Im Landkreis Sigmaringen wurde eine weitere Wolfssichtung offiziell bestätigt, nachdem im Donautal am 17  Februar ein Tier in eine Fotofalle getappt war. Eine Woche später filmte ein Privatmann aus einem Auto heraus einen Wolf in der Nähe von Ostrach, wie das Umweltministerium auf Anfrage des SÜDKURIER bestätigte. "Wir gehen davon aus, dass es sich beide Mal um denselben Wolf handelt", sagt Pressesprecher Ralf Heineken. Tatsächlich können Wölfe binnen eines Tages bis zu 60 Kilometer zurücklegen, sodass das gesichtete Tier die Distanz zwischen dem Donautal und Ostrach problemlos bewältigen konnte. Nur wenn die staatliche forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt aufgrund von Foto- und Filmmaterial, Wolfslosung oder genetischem Material an einem gerissenen Opfertier eindeutig die Urheberschaft eines Wolfes feststellt, bestätigt das Ministerium entsprechende Sichtungen. "Wolfsrisse im Landkreis Sigmaringen sind bis jetzt nicht bekannt", antwortet der Ministeriumssprecher auf eine SÜDKURIER-Frage. Sollte ein Wolf ein Nutztier, beispielsweise ein Schaf töten, dann erhalten die Halter eine Entschädigung. "Dies geschieht unbürokratisch und die Entschädigung orientiert sich an den Marktpreisen", erläutert Ralf Heineken, dass dafür extra ein Fonds eingerichtet wurde, der zu 70 Prozent aus Landesmitteln finanziert und vom Naturschutzbund (Nabu) verwaltet wird.

Nach der Wolfssichtung in Ostrach wurde auch das Landratsamt Sigmaringen über den Vorfall benachrichtigt, bestätigt Pressesprecher Tobias Kohlbeck. Die Behörde wird über einen speziellen E-Mail-Verteiler ebenso wie auch Jägerschaft oder Landwirtschaftsgruppen vom Land informiert. Allerdings gab es vom Ministerium kein Bildmaterial über die jüngste Wolfssichtung, denn der private Handyfilmer will die Bildrechte an seinen bislang einmaligen Aufnahmen nicht abgeben. Auf Anfrage des SÜDKURIER verneinte Ministeriumssprecher Heineken, dass es auf der Schwäbischen Alb schon Wolfsrisse gegeben habe, was in der dortigen Jägerschaft kolportiert wird. "Derzeit kann man auf jeden Fall noch nicht davon ausgehen, dass sich ein Wolf in Baden-Württemberg angesiedelt hätte oder auf dem Weg dazu ist", lautet seine Antwort auf eine entsprechende Frage. "Denn zur Rudelbildung gehören bekanntlich zwei Tiere – ein weibliches und ein männliches", ergänzt der Pressesprecher.

Gestern meldete sich auch der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Burger zu den Wolfssichtungen im Landkreis Sigmaringen zu Wort. Er mahnt, dass nach der unbestreitbaren Rückkehr des Wolfs in Baden-Württemberg nun die entsprechenden Vorkehrungen getroffen werden müssten, weil es früher oder später zu Konflikten mit dem Raubtier kommen werde. „Wir brauchen in unserem dicht besiedelten und bewirtschafteten Bundesland ein umfassendes Management-Konzept", appelliert der Parlamentarier, dass Umweltministerium und Landwirtschaftsministerium gemeinsam ein tragfähiges Konzept entwickeln sollten. "Dabei gilt es, die Interessen des Naturschutzes mit den Interessen der Landwirtschaft aber auch der Bürger in Einklang zu bringen", erklärt Burger.

Insgesamt wurden seit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg 26 Mal Wölfe gesichtet, fotografiert oder gefilmt, wobei das Umweltministerium davon ausgeht, dass es sich um sechs verschiedene Tiere handelte.

Verhaltenshinweise

Grundsätzlich stellen Wölfe keine Gefahr für den Menschen dar, beruhigt das Umweltministerium Stuttgart. Wölfe vermeiden gewöhnlich eine direkte Begegnung mit Menschen. Wenn es dennoch zu einer Begegnung kommt, gilt Abstand halten, nie auf die Tiere zugehen und sie bedrängen. Folgt der Wolf in gewissem Abstand, sollen sich Betroffene nicht hastig entfernen oder weglaufen, sondern weitergehen und dabei laut sprechen. Fühlt man sich unwohl, stehenbleiben, laut rufen und in die Hände klatschen, sich groß machen und – bei weiterer Annäherung des Tieres – mit Gegenständen werfen. Unter keinen Umständen Wölfe füttern. Hunde können von Wölfen als Eindringlinge in ihr Revier angesehen und angegriffen werden. Wer einen toten, kranken oder verletzten Wolf findet, soll Naturschutzbehörde, Forstbehörde oder Polizei informieren. (siv)