Ein großer Andrang herrschte im Atelier Laubbach, wo Sigrid und Peter Weydemann die diesjährige Dauerausstellung eröffneten. Vor zwei Jahren hatten sie ihr Ausstellungskonzept geändert und wollten auf Vernissagen verzichten. Jedoch die offensichtliche Hemmung der Kunstinteressierten, sich telefonisch für eine Besichtigung zu melden, ließ sie dazu bewegen, wieder zweimal im Jahr zu einer Eröffnung einzuladen.

Die Ausstellung, die bis Herbst zu sehen ist, nenne sich zwar Dauerausstellung, dies bedeute jedoch nicht, dass über diesen Zeitraum stets die gleichen Arbeiten präsentiert würden. „Ein mehrmaliger Besuch lohnt sich, da wir permanent Werke austauschen“, erklärte Sigrid Weydemann bei der Eröffnung. Verkaufte Arbeiten würden nach einer gewissen Zeit herausgenommen, was unter Umständen weitere Wechsel nach sich ziehen und somit das Gesamtkonzept verändern könne.

Einen Großteil der Arbeiten wählen Sigrid und Peter Weydemann bei den Künstlern aus, doch ein beachtlicher Teil der Werke stamme auch aus ihrer eigenen angekauften Sammlung. „Es ist zu schade, diese in den Schubladen liegen zu lassen“, erklärte Peter Weydemann. Sie müssten gezeigt werden. Manchmal würden sie sich sogar von lieb gewonnenen Arbeiten trennen, wenn ein Käufer daran Interesse zeige. „Es kommen ja immer neue hervorragende Arbeiten dazu, die wieder Platz brauchen“, erläuterte Sigrid Weydemann.

Peter und Sigrid Weydemann (vorne, von rechts) stellten bei der Vernissage im Atelier Laubbach die Arbeiten der einzelnen Künstler vor.
Peter und Sigrid Weydemann (vorne, von rechts) stellten bei der Vernissage im Atelier Laubbach die Arbeiten der einzelnen Künstler vor. | Bild: Isabell Michelberger

Die momentane Auswahl umfasst vorwiegend Malerei von Werner Eberle (Ravensburg), Druckgrafik von Klaus Süß (Chemnitz), Rudi Pabel (Berlin) und Stefanie Marx (Leipzig) sowie Zeichnungen und Skulpturen verschiedener Künstler. „Rudi Pabel ist sowohl ein guter Künstler als auch ein guter Freund von uns“, erzählte Peter Weydemann bei der Eröffnung. Er habe mit ihm zusammen in Berlin studiert. „Dass wir so viele Bildhauer ausstellen, liegt an ihm“, ergänzte Sigrid Weydemann, die durch Pabel in den Studienjahren erst den Zugang zur Bildhauerei gefunden hat. In der Ausstellung zeigen sie Linoldrucke von Rudi Pabel. Die reduzierte Formensprache ist ungewöhnlich ausdrucksstark. Mit wenigen weißen Linien gelingt es dem Künstler, seinen flächigen schwarzen Figuren Charakter geben.

Die jahrelange malerische Erfahrung von Werner Eberle führte dazu, dass er eine starke Sensibilität für die farbliche Abstimmung und eine Ausgewogenheit von Formarrangements entwickelte. Die Farbflächen seiner abstrakten Bilder sind ausbalanciert und mit reizvollen Impulsen versehen. Seine Ausbildung als Schriftsetzer habe ihm mit Sicherheit ein gutes Fundament gegeben, das man manchmal an der Hochschule nicht bekomme, führte der Galerist aus.

Die Holzskulptur "Heranswachsende" von Jolanta Switajski aus alten Balken vor Kohlezeichnungen von Peter Weydemann.
Die Holzskulptur "Heranswachsende" von Jolanta Switajski aus alten Balken vor Kohlezeichnungen von Peter Weydemann. | Bild: Isabell Michelberger

Das Metier des Zeichners Peter Schulz Leonhard sind häufig das Theater, Ballett, Kabarett und die Literatur. Die Motive lädt er mit einer szenischen Bedeutung auf und erzählt dadurch Geschichten. Doch es sind nicht nur die Menschen, die ihn interessieren. Als er einen Arbeitsaufenthalt in Laubbach verbracht habe, hätten ihn die verschneiten Bäume fasziniert. „Er ist immer wieder nach draußen gegangen, um die Bäume zu studieren, und danach schnell in die Galerie zurückgerannt, um sich die Finger aufzuwärmen“, erzählte Peter Weydemann.

Von Stefanie Marx sind ebenfalls Linoldrucke in der Ausstellung zu sehen. „Ihre Arbeiten sind technisch hervorragend“, erläuterte der Galerist und Künstler Weydemann. Die Motive sind filigran ausgearbeitet, was nicht typisch für den Linoldruck ist. Dabei entwickeln sie eine enorme Dreidimensionalität. Die Maschinenteile, die sich im Druck „Adlerauge“ aus dem Vogel heraus entfalten, erinnern an ein feinmechanisches Uhrwerk, in dem die winzigsten Teilchen aufeinander abgestimmt sind. Sie sei eine absolute Präzisionsarbeiterin, die in Leipzig eine Galerie nur für Hochdruck-Arbeiten habe.

"Bin so klein ..." heißt die Skulptur aus Birkenholz von Jolanta Switajski.
"Bin so klein ..." heißt die Skulptur aus Birkenholz von Jolanta Switajski. | Bild: Isabell Michelberger

Die Holzdrucke von Klaus Süß zeigen kantige Motive, die durch ihre Dynamik und Schlichtheit teilweise archaisch und teilweise modern anmuten, aber auch an Graffiti denken lassen. Ruhe und eine sommerhafte Trägheit strahlt die wohltuend klare Architektur von Thomas Diermanns Terrakotten aus. Den Zauber der archaischen Formen verbreiten ebenso die Holzskulpturen von Jolanta Switajski, die mitten im Raum Kontakt zu dem Betrachter aufnehmen oder unauffällig am Rande den Blick auf sich ziehen.

Im Herbst wird diese Ausstellung im Wandel von einer neuen Auswahl abgelöst, die sich vorwiegend zwei Künstlern widmet: dem Fotografen Ferdinand Joesten aus Laubbach und dem Bildhauer Michael Jastram aus Berlin.