Die Veranstalter des Festivals "Keep it Real", die von der Stadt am Donnerstag informiert wurden, dass die Veranstaltung nicht mehr im Seepark stattfindet, wenden sich mit einer umfangreichen Pressemitteilung an die Öffentlichkeit. "Am Donnerstag, 16. August, schickte die Stadt Pfullendorf eine Pressemitteilung heraus, mit der Information, dass die Keep it real Jam im Jahr 2019 nicht mehr stattfinden wird", kritisieren die Organisatoren, dass dabei ein Bild von der Veranstaltung gezeichnet wurde, das sich größtenteils auf subjektive Wahrnehmungen stützte und das Festival in keinster Weise in seinem vollen Umfang abbilde: "Von Anfang an war es unser Ziel, mit der Veranstaltung eine Alternative zu den immer gleichen Veranstaltungen in der Region zu schaffen."

"Wir waren immer konstruktiv"

Die Stadt habe die Veranstalter kennengelernt, die jederzeit offen für Gespräche waren und konstruktiv nach gemeinsamen Lösungen suchten. "Vergangenen Donnerstag ist die Stadt von diesem Kurs abgewichen und hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt", kritisieren die Organisatoren, dass sie 45 Minuten vor der Presse über das Ende der Veranstaltung per Mail informiert wurden: "Die Möglichkeit eines konstruktiven Dialogs wurde uns somit von vorne herein genommen."

Bild: Veranstalter


Etwa 3000 Besucher habe die Veranstaltung in diesem Jahr in den Seepark gelockt, während die Pressemitteilung nur auf die negativen Aspekte des Festivals eingehe: "Dies ist, nach einer siebenjährigen Zusammenarbeit, durchaus enttäuschend und spiegelt den Großteil der Veranstaltung in keiner Weise wieder." Entgegen den Beschwerden aus der Bevölkerung hätten 200 Pfullendorfer das Festival besucht. Das zeige, dass es doch einige gebe, die das bunte, fröhliche Treiben im Seepark schätzen und vielleicht sogar Teil davon waren.

Massive Polizeikontrollen

Schon am Donnerstag habe es an zwei Ortseinfahrten von Pfullendorf massive Polizeikontrollen gegeben, bei welchen teilweise Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt wurden. Insgesamt belaufe sich die Zahl an Verstößen auf ein Prozent der 3000 Besucher. "Wir stellen die Frage, warum es solch massiven Personenkontrollen bei keiner anderen Veranstaltung gibt", sind die Festivalmacher überzeugt, dass nach ähnlichen Kontrollen bei allen anderen Veranstaltungen, der Wert von ein Prozent mit Drogen sicherlich nicht herausstechend wäre.

"Festival wird kriminalisiert"

In ihrer Pressemitteilung spreche die Stadt von harten Drogen, während es Polizeibericht heiße, dass „eine geringe Menge“ sichergestellt wurde, bei einer Veranstaltung, die ansonsten friedlich und ohne besondere Zwischenfälle verlaufen sei. "Die Kriminalisierung unseres Festivals als eines, auf dem Drogen konsumiert und Dinge beschädigt werden, können und wollen wir so nicht stehen lassen", kritisieren die Veranstalter, dass mit ihnen über die vermeintlich zunehmenden negativen Effekte der Veranstaltung über die Jahre nie gesprochen wurde.

Bild: Chris Herrmann

Man habe seit Anfang des Festivals die Veranstaltungslandschaft in Pfullendorf entscheidend mitgeprägt, heißt es in der Pressemitteilung selbstbewusst, dass das von den Reggae-Machern entwickelte Sicherheits- und Veranstaltungskonzept wenig später von der Stadt auf alle Veranstaltungen angewendet wurde: "Wir haben Auflagen erfüllt, Verkehrsleit- und Parksysteme umgesetzt, wir haben als erstes Festival im Seepark einen Lärmingenieur eingesetzt, der Lärmmessungen in den bewohnten Gebieten vornimmt, um die Lärmbelastung für die Anwohner möglichst gering zu halten." Ob Feuerwehr, Sicherheitsdienst oder Gewerbe wie der Rewe hätten immer wieder bestätigt, wie gut organisiert und wie friedlich die Veranstaltung im Vergleich zu anderen Veranstaltungen sei.

"Alle Werte und Auflagen eingehalten"

Als Veranstalter könne man nicht mehr leisten, als im Vorfeld die Veranstaltung durchzusprechen, sich auf Konzepte zu einigen, Lärmprotokolle vorzulegen, wobei die Werte auch in diesem Jahr eingehalten worden seien. Reiche dies nicht mehr aus, so könne die Entscheidung der Stadt nur als eine politische gewertet werden, denn es wurde mit den Veranstaltern, nicht wie in den Jahren davor, nach einer Lösung gesucht: "Eine politische Entscheidung gegen die Präsenz einer alternativen Kultur und alternativer Lebensauffassungen in der Stadt."

"Weiteres Vorgehen ist noch unklar"

"Prinzipiell wollen wir die Veranstaltung natürlich gerne im Seepark weiterführen und wären auch immer bereit gewesen für neue Auflagen, insofern sie für uns umsetzbar sind", erklärte gestern Fabian Fitz vom Organisationsteam auf Anfrage des SÜDKURIER. Aber es sei natürlich ein komisches Gefühl, gegen einen solchen Gegenwind anzuarbeiten, und deshalb sei sich das Team über das weitere Vorgehen noch nicht ganz sicher. Der SÜDKURIER versuchte auch, die Verwaltungsspitze bezüglich der möglichen Fortführung oder Neuausrichtung des Festivals zu befragen, allerdings war kein Gesprächspartner telefonisch erreichbar.