So wie vor 200 Jahren wird Ostrach und das gesamte Drei-Länder-Eck im Jahr 2018 quasi fest in Räuberhand sein, wenigstens theatertechnisch. Anlässlich des 200. Todestages des legendären Räubers Schwarzer Vere, der bürgerlich Franz Xaver Hohenleiter hieß, wird es in Ostrach ein Freiluft-Theater-Spektakel geben, in dem die Zeit, die Umstände und auch die Person des Schwarzen Vere erzählt werden. "Es wird aber keine einzige physische Grobheit auf der Bühne geben, aber viel Humor und eine Liebesgeschichte", verspricht Ewald Reichle, der mit Michael Skuppin und Martin Klawitter das Drehbuch verfasste. In einem Pressegespräch erzählte das Trio, wie so ein Drehbuch entsteht und welche Herausforderungen die Suche nach den entsprechenden Schauspielern und Statisten ist, die das Geschriebene auf der Bühne mit Leben füllen sollen. Reichle akquirierte seine Truppe vornehmlich in Ostrach, scheute sich aber nicht auch in Bad Saulgau und Mengen nach Schauspieltalenten Ausschau zu halten. Letztlich sind es rund pro Aufführung 120 Mitwirkende, darunter drei Dutzend Sprechrollen, 50 Statisten, 15 Kinder und Musiker der örtlichen Kapellen, die bei der humorvollen Räuber- und Liebesgeschichte aus dem Ostrachtal "Wenn der Schwarze Vere kommt..." mitwirken werden.

Mit dabei ist auch die neu gegründete Dragonergruppe aus Ostrach. Zur Premiere ist ein Fest geplant, wobei die Gespräche mit den Vereinen zwecks Beteiligung schon laufen und die örtliche Gastronomie eingebunden werden soll, wie Bürgermeister Christoph Schulz erklärte. Das Theaterstück ist eingebunden in ein ganzjähriges Veranstaltungsprogramm zum Gedenken an den Schwarzen Vere. So wird es im Heimatmuseum eine entsprechende Ausstellung geben. Als weiteren Höhepunkt kündigte Schulz ein Konzert von mehreren Chören des Oberschwäbischen Chorverbandes auf der Bühne an.

Die Finanzierung des Spektakels ist dank einer Förderung durch das Leader-Programm des Landes, den Eintrittsgeldern und dem Engagement von Sponsoren ziemlich gesichert, sodass das Risiko für die Gemeinde überschaubar sei, wie Schulz erläuterte. Er erhielt offiziell ein Exemplar des Drehbuches und hatte mit der Theateridee jahrelang bei Ewald Reichle nachgehakt, der bekanntlich schon etliche Historienspektakel in der Region inszeniert hat. Im Oktober wird es ein erstes Treffen aller Mitwirkenden geben und dann starten die Probearbeiten. In dem 120-seitigen Drehbuch wird weniger das Räubergeschehen im Focus stehen, sondern die Besonderheiten der Lebensumstände im damaligen Ostrachtal und heutigen Drei-Länder-Eck. Dabei geht es auch um die landmannschaftlichen Animositäten zwischen Hohenzollern, Badnern und Württembergern, die von Nostalgikern auch heute noch augenzwinkernd gepflegt werden. Der erfahrene Heimatautor Reichle hat auch die Gemeindereform von 1975 in das Stück integriert, Napoleon ist dabei und in diesem Rahmen ist eine grenzüberschreitende Liebesgeschichte angesiedelt, angereichert mit viel Lokalkolorit. Mehr wollten die Drehbuchschreiber nicht verraten, außer das Ende: "Es geht gut aus."

Die Umgebung von Ostrach vor zwei Jahrhunderten war für die Gaunerbande ideal, denn das Gebiet war von zahllosen Grenzen, Enklaven und Exklaven der souveränen Herrschaften Hohenzollern-Sigmaringen, Württemberg und Baden durchsetzt. In diesem Durcheinander von Zuständigkeiten schlugen die Räuber unter Führung des Schwarzen Vere in einem Land zu und entkamen über die nahe Grenze der Obrigkeit. Das ging zwei Jahre gut, bis die Gruppe gefasst und eingesperrt wurde. Am 20. Juli 1819 zog über Biberach ein gewaltiges Gewitter auf, ein Blitz schlug im Siechenturm ein und beendete das Leben des „Schwarze Vere“.

Ewald Reichle wies abschließend daraufhin, dass die Räuber niemanden getötet haben und im Prinzip aus Hunger und purer Verzweiflung vor allem Lebensmittel gestohlen haben. Eine weitere Besondheheit des Schwarzen Vere war, dass die Räuber immer zuschlugen, wenn die Bewohner beim Gottesdienst waren.

Aufführungen und Extras

Die Premiere findet am 8. Juni, 19.30 Uhr, auf der Freilichtbühne statt, die vor der Zehntscheuer errichtet wird. Die Tribüne hat Platz für 530 Besucher. Geplant sind weitere Aufführungen am 9., 10. und 13. Juni und der Termin für die fünfte Aufführung ist abhängig von der Auslosung der Fifa-Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland. Um eine Kollision mit einem Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft zu vermeiden, wird die Auslosung Anfang Dezember abgewartet und dann der Spieltermin festgelegt. Ob die Generalprobe öffentlich stattfindet, wird noch entschieden und ist auch vom Vorverkauf abhängig, der Anfang Dezember startet. Die Aufführung dauert etwa 2,5 Stunden. Dazu kommt eine Pause, bei der sich die Besucher verköstigen können.

Infos über die Theaterproduktion gibt es unter www.schwarzervere.de