Pfullendorf – 1550 Tage: So lange hat Abbas Musa für den Weg aus seiner Heimatstadt Hassaka in Syrien nach Pfullendorf gebraucht. Er ist einer von rund 1260 Flüchtlingen im Landkreis Sigmaringen. Ende 2014 machte der Familienvater sich über die Balkanroute auf den Weg nach Deutschland. Über München, Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim und Sigmaringen verlief sein Weg, bis er im Februar 2017 in Pfullendorf ankam.

Seine Familie ließ Abbas Musa damals vorerst zurück, um sie später nachzuholen. "Ich flüchtete gemeinsam mit einer Gruppe von Männern. Wir gingen zu Fuß, fuhren mit Autos und ab Österreich nahmen wir den Zug", erzählt der 38-jährige Syrer. Zwei Jahre verbrachte er in der Asylbewerberunterkunft im alten Hotel Fürstenhof in Sigmaringen. Im April 2016 durfte er dank seiner Aufenthaltserlaubnis einen Antrag stellen, um seine Familie nach Deutschland zu holen. Im Frühjahr 2017 die gute Nachricht: es klappt, die Familie kommt.

Zu dieser Zeit entstand in Pfullendorf auch der Helferkreis für Flüchtlinge. Einer der Mitgründer ist Dirk Bembennek: "Wir starteten mit 15 bis 20 Helfern. Inzwischen sind es noch ungefähr zehn." Die Mitglieder des Helferkreises helfen ehrenamtlich, die Flüchtlinge in Pfullendorf zu integrieren. In Abstimmung mit dem Caritasverband Landkreis Sigmaringen unterstütze der Helfekreis die Flüchtlinge in verschiedenen Bereichen: bei der Arbeitssuche, bei Fahrten zu Terminen, dem Ausfüllen von Papieren.

Dirk Bembennek, Mitgründer und Mitglied im Helferkreis für Flüchtlinge.
Dirk Bembennek, Mitgründer und Mitglied im Helferkreis für Flüchtlinge. | Bild: Lara Auerswald

Zweimal pro Woche geben Ursula Barry und Gisela Rimmele vom Helferkreis Deutschunterricht in der alten Ziegelei Ott. Beide Frauen sind tatkräftige Mitglieder im Helferkreis. "In der Ziegelei sind derzeit zwischen zehn und zwölf Flüchtlinge untergebracht. Die Anzahl ändert sich jedoch stetig", sagt Hans-Jürgen Rupp, Mitarbeiter der Stadt Pfullendorf. Insgesamt habe das Landratsamt Sigmaringen in den vergangenen sechs Jahren 63 Asylbewerber nach Pfullendorf überwiesen, erklärt Tobias Kolbeck, Pressesprecher des Landratsamtes Sigmaringen.

Bisher haben Dirk Bembennek zufolge nur wenige der geflüchteten Männer in Pfullendorf einen Job gefunden. "Diejenigen, die mit der Sprache gut zurechtkommen, kriegen auch leichter einen Job", erklärt Bembennek. "Im ersten Jahr nach ihrer Flucht brauchen sie meist Zeit für den wichtigsten Schritt: die Integration. Die Männer und Familien haben alle ein Päckchen zu tragen, mit dem sie erst einmal klarkommen müssen."

Dieses "Päckchen" tragen auch Abbas Musa und seine Familie mit sich. Nach mehr als drei Jahren in Deutschland hat sich der bald vierfache Vater jedoch gut integriert. Er fühlt sich wohl in Deutschland und ist froh um seinen Job bei Geberit, sagt der 38-Jährige. Seine Frau Sinem Ahmad besucht derzeit einen Alphabetisierungskurs in Sigmaringen und kümmert sich um den Haushalt und die drei Kinder. Die 36-Jährige fühlt sich sehr wohl und sicher in Deutschland: "Ich habe viele Freunde gefunden." Ihr Traum sei es, eines Tages als Schneiderin zu arbeiten. Regelmäßig bekommt Sinem Ahmad privaten Deutschunterricht von Ulrike Tetzner, Mitglied im Helferkreis.

Auf die Frage, ob es viele Probleme in den Schulen oder im Alltag mit den Flüchtlingen gebe, schüttelt Dirk Bembennek den Kopf: "Das einzige Problem ist manchmal die Sprache. Ansonsten bringen sich die Flüchtlinge in Pfullendorf gut ein und es gibt kaum bis gar keine Probleme." Schwierigkeiten hatte auch Abbas Sohn Weis nur zu Anfang. "Bevor er im September vergangenen Jahres in die Härle-Schule kam, fiel ihm die Integration schwer", sagt der Vater. Mit der Einschulung habe sich das erledigt.

Die Familie ist gut in Deutschland angekommen, sagt Abbas Musa. Pfullendorf gefällt ihnen sehr. Seine Heimat vermisst er trotzdem. "Vor dem Krieg war es eine schöne Stadt." Sollte der Krieg eines Tages vorbei sein, könne er sich auch vorstellen, zurück nach Syrien zu gehen.

Für die Zukunft hat sich der Helferkreis besonders eines vorgenommen: "Wir möchten eine bessere Basis für die Flüchtlinge aufbauen. Die Hilfeleistungen besser strukturieren und so vor allem das Thema Arbeit in den Fokus setzen", sagt Dirk Bembennek.

Ehrenamtlicher Helferkreis

Die Planung des Helferkreises für Flüchtlinge begann Ende 2016. Im Februar des darauf folgenden Jahres wurde er gegründet. Unterstützt wird der ehrenamtliche Zusammenschluss insbesondere von der evangelischen und auch der katholischen Kirchengemeinde. Im Rahmen des Helferkreises findet jeden Freitag ab 17.30 Uhr das Weltcafé im Foyer der Christuskirche statt. Die Helfer unterstützen die Flüchtlinge in diversen Bereichen, wie beispielsweise Deutschunterricht, Arbeitssuche und weitere Hilfeleistungen. Der Helferkreis arbeitet in Absprache mit dem Caritasverbund Landkreis Sigmaringen. Derzeit zählt der Helfekreis circa zehn aktive Mitglieder.(lar)