Von fußballerischen Höhen in der Drittklassigkeit, die 1976 erstmals erklommen werden oder gar einem Anklopfen an die Pforte zur Zweiten Liga wie im Jahre 2000, wagt in den 1960er Jahren beim SC Pfullendorf niemand zu träumen. Die 2. Amateurliga (heutige Landesliga) gilt als das höchste der Gefühle. Umso tragischer, dass die Mannschaft 1959 just in die A-Klasse (heutige Bezirksliga) absteigen muss, obgleich Pfullendorf im Jahr zuvor Garnisonsstadt geworden ist. Viele Soldaten werden sich im Laufe der Zeit als Spieler und Funktionäre für den Verein engagieren, der im ersten Abstiegsjahr 1959/60 in der A-Klasse mit dem vierten Platz vorliebnehmen muss. Im Jahr darauf schaffen sie es aber, die gesamte Konkurrenz zu distanzieren und den Wiederaufstieg zu realisieren.

Der dritte Aufenthalt in der Staffel III des südbadischen Unterhauses hält fünf Jahre an. 1962 schnürt der aus Wiedenbrück im Westfälischen stammende, in der Linzgaustadt unternehmerisch tätige Hans-Hermann Krane seine Kickstiefel für den SCP. Acht Jahre später wird er die Funktion des Spielausschussvorsitzenden übernehmen und als gewiefter Manager den Sportclub alsbald auf der Erfolgsleiter nach oben führen – zusammen mit dem Vorsitzenden Manfred Walk, dessen Stellvertreter Heinz Kühnlenz und dem Geschäftsführer Manfred Vobiller.

Doch das sukzessive Abgleiten in die A-Klasse Mitte der 1960er Jahre vermag auch Krane nicht zu bremsen, was 1966 bittere Realität ist. Erst unter der Ägide von Trainer Peter Weber lässt sich ab 1967 wieder ein Spitzenteam in der A-Klasse formieren, dem 1968/69 ein mickriger Zähler hinter dem Meister TSV Stetten a.k.M. zur heiß ersehnten Rückkehr in die 2. Amateurliga fehlt, die Nachfolger Rolf Gailfuß 1973 auf Anhieb gelingt.

Ein Höhepunkt in der Vereinshistorie stellt die Einweihung des Waldstadions dar, sie wird vom 4. bis 7. August 1967 feierlich begangen. Über 2700 freiwillige Arbeitsstunden haben Vereinsmitglieder und Freunde des Sportclubs dafür geleistet. Bis dahin galt der Sportplatz als Sorgenkind, von den Maßen her viel zu klein. Das Provisorium auf dem "Theuerbach" gegenüber dem Stadtgarten wird als bitter empfunden. Zudem weist beim Umzug ins Tiefental am 25. September 1955 das erste Waldstadion wegen der ungenügenden Drainage große Mängel auf. So ist die jetzige Spielstätte – später zur Alno- oder Geberit-Arena umgetauft – ideal und zukunftsgewandt. Zur Einweihung des Waldstadions gibt es ein Lokalduell mit dem SV Meßkirch, es endet 2:2. Einen zusätzlichen sportlichen Leckerbissen bietet die Prominentenelf mit den deutschen Weltmeistern von 1954, mit Fritz Walter, Horst Eckel, Werner Liebrich und Herbert Erhardt, sie besiegen die Alten Herren des SCP mit 9:1.

"Die Verflechtung von Stadt- und Vereinsgeschichte ist gut und fruchtbar", registriert Walter Mühlhaupt mit Genugtuung. Der Oberstudienrat am Progymnasium Pfullendorf ist von 1962 bis 1970 Vorsitzender des SC Pfullendorf. Sein besonderer Verdienst ist es, dem Verein auch zur gesellschaftlichen Anerkennung verholfen zu haben. 

Lockeres Stelldichein des Vorstands des SC Pfullendorf 1969 im 50. Jubiläumsjahr im Waldstadion, von links: Vorsitzender Walter Mülhaupt, Schriftführer Klaus Epple, Kassenwart Emil Heim, Platzkassierer Anton Bosch, Spielausschuss-Vorsitzender Hans Armbruster und stellvertretender Vorsitzender Paul Woerz.
Lockeres Stelldichein des Vorstands des SC Pfullendorf 1969 im 50. Jubiläumsjahr im Waldstadion, von links: Vorsitzender Walter Mülhaupt, Schriftführer Klaus Epple, Kassenwart Emil Heim, Platzkassierer Anton Bosch, Spielausschuss-Vorsitzender Hans Armbruster und stellvertretender Vorsitzender Paul Woerz. | Bild: Verein

1969 blickt der SC Pfullendorf im August auf sein 50-jähriges Bestehen zurück, verbunden mit einem neuntägigen Pokalturnier mit Mannschaften der Bodenseeregion. Im Einlagespiel gegen den vier Klassen höheren Regionalligisten Stuttgarter Kickers schlagen sich die Pfullendorfer sehr tapfer beim 0:7.

