Notrufe vernahm man vor genau 80 Jahren aus der Landwirtschaft. Der Kartoffelkäfer war, vom Westen kommend, im Anmarsch und bedrohte die Ernährungssicherheit des deutschen Volkes. Da schlugen die Alarmglocken, bei den Behörden, auf den Rathäusern, in den Schulen und in jeder Familie. Die Heimat sei bedroht, die Gefahr furchtbar, hieß es im örtlichen Medium.

Dieses berichtete, dass Schulkinder auf einem Felde in der Gemeinde Sigmaringendorf auf der Markung Laucherthal einen lebenden Käfer entdeckt hätten, der von der Kartoffelkäferabwehrdienststelle einwandfrei als Kartoffelkäfer festgestellt wurde. Die eingerichteten Suchdienste, hauptsächlich die Dorfschulen, bekamen sieben mal zehn Zentimeter große Sichtkästchen mit Abbildungen der Käfergeneration, von den Eiern über Larve und Puppe bis zum ausgewachsenen Schädling.

Das Blatt berichtete am 21. Juli 1938 von „nicht wieder gut zu machenden Verheerungen der Kartoffelfelder in Frankreich“. Das kann auch heute noch der Schreiber dieser Zeilen bestätigen, der im Jahre 1942 im Rahmen seiner militärischen Ausbildung in Orléans bei Ausfahrten die Schadbilder miterlebte: War ein Kartoffelfeld befallen, war tags darauf das gesamte Kartoffelkraut gefressen. Übrig blieben lediglich die Stängel. Am bitteren Geruch in der Luft war bereits aus weiterer Entfernung der Befall festzustellen. Von den Behörden wurde auf den Schaden eines einzigen Käfers mit 31 Millionen Nachkommen hingewiesen, der die Volksernährung in Gefahr setzen würde. Eventuelle Funde waren sofort dem Bürgermeister oder der Ortspolizeibehörde zu melden. Über Bekämpfungsmaßnahmen entschied dann der Kartoffelkäfer-Abwehrdienst.

Wirksame Gegenstrategie

Der schwarz-gelb gestreifte Schädling ist auch heute noch weltweit verbreitet. In Europa hatte es 1887 und 1914 größere Befallherde gegeben, zumal ihm hier auf dem Kontinent die natürlichen Fressfeinde fehlen. So wird der Kartoffelkäfer einerseits über chemische Mittel – zunächst mit Arsen, später durch Insektizide aus der Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe – bekämpft. Eine integrierte Strategie mit wechselnden Wirkstoffen sei wegen der Gefahr von Pestizidresistenzen erforderlich, wird von Wissenschaftlern empfohlen. Als biologisch wirksame Gegenmaßnahme gilt die Infektion der Käfer mit bestimmten Bakterienstämmen.