweiler Ried". Nachdem die Stiftung zu Beginn diese Offenlandbeweidung vorfinanziert habe, werden die Landwirte nach Angaben von Bosch nun nach den Richtlinien der Landschaftspflegerichtlinien gefördert. "Von dieser Beweidung profitiert die Tier- und Pflanzenwelt und besonders die Vögel", ergänzte der Stiftungsvorsitzende. Bürgermeister Christoph Schulz dankte abschließend dem Landkreis und der Stiftung als verlässliche Partner beim Riedprojekt und dem Holzturmbau. Nach den Grußworten schritten Kreischefin, die Bürgermeister von Ostrach, Wilhelsmdorf und Riedhausen sowie die Vorsitzenden der Stiftung Naturschutz und des Schwäbischen Heimatbundes zur Tat, durchschnitten das rote Band und machten damit den Weg zur Turmspitze offiziell frei. Viele Besucher erklommen dann die 219 Stufen und genossen den Blick in die Fernde sowie die Klänge des Musikvereins Ostrach von unten, der während des Festaktes für musikalische Unterhaltung sorgte.

Etliche Besucher nutzten in den Zelten die Verköstigungsangebote der Vermarktungsinitiative und des Schützenvereins und einige Unentwegte beteiligten sich an Führungen, denn gestern fand auch der im Zwei-Jahres-Rhythmus von der Stiftung organisierte Riedweidetag statt.

Auch die Geschäftsführerin der Ferienregion Nördlicher Bodensee, Ulrike Erath, freut sich über die neue Attraktion. Vor allem für den Tagestourismus sieht sie das Bauwerk als tolles Ziel für Wanderer und Radfahrer, die dann in den umliegenden Gaststätten einkehrten.

Landrätin Bürkle sprach gestern auch die Verknüpfung des Turmes mit dem Thema "Mobilität" an, damit die Besucher auch zum Bauwerk gelangten. Bei der gestrigen Eröffnung hatte sich die Kommune einiges einfallen lassen, denn der direkte Zugang zum Standort war gesperrt. Autofahrer mussten ihr Fahrzeug auf dem etwa 500 Meter entfernten neu errichteten Parkplatz stehen lassen und wurden dann vom "Bürgerbus" oder im Feuerwehreinsatzfahrzeug zum Ziel kutschiert. Und wer wollte, gab den netten Fahrern eine Spende für die Vereinskasse. Eigentlich waren gestern Vormittag etliche Familienradtouren zur Eröffnungsfeier geplant, so von Ostrach, Riedhausen, dem Bahnhof Burgweiler und dem Naturschutzzentrum aus, allerdings fielen diese Pläne bis auf wenige Ausnahmen dem Regen zum Opfer.
 

Bannwaldturm

Der Turm ist 38,80 Meter hoch und hat 219 Stufen. Die Konstruktion besteht aus 120 Kubikmeter Fichtenholz und die Fassade hat eine 15 Quadratmeter große Lärche-Rhomubsverschalung. Der Holzzurm ruht auf einem Betonsockel und im Erdgeschoss ist vom Fachbereich Forst des Landratsamtes eine Ausstellung zum Naturschutzgebiet und dem Bannwald eingerichtet. Die Aussichtskanzel hat eine Ganz-Glasbrüstung und dem Besucher bietet sich ein Blick über das Ried bis zu den Alpen sowie auf den größten Bannwald in Baden-Württemberg mit 441 Hektar, der inmitten des zweitgrößten Moorgebietes in Süddeutschland liegt.