Soll das Vorhaben Biohybridanlage in Hahnennest realisiert werden, so muss der bestehende Bebauungsplan erweitert werden. "Denn laut Landrastsamt ist nur die Bearbeitung von Biogas abgesegnet, nicht aber klassisches Erdgas", erläuterte Bürgermeister Christoph Schulz. Im bislang rechtskräftigen Teil des Bebauungsplans muss deshalb ein kleiner Abschnitt abgeändert werden. Da eine Gasleitung durchs Gelände geht, will Erdgas Südwest mit der neuen Biohybridanlage die Möglichkeit haben, auch Erdgas zu verflüssigen. Schulz: "Es handelt sich um ein beschleunigtes Verfahren mit einer Offenlegung für einen Monat. Jedermann kann dazu Stellung nehmen."

Für nähere Erläuterungen war Melanie Gimmy gekommen. Sie ist bei Erdgas Südwest die Projektleiterin für Hahnennest und machte deutlich: „Was wir hier realisieren wollen, ist eine Anlage, die zunächst Biogas zu Biomethan aufbereitet, das dann auf minus 162 Grad heruntergekühlt und dadurch verflüssigt.“ Der Lagertank hat ein Volumen von 48 Tonnen. Das Gas kann dann abtransportiert werden. Die Anlage ist so ausgelegt, dass sie sowohl Biomethan als auch Erdgas verwerten kann. Biomethan findet Verwendung als Kraftstoff. Gemeinderat Alfred Stecher (CDU) hakte da gleich ein. "Wo steht die nächste Anlage? Wie ist das mit der Explosionsgefahr?" Gimmy blieb keine Antwort schuldig. Für Deutschland sei es die erste Anlage dieser Art. In Oslo stehe schon eine vergleichbare Anlage. Verflüssigungsanlagen gibt es schon länger, nur die Kombination für Biomethan und Erdgas ist neu. Solche Anlagen fallen nicht unter die Störfallverordnung. Es gebe aber Studien zu Problematik der Explosionsgefahr.

Ein Störfall wäre, wenn ein Gastankwagen wegfährt, ohne den Einfüllstutzen zu entfernen. Auswirkungen einer Explosion seien dann bis im Umkreis von 100 Metern spürbar. Aber da stehe nichts Schützenswertes. Gimmy: „Deshalb wurde das als unbedenklich eingestuft.“ Eine herkömmliche Verflüssigungsanlage stehe übrigens mitten in Stuttgart.

Burgweilers Ortsvorsteher Wolfgang Richter machte deutlich, dass bei der Infoveranstaltung von Erdgas Südwest in Waldbeuren außer Ortschafts- und Gemeinderäten kaum Zuhörer waren. Man wünsche aber auf jeden Fall keine weitere Lärmbelästigung. Seitens des zukünftigen Betreibers wurden Schallschutzmaßnahmen festgelegt, die den Grenzwerten entsprechen. „Wir haben aber schon in Kalkreute gesagt, dass es noch mehr Möglichkeiten gibt, wenn es Probleme geben sollte", betonte Projektmanagerin Gimmy. Die Anlage würde später auch rund um die Uhr laufen. Für Jörg Schmitt (SPD) ist die Frage der Lärmbelästigung ganz entscheidend. "Wir sollten da sehr offen damit umgehen.“ Je mehr die Bevölkerung einbezogen werde, desto höher sei die Akzeptanz. Die Anlage sei wohl mit Biogas alleine nicht ausgelastet. Könnte man sie nicht kleiner bauen? "Geht nicht", lautete die Antwort von Erdgas Südwest. Es seien bestimmte technische Standards vorgegeben. Die Anlage ist für 10 000 Kubikmeter ausgelegt, davon 600 Kubikmeter Biomethan. Bürgermeister Schulz brachte den Transport von Gas mit Schiffen mit in die Diskussion ein. Da laufe die Gasverflüssigung permanent. Und es sei noch nie ein Schiff explodiert. Er erinnerte auch daran, dass Gasmischungen auch ein Geschäftsfeld sein können, damit Haushalte den vom Gesetzgeber geforderten Anteil an regenerativen Energieträgern erfüllen könnten.

