Früher wurden Pferde vor allem für die Feld- und Waldarbeit eingesetzt. Das war auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch so, weil es kaum Traktoren gab. Da fing Fritz Schultheiss mit dem Züchten von Pferden an, die man vielseitig einsetzen konnte. Er entschied sich für die Kaltblutrasse "Schwarzwälder Fuchs".

Sohn Werner hat die Zucht weitergeführt und betreibt seit 20 Jahren in Sahlenbach eine Deckstation. Prachtstück ist Elitehengst Rubin, der bei den Stutenbesitzern sehr beliebt ist. Die kommen nämlich in das kleine Dorf bei Aach-Linz, wenn sie sich Fohlen wünschen.

Kaum noch als Arbeitspferde eingesetzt

Die Töchter und Söhne von Rubin werden übrigens nur noch zu 20 Prozent als Arbeitspferde eingesetzt. Sie sind stattdessen sehr beliebt als Reittiere und für das Ziehen von Gespannen. Auch so manches Dressurpferd ist ein "Schwarzwälder". Der St. Märgener Fuchs ist der Ursprung. Heute gibt es dort noch drei Züchter. St. Märgen ist aber nach wie vor die Hochburg der Rasse.

Insgesamt 50 Pferde im Stall

"Man kann natürlich auch künstlich besamen", sagt Fachmann Schultheiß, der insgesamt 50 Pferde im Stall stehen hat. Viele Pferdehalter bevorzugen aber den so genannten "Natursprung". Künstliche Besamung ist teurer. Man braucht das Material und einen Tierarzt. Und nicht alle Tierärzte machen künstliche Besamungen bei Pferden. Außerdem muss man ständig kontrollieren wann es soweit ist. "Es", das ist die Zeit, wenn die Stute "rossig" ist, also bereit für eine Schwangerschaft.

Beim Natursprung ist das nicht so kompliziert. Man bringt die Stute zum Hengst und lässt sie dort. Eine Stute muss getupfert werden. Dabei handelt es sich um eine bakteriologische Untersuchung von Sekret des geöffneten Muttermundes. Der Test soll bestätigen, dass das Tier keine Infektionen im Genitalbereich hat. Zudem muss das Tier zum Decken freigegeben sein und über einen Stutenpass verfügen. Hengste werden übrigens auch getupfert.

Hengst kann mehrmals täglich decken

Elitehengst Rubin ist 14 Jahre alt und Vater von unzähligen Fohlen. Im Stall stehen auch noch fünf seiner Kollegen und alle haben eine Menge zu tun. "Drei- bis fünfmal am Tag kann so ein Hengst decken", sagt Schultheiß. Und der Bedarf ist da. Bis aus Dänemark, Österreich, der Schweiz und sogar aus Irland kommen Stutenbesitzer. Sie achten auf die Blutlinien und das Aussehen der Hengste. Man will Stuten verbessern beispielsweise beim Gang, bei der Bewegung, beim Typ oder auch der Farbe.

Direkter Kontakt zum Züchter gefragt

Ausländer kaufen Pferde. Samen müssen sie im Gestüt holen. Aus Norddeutschland, Österreich und Frankreich bringen Pferdehalter aber auch ihre Stuten nach Sahlenbach. "In der Schwarzwälderzucht will man den Hengst sehen, will man Kontakt halten", weiß der Züchter." Das Landesgestüt in Marbach halte zwei Hengste der Rasse Schwarzälder. Etwa 60 Stuten pro Jahr werden in Sahlenbach gedeckt. "Es kann sein, dass zehn Tiere gleichzeitig dastehen", sagt der Pferdefachmann. Manchmal geht aber "gar nichts".

Wenn eine Stute rossig ist, dann kann es eine Woche dauern, bis eine Trächtigkeit eingetreten ist. Und die stellt der Tierarzt dann mittels mobilem Ultraschallgerät fest. Auch wenn eine Stute mit den Hufen schlägt, wenn sich ihr der Hengst nähert, ist das ein Zeichen, dass sie trächtig ist. Das Futter für die Pferde wird selbst angebaut. Heu und Hafer stehen auf dem Speiseplan und natürlich auch etwas Mineralfutter. Stroh wird zugekauft.

Fohlen stehen sechs Monate bei Stuten

Fohlen oder ausgebildete Pferde werden verkauft. Der Nachwuchs steht sechs Monat bei einer der zwölf Zuchtstuten und ernährt sich von Stutenmilch und Futter. In Sahlenbach werden Pferde aber auch ausgebildet für das Reiten und das Fahren mit der Kutsche. Werner Schultheiss selbst reitet nur gelegentlich. Früher war er auch beim Blutritt in Weingarten dabei. Ansonsten beschränkt er sich aus Fahren.

Töchter Svenja und Selina lieben das Reiten

Ehefrau Fidelia kommt vom Hof und liebt Pferde. Selbst reitet sie aber nicht. Ganz im Gegensatz zu den beiden Töchtern Svenja (19) und Selina (18), die für die Ausbildung der Pferde zuständig sind. Beide sind auch im Landeskader für das Fahren. Immer am Wochenende nach Pfingsten geht es in die "Pullmann-City bei Passau" für Vorführungen im Fahren mit Akrobatik. Am 19. Mai wird 20-jähriges Bestehen der Deckstation gefeiert. Geplant ist ein vielfältiges Schauprogramm mit anschließendem Züchterhock.