Intelligente Roboter in der Fabrik, smarte Technik im Büro: Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Vieles, was heute noch von Menschen erledigt wird, übernehmen morgen Maschinen. Diese Entwicklung bietet Chancen, birgt aber auch Risiken. Ein Mega-Markt der Zukunft, in dem binnen des nächsten Jahrzehnts 600 Milliarden Euro Umsatz generiert werden soll, ist die 3-D-Drucktechnik, die herkömmliche Fertigungsmethoden überflüssig macht. In Ostrach entstand vor einem Jahr mit dem Zusammenschluss der drei Firmen Neher, HFM und w3 unter dem Namen „NHW 3D Drucktechnik“ das Kompetenzzentrum für additive Verfahren in Süddeutschland. „Mit 3-D wird man ganze Häuser drucken“, ist Christian Bender überzeugt. Der 34-Jährige hat bei der Firma HFM in Kalkreute eine Modellbaulehre absolviert und hörte im vergangenen Jahr, dass 3-D im Unternehmen zum Thema wird. „Ich habe Interesse an dem Modellprojekt mitzuarbeiten“, meldete er sich bei NHW-Geschäftsführer Michael Schmid und entschied sich bewusst, ein neues Berufs- und Arbeitsfeld zu betreten. „Learning by Doing“, ist die Methode, um sich das Know-how beizubringen. Bei 3-D wird ein Produkt im Schichtaufbauverfahren hergestellt. Quasi in hauchdünnen Scheiben wird eine Schicht auf die andere gesetzt, bis das Teil fertig ist, wobei das Grundmaterial aus mikroskopisch feinem Granula besteht. Die vielen Einsatzmöglichkeiten von 3-D faszinieren Christian Bender. Es wird weiter experimentiert, immer neue Materialzusammensetzungen sind möglich. Er ist überzeugt, in ein zukunftssicheres Berufsfeld gewechselt zu haben.

Einen uralten Beruf übt Irene Kohlmaier aus und ist sicher, dass sie noch viele Jahre mit viel Spaß dabei sein wird. Die 49-Jährige ist gelernte Altenpflegerin, arbeitet bei der Caritasstation St. Elisabeth und hat sich zur Fachkraft für Geronto-Psychiatrie mit Schwerpunkt Demenz weitergebildet. Angesichts der älter werdenden Gesellschaft und bröckelnden Familienstrukturen bezeichnet Kohlmaier die Pflege als absolut sicheren Zukunftsberuf. „Menschen pflegen Menschen“, steht für sie fest und lehnt die Vision von Pflegerobotern ab. Sie schätzt die Vielseitigkeit, Flexibilität, Teamwork und Einsatzmöglichkeiten in der Pflege. „Und wir bekommen von den Pflegepersonen so viel zurück“, erzählt sie mit leuchtenden Augen. Die Einstiegsvergütung für Lehrlinge mit 600 bis 700 Euro findet sie in Ordnung und gute Erfahrungen macht die Caritas mit Auszubildenden mit Hauptschulabschluss: „Es lohnt, sich um diese jungen Leute zu bemühen.“ Dank flexibler Einsatzzeiten und Schichtmodellen kann das Unternehmen auch Müttern eine Beschäftigungsmöglichkeit anbieten. „Wir machen alle einen guten Job“, rührt Irene Kohlmaier selbstbewusst die Werbetrommel für den Pflegeberuf.

Um die gesundheitliche Vorsorge kümmern sich Angehörige eines anderen Berufsstandes, der nach Überzeugung von Hape Barz absolut zukunftsfähig ist: Fitnesstrainer. Der studierte Diplombetriebswirt betreibt seit mehr als drei Jahrzehnten in Pfullendorf ein Fitnessstudio und ist unter anderem ausgebildeter Rehasportrainer und A-Lizenzfitnesstrainer. „Das Bedürfnis der Menschen, gezielt etwas für ihre Gesundheit zu tun, wächst immer weiter.“ Die Mitgliederzahl in den Studios bundesweit habe sich seit 2012 jährlich um neun Prozent erhöht, sagt Barz. In diesem Jahr erwarte die Branche einen Umsatz von fünf Milliarden Euro. „Das ist ein interessantes Aufgabengebiet für junge Menschen, die den Umgang mit Menschen lieben und sich in der Sport- und Gesundheitswelt wohlfühlen“, ergänzt Barz, dass sich das Berufsbild enorm erweitert habe, besonders in den Bereichen Rehasport und Prävention. Der Fitnessbereich biete auch kaufmännische Ausbildungsmöglichkeiten, bis hin zum Studium der Fitnessökonomie oder Bachelor of Arts. „Der Beruf ist aber nichts für Menschen, die nur acht Stunden an fünf Tagen arbeiten wollen, und glauben, dass sie an Sonn- und Feiertagen immer frei haben müssen“, weist Barz auf fordernde Arbeitszeiten hin, die sich an den Bedürfnissen der Kunden orientieren.

