„Der Wunsch, Kinder zu unterrichten, kam in der Volksschule auf, ich hatte damals eine tolle Lehrerin und wollte so werden wie sie – oder noch besser“, sagt Realschulleiterin Gabriele Fischer. So brachte sie später ihren Schülern Deutsch, Sport und Ethik bei, begleitete viele Jahrgänge auf dem Weg vom Fünftklässler ins Teenager-Leben. „Es freut mich sehr, wenn ehemalige Schüler feststellen, dass sie auch heute noch einmal gerne in unsere Schule gehen würden.“

Im Alter von 25 Jahren trat sie in den Schuldienst ein, allein 29 Jahre lang unterrichtete sie an der Dollinger Realschule in Biberach, zuletzt als Konrektorin. Im August 2009 kam Fischer nach Pfullendorf, um hier die Leitung der Realschule Am Eichberg zu übernehmen. „Ich habe mich auf die Stelle beworben und kam von einer Riesenschule an eine kleine Schule. Biberach war in den 80er Jahren mit 1600 Schülern die größte Realschule in Baden-Württemberg“, erinnert sich die 62-jährige. Doch gerade die überschaubare Zahl an Schülern in Pfullendorf gefiel ihr besonders. „Ich kenne meine Pappenheimer“, sagt sie liebevoll.

In der Realschule hat sich im Laufe der Zeit so einiges geändert. Die Gebäude der früheren Landwirtschaftsschule mit angeschlossenem Internat wurden sukzessive renoviert, die technische Ausstattung und das Mobiliar wurden erneuert. Heute sind alle Klassenzimmer mit Beamer, Laptop und Dokumentenkamera ausgerüstet. Das Schülercafé und die Mediathek wurden eingerichtet, in Kooperation mit der Kasimir-Walchner-Schule kamen Mensa und Gymnastikraum hinzu. „Es war mir auch ein wichtiges Anliegen, Bildungspartner zu finden und die Schule zu vernetzen. Unsere Schüler haben heute die Möglichkeit, Praktika in Betrieben wie Geberit, Kramer Werke oder Kipptor-Bau zu machen.“

Eine von Fischers ersten großen Aufgaben war die Umsetzung des Bildungsplans von 2004. „Wir haben ein Portfolio erstellt und für alle Fächer und Jahrgänge die im Bildungsplan formulierten Ziele in einen Lehr- und Stoffverteilungsplan umgesetzt“, erinnert sie sich. 2016 dann der neue Bildungsplan mit dem Projekt „Realschule plus“. Die Einteilung in Niveaustufen stieß bei Fischer auf wenig Gegenliebe. Was sie sich wünschen würde, hätte sie beim Kultusministerium einen Wunsch frei? Da muss Fischer nicht lange überlegen: „Zurück zur verbindlichen Grundschulempfehlung.“ Geht es nach ihr, soll an der Einteilung in die Schularten festgehalten werden. „Das Modell Gemeinschaftsschule nach dem Schweizer Pädagogen Müller lässt sich nicht auf hiesige Verhältnisse runterbrechen. Das wird uns um die Ohren fliegen“, ist Fischer überzeugt. Was ihr zusetzt: „Ein Bildungssystem, das wenig wertschätzt, aber den Rotstift meist an den falschen Stellen ansetzt und viel unnötigen Ballast auf die Lehrer geworfen hat.“ Auch sieht sie die Notwendigkeit, die Schulsozialarbeit aufzustocken. „Frau Mahlenbrey ist an drei Vormittagen in der Woche bei uns, doch 35 Prozent Schulsozialarbeit ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Schulen brauchen jemanden, der täglich da ist.“

Wie steht sie zum Thema Neubau der Realschule, im Gespräch ist das Gelände bei der Sechslindenschule? Daran führt aus Fischers Sicht kein Weg vorbei, denn sämtliche Kapazitäten in beiden Gebäuden sind ausgereizt und auf dem Grundstück selber ist eine Aufstockung oder Erweiterung nicht realisierbar. „Wir haben zum Teil klitzekleine Klassenzimmer, Gruppenarbeit findet mitunter auf dem Flur statt, das Ex-Fotolabor im Keller ist inzwischen ein Arbeitsraum, im früheren Kartenraum trifft sich die SMV. Alle Nischen sind ausgenutzt“, sagt Fischer. Zeitweise wurde sogar ein Raum im benachbarten Feuerwehrhaus von der Schule genutzt.

In positiver Erinnerung bleibt Fischer neben den vielen schönen Erlebnissen mit den ihr anvertrauten Schülern auch die Offenheit und der Zusammenhalt des Kollegiums sowie der respektvolle, freundliche Umgang miteinander. Am 31. Januar ist die offizielle Verabschiedung.

 

Realschule Am Eichberg

Die Realschule Am Eichberg feierte 2014 ihr 40-jähriges Bestehen. Rund 300 Schüler werden von 24 Lehrern unterrichtet. Derzeit gibt es 13 Klassen, alle zweizügig, bis auf die sechste Klasse, die dreizügig ist. (kaj)