Der Abschluss der SÜDKURIER-Sommertouren führte zu den üblicherweise verschlossenen Kapellen in Wattenreute und Brunnhausen. "Wie alle Jahre wieder" war die Sektion Pfullendorf des Deutschen Alpenvereins (DAV) Partner der SÜDKURIER-Tour. Geführt wurden die 14 Wanderfreudigen von Jürgen Heim und Klaus Epple. "Wir bleiben im Ländle", sagt Jürgen Heim.

Eine süße Zwischenmahlzeit für die Wanderer. "Einfach mitnehmen", verkündete das Schild an einem abgebrochen Ast voller süßer Zwetschgen in Denkingen. Von links: Reinhard und Renate Reitinger, Franz Grumann, Hannelore Heim und Günter Bühler.
Eine süße Zwischenmahlzeit für die Wanderer. "Einfach mitnehmen", verkündete das Schild an einem abgebrochen Ast voller süßer Zwetschgen in Denkingen. Von links: Reinhard und Renate Reitinger, Franz Grumann, Hannelore Heim und Günter Bühler. | Bild: Sandra Häusler

Die DAV-Sektion wolle auf ihren Touren Türen öffnen und das zeigen, was sonst nicht zu sehen ist, unterstrich Klaus Epple. Vom Waldstation aus machte sich die Gruppe am frühen Vormittag durchs Tiefental auf die rund 14 Kilometer lange Wanderung. Die Sonne ließ den Tau in den Spinnennetzen wie kleine, an einer Schnur aufgefädelte Diamanten glänzen.

Erste Station bei Kapelle St. Florian

Erste Station war die im Jahre 1717/1718 erbaute Kapelle St. Florian in Wattenreute. Kapellenverantwortlicher Reinhard Reitinger berichtete, dass im Jahre 1732 der Bischof von Konstanz die Erlaubnis gegeben habe, in der Kapelle zu zelebrieren. Davon zeugt noch heute die Original-Urkunde in der Kapelle. Nach einer Renovierung im Jahr 1932 folgte 1982/1983 eine komplette Innen- und Außenrenovierung mit vielen Eigenleistungen der Wattenreuter Einwohner.

Kapellenverantwortliche Rosemarie Schwendemann führte durch die Kapelle St. Georg in Brunnhausen.
Kapellenverantwortliche Rosemarie Schwendemann führte durch die Kapelle St. Georg in Brunnhausen. | Bild: Sandra Häusler

Eine wertvolle gotische Madonna aus dem Jahr 1500 wurde ins Pfullendorfer Pfarrhaus zur sicheren Verwahrung gebracht. In der Kapelle wird heute nur noch am 4. Mai das Patrozinium des Schutzpatrons und eine Maiandacht gefeiert. Reinhard Reitinger würde sich freuen, wenn wieder mehr Leben in die Kapelle einkehren würde. Interessierte Gruppen dürfen sich gerne bei ihm melden. Die Wanderer stimmten das St.-Florianslied an.

An der Strecke gab es auch tierische Begegnungen.
An der Strecke gab es auch tierische Begegnungen. | Bild: Sandra Häusler

Eine "tierische Begegnung" hatten sie mit den Dromedaren in Wattenreute. Danach wanderten sie über Sylvenstal, "ein gepflegtes Dörfle", wie Teilnehmer Günter Bühler beeindruckt äußerte, über den Grauwaldweg nach Denkingen. Gerne nahmen die Wanderer dort das Angebot an, von einem abgebrochenen Ast im Wohngebiet reife Zwetschgen zu pflücken. Dazu lud ausdrücklich ein Schild ein. Eine leckere und willkommene Zwischenmahlzeit! Im Gewann Falken ließen sich die Wanderer im schattigen Wald zum Vesper nieder. "Ich bin ja noch jung", meinte der 82-jährige Heinz Harder aus Illmensee, als er auf einen liegenden Baumstamm stieg.

Am Waldstadion Pfullendorf startete die SÜDKURIER-Sommertour mit dem DAV Pfullendorf zu den Kapellen. Von links: Karl Kempter, Artur Schatz, Reinhard Reitinger, Günter Bühler, Renate Reitinger, DAV-Vorsitzender Jürgen Heim, Rita Heun und Anton Uhl.
Am Waldstadion Pfullendorf startete die SÜDKURIER-Sommertour mit dem DAV Pfullendorf zu den Kapellen. Von links: Karl Kempter, Artur Schatz, Reinhard Reitinger, Günter Bühler, Renate Reitinger, DAV-Vorsitzender Jürgen Heim, Rita Heun und Anton Uhl. | Bild: Sandra Häusler

Die zweite Kapellenstation war in Brunnhausen. Kapellenverantwortliche Rosemarie Schwendemann empfing die Wanderer in der als Kapellen-Kleinod in Oberschwaben bekannte Kapelle St. Georg. Die Kapelle wurde aufgrund eines Gelübdes 1598 durch einen Brunnhauser Bürger am Pfullendorfer Wallfahrts-Pilgerweg vom Bodensee zu Maria Schray gebaut.

Immer wieder gestrichen und renoviert

1611 wurde die einfache Kapelle mit einem Altar aus Ziegelsteinen eingeweiht. Durch die vielen Pilger wurde die Kapelle schnell zu klein, erzählte Rosemarie Schwendemann. 100 Jahre später wurde das Langhaus angebaut, Altäre wurden gestiftet. 1620 entstanden die Malereien im Hochalter, die übertüncht wurden. Die Kapelle wurde immer wieder gestrichen und renoviert, hauptsächlich wurde dies von vier Brunnhauser Familien gestemmt, gab sie einen Überblick über die Entwicklung.

Rosemarie Schwendemann (vorne Mitte) empfing die Wanderer in der Kapelle St. Georg in Brunnhausen.
Rosemarie Schwendemann (vorne Mitte) empfing die Wanderer in der Kapelle St. Georg in Brunnhausen. | Bild: Sandra Häusler

Die Malereien wurden erst 1996 wieder freigelegt. Die Decke stamme aus dem ausgedienten Fußboden der Illmenseer Kirche. 2004 war die Kapelle mit einem großen Fest wieder eingeweiht worden, berichtete Rosemarie Schwendemann. Im Reiterstüble in Brunnhausen bewirtete Thomas Hiestand, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Pfullendorf, die Wandergruppe. Über den Stadtweg und den oberen Spazierweg der Fuchshalde kehrte die Gruppe gegen 15 Uhr wieder an den Ausgangsort zurück.

Mitwanderer haben viel Spaß an der Tour

"Die Wanderung hat sich gelohnt. Ich habe so viel Interessantes erfahren", war Günter Bühler aus Altheim begeistert. Dies schreibt er auch den Mitwanderern mit ihren Erzählungen zu. Anton Uhl will die Tour mit seiner eigenen Wandergruppe nochmals gehen. "Mehr geht nicht", lobte er. Und auch Christa Grumann freute sich über die Wanderung, deren Startpunkt für die Pfullendorferin direkt vor der Haustüre lag.