Wenn junge Leute im Beruf ihre Erfüllung finden, dann ist der Standort für die Nachwuchsrekrutierung nicht entscheidend. Diese Erfahrung machen Melanie Straub und Leo Wiedenmann, die in der 60 Köpfe zählenden Ortschaft Ebratsweiler, Ortsteil von Herdwangen-Schönach, im Jahr 2013 die „Kreativ Kompanie“ gegründet haben. In der Firma der 29-jährigen Fotografenmeisterin und des 32-jährigen studierten Webdesigners trudeln Bewerbungen aus ganz Deutschland, ja der ganzen Welt ein. Für zwei Ausbildungsplätze hatte man die Auswahl zwischen 80 Bewerbungen. „Wir können uns die besten rauspicken“, freut sich Meli Straub. In den Bereichen Mediendesign, Webdesign, Fotografie und Film ist die „Kreativ Kompanie“ unterwegs und diese Vielfalt an Einsatzfeldern ist ein Pluspunkt für junge Leute, weiß Straub. Ebenso wichtig ist die Möglichkeit, frühzeitig Verantwortung zu übernehmen und beispielsweise Projekte eigenständig zu verwirklichen, ergänzt Geschäftspartner Leo Wiedenmann. „Werbung wird immer benötigt“, ist Melanie Straub von der Zukunftsfähigkeit ihres Berufsstandes überzeugt.

Management-Trainer Martin Braun gibt Tipps

Martin Braun ist Managementtrainer und Coach bei der von ihm mitgegründeten Firma Develop People in Illmensee.

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Welche Voraussetzungen müssen Beschäftigte mitbringen, um in dieser neuen Arbeitswelt bestehen zu können?

Flexibilität im Denken, professionelle Neugierde und vernetztes Denken – die Grenzen von Zuständigkeit und Verantwortung werden sich erweitern und zum Teil viel weniger eindeutig sein als bisher. Umso mehr müssen die Mitarbeiter von morgen komplexe Zusammenhänge und das ‚Große und Ganze‘ verstehen, um verantwortungsvoll agieren zu können. Viel mehr Informationen müssen interpretiert und in kürzester Zeit richtige Schlüsse daraus gezogen werden. Und natürlich braucht es dazu ausgesprochene Team- und Kommunikationsfähigkeit – gerade auch international – sowie eine IT-Affinität, also die Bereitschaft, die unterschiedlichen „Mensch-Maschine-Schnittstellen“ offensiv zu nutzen.

Benötigt dieser neue Arbeitnehmertypus auch neue Anreizsysteme, damit er sich für die Beschäftigung in einem Zukunftsjob interessiert?

Die Diskussion um die sogenannte Generation Y oder X macht deutlich, dass Geld alleine nicht mehr das ist, was die jungen Mitarbeiter reizt und vor allem bindet. Neben einer sinnstiftenden Unternehmenskultur in der Organisation sind hier vor allem die Führungskräfte gefordert, die diese Werte im Umgang mit diesen neuen Mitarbeitern leben und diese darin fördern: Eben tatsächlich Wissen zu teilen – auch halbfertiges, Fragen zu stellen, konstruktiv Kritik zu geben und Kritik umzusetzen, sich angstfrei weiterzuentwickeln.

Wie könnten solche Anreize aussehen?

Natürlich braucht es nach wie vor eine faire, marktübliche Entlohnung. Man spricht in diesem Zusammenhang davon, dass Geld ein Hygienefaktor ist, der zwar selbst nicht motiviert, aber wenn er ausbleibt, zur Demotivation und Selbstentwertung beiträgt. Mindestens ebenso wichtig ist, dass die Führungskräfte sich intensiv um ihre neugierigen Mitarbeiter kümmern: Sie wollen gefördert werden in ihren Ideen, in ihrem Wissen, in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung. Sie brauchen Anerkennung, Feedback und konstruktive Kritik. Die „transformationale Führung“ spricht in diesem Zusammenhang von inspirierender Motivation und echtem Vorbild, das die jeweiligen Führungskräfte leben müssen.

Fragen: Siegfried Volk