Es kommt wohl nicht oft vor, dass ein ranghoher Kleriker extra aus dem Ausland in den Linzgau reist. Am Sonntag war das so. Der syrisch-orthodoxe Bischof Mor Klewis Daniel Gevriye war aus Beirut im Libanon gekommen, um Pfarrer Issa Gharib zum Dekan zu weihen.

Auch Mor Philoxenos Matthias Nayis, Erzbischof aus Warburg und Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Christen in Deutschland, zelebrierte die rituelle Weihehandlung mit.

Dekan Issa Gharib sprach im neuen Gewand zu den Gläubigen.
Dekan Issa Gharib sprach im neuen Gewand zu den Gläubigen. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Rund 700 Gläubige in der Jakobuskirche

Rund 700 Gläubige füllten die katholische Jakobuskirche. Erzabt Tutilo Burger vom Kloster Beuron hatte Bruder Jakobus Kaffanke mitgebracht, Bürgermeister Thomas Kugler und der Landtagsabgeordnete Klaus Burger (CDU) saßen mit ihren Ehefrauen in der ersten Reihe und Johannes Tanzi, der Vorsitzende der syrisch-orthodoxen Gemeinde, dürfte vermutlich gebetet haben, dass alles klappt.

Für Sicherheit der Besucher gesorgt

Männer mit grünen Armbinden beobachteten stets das Geschehen. Sie waren als Sicherheitsdienst abgestellt. Auch vor der Kirche standen vier Mann und die Polizei hatte man gebeten, doch „alle halbe Stunde mal“ um die Kirche zu fahren, wie Tanzi gegenüber dem SÜDKURIER erläuterte. Man wollte kein Sicherheitsrisiko eingehen.

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Gottesdienst über zweieinhalb Stunden

Der Gottesdienst dauerte über zweieinhalb Stunden und war geprägt von Ritualen, Gesängen und der Liturgie in aramäischer Sprache, die auch von Jesus gesprochen wurde und den Kindern von Pfarrer Gharib beigebracht wird.

Gemeinde umfasst 120 Familien in Pfullendorf

Der Mann, der stets in einer schwarzen Robe in Pfullendorf unterwegs ist, betreut nicht nur die 120 Familien mit rund 700 Mitgliedern in Pfullendorf. Auch in Konstanz und in Lahr kann man ihn treffen, denn auch diese Orte gehören zur Gemeinde in Pfullendorf.

Und so war es kein Wunder, dass ungewöhnlich viele Autos mit den Kennzeichen KN und FR im Stadtgebiet geparkt waren. In der Kirche saßen Frauen und Männer getrennt. Orgelspiel ist bei syrisch-orthodoxen Gottesdiensten nicht üblich. Dafür gab es zwei Kirchenchöre, auch hier nach Geschlechtern getrennt.

Bischof Daniel aus Beirut, Erzbischof Matthias aus Warburg und Mönch Stefan (von rechts) weihten den Pfarrer zum Dekan. Somit ist Pfullendorf jetzt Dekanatssitz, was in der langen Geschichte noch nie war.
Bischof Daniel aus Beirut, Erzbischof Matthias aus Warburg und Mönch Stefan (von rechts) weihten den Pfarrer zum Dekan. Somit ist Pfullendorf jetzt Dekanatssitz, was in der langen Geschichte noch nie war. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Jubelschreie der Frauen in der Liturgie verankert

Ungewöhnlich waren die „Tahalil“, die Jubelschreie der Frauen, die an bestimmten Stellen der Lithurgie große Freude ausdrücken sollen. Überhaupt die Liturgie: Sie ist voll von Ritualen, die der Außenstehende nicht versteht, für die Gläubigen am Sonntag aber viele Bedeutungen haben. Schriftlesungen gab es in deutscher und arabischer Sprache und es wurde viel gesungen.

Neuer Dekan erhält Festgewand

Pfarrer Issa Gharib stand am Seitenaltar und wartete, bis ihm bedeutet wurde, dass er jetzt nach vorn kommen soll. Den Kopf mit einem Tuch bedeckt und die Heilige Schrift von den Zelebranten darüber gehalten, begann dann die Zeremonie, die damit endete, dass dem neuen Dekan ein Festgewand angezogen wurde. Der 66-jährige Gharib hat zwar schon das Rentenalter erreicht, aber in seiner Kirche ist man auf immer Pfarrer.

Pfarrer Daniel Burk hatte für den neuen Dekan ein Geschenk mitgebracht.
Pfarrer Daniel Burk hatte für den neuen Dekan ein Geschenk mitgebracht. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Evangelischer Pfarrer Daniel Burk gratuliert für christliche Gemeinden

Und vermutlich würde in Pfullendorf sowieso niemand auf ihn verzichten wollen. Denn Ökumene besteht in der Linzgaustadt aus drei Teilen. Das machte auch der evangelische Pfarrer Daniel Burk deutlich, der auch für die katholische Gemeinde sprach und die enge Verbundenheit mit seinem Amtsbruder Issa Gharib lobte.

Am Kirchenausgang gab es für die Gläubigen gekordelte Bändel in Rot-Weiß. Sie waren nicht nur eine Erinnerung an den Festgottesdienst, sie symbolisieren auch die Verbundenheit Gottes mit den Menschen. Und diese liegen dem neuen Dekan sehr am Herzen. Auch Pfullendorf, das er mehrfach positiv erwähnte.