Wolfgang Richter bekräftige auf Nachfrage von Jürgen Arnold, dass der Ortschaftsrat sich für die Anlage ausgesprochen habe, wenn der Lärmschutz beachtet wird. Dem Gremium lag ein Brief der Dorfgemeinschaft Kalkreute vor. Konkreter Wunsch: ein Erdwall, weil Kalkreute in der Windrichtung liegt. Für Arnold ist klar: „Das ist die Baustelle, wo wir die Finger drauf haben müssen.“ Schulz machte deutlich, dass man einen Wall fordern könne. Es sei aber nicht sicher, was das Landratsamt damit mache. Er zeigte sich auch skeptisch, ob ein Wall hinter der Anlage einen Lärmschutz bringe. Arnold schlug vor, einen Wall aus dem Erdaushub zu gestalten, der bei den Baumaßnahmen anfällt. „Wir wären bereit, einen Erdwall zu bauen, wenn er etwas nützt", machte Melanie Gimmy ein Angebot. Es seien allerdings keine großen Erdbewegungen vorgesehen. Man müsste dann zusätzlich Erde hertransportieren. Schulz erinnerte an die Planungsvorgaben. Der Wall müsste dann in der freien Landschaft gebaut werden, die nicht Teil des Bebauungsplanes ist. Für ihn ist klar: "Die Anlage wird eine neue Geräuschquelle sein.

Jörg Schmitt will eine erschwerte Zulassung in Kauf nehmen. Der Lärmschutz müsse unbedingt gewährleistet sein. Gimmy machte deutlich, dass an der Anklage bereits Schalldämmungen gemacht wurden, um Grenzwerte einhalten zu können. Arno Demattio (SPD) schlug vor, den benötigten Erdaushub für den Wall aus dem Gewerbegebiet zu holen, wo derzeit gebaut werde. „Die Betreiber von Hahnennest haben den Bürgern versprochen, etwa gegen den Lärm zu tun", erinnerte Rudolf Birkhofer (CDU). Man müsste das aber nicht unbedingt an einem Wall festmachen. Es sollten aber Vorgaben in den Bebauungsplan aufgenommen werden. Kalkreute habe mit dem Lärm von der Biogasanlage und dem Geruch eines großen Schweinestalls schon jetzt eine große Belastung. „Dass die Grenzwerte eingehalten müssen, das steht im Gesetz", betonte der Bürgermeister. Die Frage sei, mit welchen Maßnahmen man noch mehr erreichen könne.

Gemeinderat Frank Bootz (SPF und Freie Bürger) forderte die die Aussage, dass ein Höchstwert festgelegt wird. "Es muss bestimmt werden, was vertretbarer Lärm ist." Er brauchte auch ganzjährige Messungen ins Gespräch, mit denen man auch feststellen könne, wie hoch die Lärmspitzen sind, die in Kalkreute ankommen? Laut Christoph Schulz sollte ein Fachmann bei der Abwägung dabei sein und erklären, ob ein Wall etwas bringt oder nicht. Entsprechend könne man dann die Forderungen stellen. „Gute Idee. Aber es sollte ein Fachmann sein, der nicht von Erdgas Südwest bezahlt wird", fügte Jürgen Arnold an. Für den Bürgermeister ist klar: "Am unabhängigsten ist der Gutachter, wenn wir ihn selbst zahlen.“ Einstimmig wurde dann der Aufstellungsbeschluss gefasst. Und es soll ein Gutachter kommen und geeignete Lärmschutzmaßnahmen vorschlagen.

Biohybrid Hahnennest

Die geplante Biohybrid-Anlage hat eine Aufbereitungskapazität von 1 000 Normkubikmeter Biogas pro Stunde und wird bis zu 10 Tonnen Bio-LNG pro Tag produzieren und speichern können. Zum Vergleich: Damit könnten rund 2 500 Durchschnittshaushalte ein Jahr lang mit Biomethan versorgt und gleichzeitig etwa 11 000 Tonnen CO2 eingespart werden. Durch das Herunterkühlen von 600 Kubikmetern Biomethan auf -162 Grad Celsius entsteht 1 Kubikmeter flüssiges Bio-LNG, das in mobilen Tanks gespeichert werden kann. Der Abtransport soll durch Lastwagen erfolgen. (kf)