Wutentbrannt verfolgt das Volk die Räuber – doch diese entkommen. Als dann der Aufwiegler (Jürgen Arnold) das Wort erhebt, dass man sich von der Räuberbagage nicht mehr drangsalieren lassen möchte, fordern er und die aufgebrachte Menge: "Hängt sie auf!" Am Samstag fand die erste "Massenprobe" für das Ostracher Freilicht-Theater "Wenn der Schwarze Vere kommt" in der Ostracher Buchbühlhalle statt. Fünf Szenen probten die 35 Akteure mit Sprechrollen sowie die 60 Statisten an diesem Nachmittag.

Autor Ewald Reichle will mit dem Theaterstück nicht nur bekannte Fakten beleuchten, sondern auch Aspekte, die auch noch in unserer Gegenwart Gültigkeit haben könnten, transportieren und die Zuschauer und Akteure in die Zeit von 1815 bis 1819 hinein versetzen. Es war eine Zeit der Perspektivlosigkeit, Mittellosigkeit und landesweiten Hungers. Der Schwarze Vere soll trotz seines kleinkriminellen Tuns als Mensch dargestellt werden.

Kurze Abstimmung zwischen dem Ostracher Räubertrio (von links) Martin Klawitter, Ewald Reichle und Michael Skuppin bei der ersten Massenprobe in der Ostracher Buchbühlhalle zum Freilufttheater "Wenn der Schwarze Vere kommt".
Kurze Abstimmung zwischen dem Ostracher Räubertrio (von links) Martin Klawitter, Ewald Reichle und Michael Skuppin bei der ersten Massenprobe in der Ostracher Buchbühlhalle zum Freilufttheater "Wenn der Schwarze Vere kommt".

Die Macher des Theaters betitelt Bürgermeister Christoph Schulz liebevoll als "Räubertrio von Ostrach". Dies sind der Theatermacher und Autor Ewald Reichle, Co-Autor und Regisseur Michael Skuppin und Organisator Martin Klawitter. Sie sind bei der Massenprobe im Dauereinsatz. Über Funkmikrofon gibt Skuppin die Regieanweisungen, Klawitter ist Technik-Chef, Ewald Reichle strahlt glücklich: "Wenn man sieht, wie die Bilder, die man im Kopf entwickelt hat, lebendig werden, das ist wie eine Droge."

Michael Skuppin (vorne links) gibt bei der Massenprobe in der Buchbühlhalle Regieanweisungen.
Michael Skuppin (vorne links) gibt bei der Massenprobe in der Buchbühlhalle Regieanweisungen.

Anlässlich des 200. Geburtstags des Räuberhauptmanns "Schwarze Vere", alias Franz Xaver Hohenleiter, zeigt die Gemeinde Ostrach die humorvolle Räuber-und Liebesgeschichte als großes Freiluft-Theaterspektakel. Für fünf Aufführungen treibt der berühmt-berüchtigte Räuber mit seiner Bande vor dem ehemaligen Amtshaus in der Rentamtstraße in Ostrach erneut sein Unwesen. Die Lebensumstände zur damaligen Zeit im Dreiländereck und die Menschen aus dem Ostrachtal erwachen durch reale Menschen wieder zu neuem Leben. "Die Szene wirkt jetzt richtig gut mit allen Akteuren und Statisten", freut sich Alexander Zimmermann aus Burgweiler, der den Räuber Basti verkörpert.

Der württembergische Grenzsoldat (vorne v.l. Wolfgang Strobel), der badische Grenzsoldat (Peter Hornstein) und der hohenzollerische Grenzsoldat (Jürgen Spachtholz) werden beauftragt, den Schwarze Vere nicht mehr über die Grenze zu lassen.
Der württembergische Grenzsoldat (vorne v.l. Wolfgang Strobel), der badische Grenzsoldat (Peter Hornstein) und der hohenzollerische Grenzsoldat (Jürgen Spachtholz) werden beauftragt, den Schwarze Vere nicht mehr über die Grenze zu lassen.

Zur Besänftigung der Menge verspricht der Bezirksrichter (Volker Badouin) Rettung. Als er in die aufgebrachte Menge ruft:" Nur ein Räuber ohne Kopf und Kragen ist ein guter Räuber", reibt sich der Darsteller des Schwarze Vere, Stefan Schaut, unheilvoll den Hals. Die nächste Szenenprobe führt in den Ostergottesdienst. Während die einen Darsteller andächtig singen, üben die Dragoner im Foyer der Halle Gleichschritt. Die Laune ist gut, die Akteure sind motiviert dabei und die Spielfreude ist in ihren Gesichtern abzulesen. "Wir wachsen immer mehr zusammen", berichtet Wilhelm Skroch, der den "Condeere", den zweiten Räuberchef spielt. Manche Räuber brauchen keine Waffen, sondern setzen ihren Charme ein, verrät ein weiterer Räuber aus Ostrach augenzwinkernd.

Stefan Schaut schlüpft in die Rolle des Schwarze Vere.
Stefan Schaut schlüpft in die Rolle des Schwarze Vere.

Die Spieltermine

Das Ostracher Freilicht-Theater „Wenn der Schwarze Vere kommt“ wird an folgenden Terminen zu sehen sein: Freitag, 8. Juni, 19.30 Uhr, Premiere; Samstag, 9. Juni, 19.30 Uhr; Sonntag, 10. Juni, 19.30 Uhr; Mittwoch, 13. Juni, 19.30 Uhr; Freitag, 15. Juni, 19.30 Uhr und am Samstag, 16. Juni, 19.30 Uhr. Tickets und Informationen:www.schwarzervere.de.

Den wilden Blick kann er schon

Stefan Schaut, 48 Jahre alt und Zimmermeister aus Mengen, spielt beim Ostracher Freiluft-Theater den Räuber Schwarze Vere. Er erzählt, wie es dazu kam.

Wurden Sie für die Rolle ausgewählt, gab es ein Vorsprechen, oder haben Sie sich beworben?

Ewald Reichle kannte mich vom Theater „Marie Antoinette“ von Mengen. Ich war dort Statist. Vor rund anderthalb Jahren frage er mich, ob ich die Rolle des Schwarze Vere übernehmen möchte. Ich habe mich gefreut, es aber zunächst nicht richtig ernst genommen.

Haben Sie sich in diesem Zug mit der Geschichte des Räubers befasst?

Im Sommer 2017 hat Ewald Reichle sich nochmals konkret gemeldet. Den Schwarze Vere kannte ich von Biberach, ich besuchte die dortige Schwarze Vere-Ausstellung im Braith-Mali-Museum und habe mich dann mit ihm und seiner Zeit befasst.

Wie viel von Ihnen selbst steckt in dem „auferstandenen“ Schwarze Vere? Können Sie sich mit ihm identifizieren?

Im Grunde ist der Schwarze Vere geprägt von der Zeit. Die Umstände haben ihn zu dem gemacht, was er war. Den wilden Blick kann ich schon. Der Rest wird sich zeigen.