Der langjährige SCP-Fußballer Eduard Allweyer mit der Jubiläumsbroschüre von 1969. Bild: Jürgen Witt
Der langjährige SCP-Fußballer Eduard Allweyer mit der Jubiläumsbroschüre von 1969. | Bild: Witt, Jürgen

"Talente hatten wir damals schon"

Eduard Allweyer spielte von der Pike auf beim SC Pfullendorf. Der heute 81-Jährige glänzte als technisch versierter Ballverteiler und blickt mit einem Schmunzeln auf die 1960er Jahre zurück.

Herr Allweyer, Sie waren als gebürtiger Pfullendorfer für viele Jahre der unverzichtbare Impulsgeber...

Ja, ich fing 1952 beim Sportclub in der A-Jugend an und spielte bereits in der Saison 1954/55 in der ersten Mannschaft – mit 17,5 Jahren per Sondergenehmigung, genauso wie mein Jugendkamerad Franz Endres.

Nach dem dritten Abstieg aus der 2. Amateurliga, 1966, brauchte der SCP einen siebenjährigen Anlauf, um in jene Spielklasse zurückzukehren...

Das war unser Anspruch. Dafür ist Peter Weber 1967 als Spielertrainer von Krane verpflichtet worden. Der Mann kam aus Überlingen und brachte Erfahrung mit, hatte schon beim FC Konstanz gespielt. Er hat ein sehr ordentliches Training gemacht, für mich war es die erste richtige Vorbereitung.

Und dann 1969, im Jahr des 50-jährigen Vereinsjubiläums, fehlte ein lächerlicher Punkt, der Ihnen den Wiederaufstieg verwehrte...

Man muss aber auch sehen, dass die damalige A-Klasse die fünfthöchste deutsche Spielklasse war und schon ordentliche Mannschaften im Wettbewerb standen.

Und die 1958 stationierte Bundeswehr half beim SCP tüchtig mit?

Ja, von ihr haben wir ein bisschen Verstärkung gekriegt. Unter den vielen kann ich mich an Walter Marx, Heinz Schulz, Alex Rösser, Heinz Gissübel, Wilfried Ritter unsd Sepp Pfluger sehr gut erinnern, die Stützen der Mannschaft wurden. Auch Peter Hermann war ein sehr guter Fußballer trotz mangelndem Trainingsfleiß.

Der Trainerjob besaß noch nicht den heutigen Stellenwert?

Nein, überhaupt nicht. Mein erster Trainer war der Gewerbeschulrat August Wielath. Ihm folgten Hauptfeldwebel Werner und Hans Müller aus Markdorf. 1964 war Hermann Rößler unser Trainer. Und Hans-Hermann Krane sprang 1966 als Spielertrainer ein.

Und wie sah es mit den Pfullendorfer Eigengewächsen aus?

Einige Talente hatten wir damals schon: Mit Roland Sautter, Bruno Perlak, Klaus Epple, Peter Endres, Kurt Maier, Roland Mayer und Hansi Kessler.

Erinnern Sie sich noch an eine heitere Episode aus den 1960er Jahren?

Beim FC Schonach kam es zum Eklat: Ritter warf Kieselsteine auf Zuschauer, er flog mit Sigurd Eisele vom Platz. Krane und Schulz bezweifelten beim Schiedsrichter die richtige Entfernung bei einem gegnerischen Freistoß, sie wollten die neun Meter Abstand mit einem Meterstab nachmessen. Vereinsintern sind sie danach für zwei Spiele gesperrt worden.

Wie wichtig war der innere Zusammenhalt?

Ganz wichtig. Unser Vereinslokal war der „Deutsche Kaiser“ und da war immer was los. Peter Weber hatte kameradschaftlich alles aufgebaut. Und Krane war der Initiator. Er baute auf festem Fundament, unter ihm ist der Sportclub zum Aushängeschild für die ganze Region geworden. (jüw)